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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 23-24 (1905) · p. Seite 374

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
23-24 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 374 (sequence 26)
Language
German
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374 JUNG ISRAEL Die Wahrheit ist: lvir bewegen uns innerhalb der in der heiligen Schritt oft genannten Ebene Saran, deren außerordentlich üppiges Wachstnin schon in früher Zeit ein derartig sprichwörtliches geworden war, daß der königliche Sänger des Hohen Liedes Salomonis die hinunlische Braut, deren Schönheit er feiert, ausrusen lassen tonnte: „Ich bin eine Bluine 51t Saron und eine Rose im Tal." Damals weideten hier Tausende von langhalsigen Kcmelen samt ungezählten brüllenden Rindern und meckerndem Kleinvieh, während gleichzeitig emsige Bienen aus dnstenden Blüten und würzigen Kräutern, mit denen das Erdreich buchstäblich i'ibersät war, Massen süßen Sattes davon trugen, dergestalt, daß man gar wohl von einem Laude, wo Milch und Honig floß, zu reden berechtigt war. Nicht genug damit, so gedieh daselbst aus wohlgepflegten Aeckern auch das trefflichste Getreide 1111b ebenso fehlte es nicht an breitwipsligen Oliven, welche ihr dickflüssiges Oel, oder an Weinpslanzungen, welche jenen edlen Tropfen lieferten, von dem auch Gottes Wort rühmt: „Ter Wein erfreut des Menschen Herz." In Verbindung mit dem allem aber erhob sich in diesen lachenden Gefilden bald da bald dort eine größere oder kleinere Ansiedelung wohlhabender und zusriedener Menschen. Ganz anders finden lvir die Verhältnisse heutzutage! Viele Ortschaften sind vom Erdboden verschwunden bis aus einige wenige, die sich dem Auge des Beschauers erbärmlich genug darstellen, denn die Wohnungen lverden von kleinen, niedrigen, fensterlosetl Hütten gebildet, deren Wände aus grauschwarzem, getrocknetem Kot hergestellt und deren Dächer statt, wie bei uns, mit Ziegeln oder Schiefer, eillsach mit lustig weiter grünenden Rasenstücken gedeckt wurden, so daß eine derartige Niederlassung von weitem vielmehr an ein roh ausgesührtes Festungswerk als an ein Bauerndorf erinnert. Trotz so weitgehender Verwilderung war aber doch die unverwüstliche Triebkraft dieser altberühmten Bodenscholle nicht gänzlich zu ertöten. Nach der winterlichen Regenzeit schießt noch immer an vielen Stellen ein Gras empor, welches binnen kurzem eine Länge erreicht hat, daß die zierlichen Gazellen, die daselbst Hausen, sich bequem darill verstrecken könllen und von dem hochbeinigen Kamel nicht viel nlehr als der Kops sichtbar bleibt.

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