Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 21 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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WIEGENLIED Von Theodor Zlocisti. Leise sinkt die Nacht hernieder, Nieder auf die stille Stadt. Englein singen Abendlieder, Die Gott selbst gedichtet hat. Musst die blauen Äuglein schliessen Noch viel fester, gutes Kind, Siehst dann besser: Blümchen spriessen Und wie schön die Engel sind. Siehst dann unter Palmenzweigen Sternlein tanzen Paar und Paar. Über ihre Jubelreigen Lacht der liebe Gott sogar. . . - Und du schreist nun fort in einem; Magst mein Bitten nicht verstehn, Wirst genug noch müssen weinen, Und genug nach Tränen sehn. Kindheitsträume schnelle rosten. Deine Welt steht blütenschwer. Wirst jetzt ihre Süsse kosten! Später spürst du sie nicht mehr. Später spürst du Fremdlingschrecken, Staub’ge Strassen, sonnverdorrt, Flüche sprühn von allen Hecken Und das böse Mitleidwort. Schlaf, mein Kind, und lass die Englein Deines Schlummers Hüter sein! Und auf deinen Rosenwänglein Glüht vom Paradies ein Schein.