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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 17 (1905) · p. Seite 272

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
17 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 272 (sequence 20)
Language
German
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272 JUNG ISRAEL der Schule nach Hause wallte, und die dicke Botenfrau Heberle mit der dicken Bestellung, die schnell erledigt sein wallte. Ein „pfiffiger" Schusterjunge mit gespitzten Lippen, ein Paar neubesohlte Stiefeln wie zum Schutz vor sich hinhaltend, und der schmalbrüstige Depeschenträger, dems garnicht so eilig schien mit den Telegrammen. Jeder schalt in seiner Art. Friede! jedoch hielt sich für den Unglücklichsten. Tie waren doch samt und sonders mit ihren Kleidern gedeckt. Ter Gummimantel vom Oberlehrer war wasserdicht, und der alte Rock, den sich die Botenfrau über den Kopf gezogen hatte, auch. Ter Lederschürze vom Schusterjungen schadete die Nässe so wenig wie dem Mantel vom Depeschenträger. Nur sein Samtrock war allem ausgesetzt. Er strich liebkosend darüber hin. Wie fein glatt und blau er war! Und nur für die hohen Feiertage und für besondere Gelegenheiten war er bestimmt. So ein alberner Wolkenbruch! Friede! konnte sich noch gar nicht drein finden. Aber er mußte schließlich warten wie die Andern. Fragte nur die Tante kleinlaut: „ Kanus noch lang dauern, Tante?" „Wer weiß. Ta hinten lichtet sichs. Hoffentlich ists bald zu Ende." Da jagten wieder dicke schwarze Wolken herbei. „Tauerts immer noch lang, Tante?" „Ja, jetzt siehts bedrohlicher aus, man kanns nicht recht sehen." Friede! wollte weinen. „Still, mein Junge, nur ausharren! Bitt einmal schön, vielleicht Hilsts." Friede! faltete die Hände. Ruhig und flehend. „Lieber Vater im Himmel, lass' doch den Regen aufhören." Umsonst. Ta wurde sein kleines Gebet dringender. „Lass' doch den Regen bald aufhören, ich Hab doch meinen guten neuen Jontefanzug an." Siehe, da wards Heller. Schütte es vorher aus Eimern, so goß es jetzt nur noch aus Spritzwagen. Dann nur noch aus Gießkannen. Schließlich wars ganz vorbei. Friede! trollte jauchzend mit der Tante weiter. — „Mein Gebet hat geholfen," jubelte er, und liebkosend strichen seine Hände über den — Jontefanzug. (Aus „Jsr. Fambl. Franks.)

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