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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 15 (1905) · p. Seite 232

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
15 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 232 (sequence 14)
Language
German
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232 JUNG ISRAEL Glaubensgenossen derselben wohnen, die gleich nach.der babylonischen Gefangenschaft eingewandert sein sollen. Eine andere Tradition sagt, daß die Einwanderung unter der Dynastie der Han geschehen sein soll. Merkwürdig ist nur, daß die chinesischen Juden Stücke einer Thora haben, die von der gangbaren zienllich abweicht. Die Kenntnis des Hebräischen ist bei ihnen säst völlig entschwunden, auch sind sie in Sprache und Tracht ganz im Chinesentum ausgegangen. Gegenwärtig wird von seiten englischer Juden in Shanghai versucht, die chinesischen Juden, namentlich die von Kai-Feng-Fu, für das Judentum, das bei ihnen auf recht schwachen Füßen steht, zurückzugewinnen. Es hat sich zu diesem Zwecke in Shanghai eine Gesellschaft gebildet, welche sich mit der jüdischen Gemeinde von Kai- Feng-Fu brieflich in Verbindung setzte, bis kürzlich ein Abgesandter dieser chinesischen Juden, Li King Sheng, und sein zwölfjähriger Sohn Li Tsung May nach Shanghai kamen, wo sie sich eine zeitlang aufhielten, um die Gebräuche der europäischen Juden kennen zu lernen. Nach Beendigung der chinesischen Wirren sollten dann auch die Shanghaier Juden Abgesandte nach Kai-Feng-Fu schicken. Sehr merkwürdig sind auch die Juden von Cochin. Die dortige Gemeinde ist sehr alt, die großen Reisenden des Mittelalters erwähnen sie alle, und auch in neuerer Zeit sind sie oft beschrieben worden. Ein eigentüullich reiches Bild von ihren Hochzeitsgebräuchen entwirft ein englischer Reisender, der vor längerer Zeit diese Küsten besucht hat. Marokko, das Land, in welchem die Willkür Gesetz ist, wo es fast gleich furchtbar ist, arm oder reich zu sein — auch dieses Land hat eine große Menge von Juden — man schätzt sie auf 200 000 — und ihre Kulturstufe entspricht so ziemlich der uüttelalterlichen Umgebung, in welcher sie leben. Allenfalls in den Küstenplätzen beginnt es besser zu werden, der Verkehr und die Schulen der Alliance israelite tuen das ihrige dazu. Wundervolle Typen gedeihen auf diesem heißen Boden des westlichsten Stückes „Orient". Von den bedrücktesten unter unseren vielbedrängten Volksgenossen gehen wir nun zu den ungebundensten und herrenmäßigsten über, den jüdischen Beduinenftämmen in Arabien, den Söhnen Cheber's oder Chaibar's. Aber nicht nur die weite Strecke der ganzen Sahara, sondern auch einen Zeitraum vou 3000 Jahren müssen wir überspringen, um uns bei den Cheber-Beduiuen zurecht zu finden.

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