Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 15 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9620171-9626617-9622931--1718-9622941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
228 JUNG ISRAEL Wir waren nicht immer das Volk, das weint, Das Volk der Tränen, der Seufzer und Klagen, Wir haben einstmals den stärksten Feind Gelehrt: Auch Juden können schlagen. Wir haben der wütendsten Hasser gelacht, Und für den Glauben grosser Ahnen Wir gingen mutvoll in die Schlacht, Und siegreich wehten unsere Fahnen. Geschlechter schwanden im Zeitengewühl, Geschlechter wurden neu geboren, Wir aber haben das Heldengefühl, Im Drang der Ghettonot verloren. Verloren den alten Riesenmut Und wurden zager, stiller, scheuer, Und doch, noch brennt in unserm Blut Das alte Hasmonaerfeuer. Man hat uns gehetzt in Not und Tod, Mit groben Flegeln den Leib uns zerdroschen, Und doch, das alte Feuer loht, Und ist im Blutmeer nicht erloschen. Wir duldeten Martern wohl sonder Zahl, Die schwachen Körper mussten erliegen, — Doch bleibt in uns ein Ideal, Das, Völker, könnt ihr nie besiegen!