Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 12 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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192 JUNG ISRAEL Bei dieser unerwarteten Erscheinung erblaßt der Herr, ver- [tiinniu und betrachtet mürrisch den verhaßten Rivalen. Es folgt ein Augenblick des Schweigens und peinlicher und ängstlicher Erwartung. Endlich wringt der Herr wütend von seinem Platze auf, stürzt sich feinem Feinde entgegen und spricht mit drohender Stimme zu ihm: „Was wollt ihr hier? Hier ist kein Platz für euch; geht hinaus!" Der Unglückliche, der sich vielleicht eingebildet hatte, daß die unerwartete Einladung einen Wunsch der Eintracht und des Friedens bedeute, geriet bei jener Aufforderung in Staunen und Schrecken. Vergebens wollte er das Zeugnis des Dieners anrufen, um darzutuu, daß sein Kommen nicht eine Beschimpfung des Herrn fei, sondern ein Folgen seinem Ruse; der Herr wiederholte drohend seine Aufforderung. Und alle Blicke der Gäste waren auf B a r Sl a m z a gerichtet. Er fühlte auf seinein Gesichte die Flanwten der Schani und den Zorn der Beschimpfung im Herzen. Er tat sich jedoch Gewalt an, versuchte eilt Mittel der Versöhnung und sagte, zu seinem Feinde gewendet: „Denket, daß es eine zu schwere Beleidigung ist, mich so gemein, im Angesichte so angesehener Personen aus eurem Hause zu jagen; lasset mich bleiben, und wenn es euch drückettd ist, mich gastlich tmd freundschaftlich zu behandeln, so werde ich aus nteinett Mitteln das, was ich in eureni Hause genießen werde, zahlen." „Gehet hinaus," schrie der Herr. „Beruhigt euch," versetzte der Rivale, sich mit Mühe zurückhaltend; „beruhigt euch; laßt mich bleiben, und ich mache mich anheischig, die Hälfte der Kosten dieses Gastmahles zu zahlen." „Gehet hinaus," rief der andere drohender als zuvor. „Das ganze, das ganze Mahl werde ich geben; so werdet ihr der Gast fein, nicht ich." „Gehet Hittaus," donnerte der andere unerbittlich. B a r K a m z a , mit dem Zorne im Herzen und mit dem Fluch aut ben Lippen, ging fort aus jenem Hause, indem er zuvor auf alle einen wilden Blick warf, aus dem die Glut der Rache für den erlittenen tNtd von ben Gästen nicht abgewehrten Schimpf hervorsprühte. (Lchluß folgt.) Druck von Paul Raatz <8 Co., Berlin SW., Friedrichslr. 16.