Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 10 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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148_JUNG ISRAEL_ Höher und höher stieg die 8 o n n e — eine wohlige Wärme strömte von ihr aus — schön, licht und warm schien die Sonne alles zu machen. „Tas ist der König von allem," so dachte der Knabe, „hoch am Himmel wandelnd hat er dies geschaffen," und anbetend fiel er aut die Kniee — nur schauen und denke::, nur sinnen und beten wollte er. So verging der Tag - - ein wunderbarer, ereignisvoller Tag. Ter Knabe weinte, als die Sonne unterging. Nun — schien ihn: — sei der Schöpfer des Alls entschwunden, und Furcht und Zagen zog in dee- Knaben Herz, denn dunkel wurde es auf der weiten Flur. Finsternis entzog ihm den Anblick, der ihn so sehr entzückt und erhoben hatte. Ratlos blickte er zur Höhe, und siehe — der Mond war aufgegangen und mit ihm zahllose Stern e. „Ter Mond ist der Schöpfer des Alls und die Sterne seine Tiener," rief der Knabe, uud anbetend loarf er sich nieder. Viele Stunden mochte er so in traumvoller Versunkenheit zugebrucht haben, und als er dann wieder um sich sah, da stand die Sonne abermals am Firmament. Ta ward ihm eine Erkenntnis, die seine Seele durchwühlte, die ibn aufregte bis in die Tiefen seines Gemiites. Tann aber kan: Gewissheit, Klarheit und Ruhe über ihn. Nicht die Sonne, nicht der Mo.nd sind Herren, nicht die Sterne sind Diener — sondern Sonne, Mond und Sterne, sie alle sind Tiener, sic gehorchen einem unsichtbaren Herrn. Er schreibt ihnen ihre Bahnen vor, er gibt ihnen Gesetze, und sie müssen diese befolgen. Und er, der so Großes befiehlt, er hat auch seine Tiener geschaffen - - er hat alles gemacht, was in eine Augen erblicken. Allmächtig ist er, ihn will ich anbeten und verehren — denn, ob ich ihn auch nicht sehe — ich fühle ihn, seine Werke schaue ich — er ist Gott, der große und gewaltige Schöpfer. Beseeligt durch diese Erkenntnis eilte der Knabe zu seiner Mutter, die sich wohl um ihn geängstigt, aber cs dennoch nicht gewagt hatte, die Höhle zu verlassen. Gänzlich verändert kam ihr der Sohn vor. — Als wäre er in der kurzen Zeit zum Jüngling herangereift,so sicher war sein Benehmen, so gedankenvoll war seine Rede. Er erzählte der aufhorchenden Mutter, was er draußen erlebt. Und dann sprach er: