Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 10 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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L Länger kann er ihn nicht halten Fast reisst er zu Boden ihn. „Sind es höllische Gewalten, Die im Totenkopfe ziehn? Werft den Schädel auf die Wage, Wägt mit Eisen mir ihn auf!“ Doch der schwingt mit einem Schlage Selbst das Eisen hoch hinauf. „Wägt mit Gold, das wird ihn heben, Wenn das Eisen ihm zu leicht.“ Unten bleibt der Schädel schweben, Und der Heldenfürst erbleicht. „Hält die Hölle mich umschlungen? Hat der Wahnwitz mich gefasst? Den noch keine Macht bezwungen. Höhnst du mich, du bleicher Gast?“ Reisst vom Haupt die goldne Krone, Wirft sie bebend zum Gewicht; Doch der Schädel, wie zum Hohne, Wird nur schwerer, regt sich nicht. „Herr, den Zauber kannst du lösen,“ Spricht dem König nah ein Greis. „Nur ein Trug ist’s von dem Bösen, Der dein Inn’res kennt und weiss! Nimm, o König, so viel Erde, Als ein Mensch im Grabe wird. Und wie durch ein mächt’ges Werde Rasch empor die Wage klirrt.“ Es geschieht — und leicht gehoben Schwebt der Totenkopf wie Flaum. Alle sehn erstaunt nach oben. Und der König hält’s für Traum. Und der Weise nimmt die Rede: „Sieh des Lebens schnöden Kauf! Jede stolze Herrschaft, jede Wägt Verwesung spielend auf. Königsträume, kühne Plane, Der Gedanke und der Traum, Und die Macht liegt nur im Wahne, Und das Glück, es ist nur Schaum.“ Frankl. JC