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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 9 (1905) · p. Seite 134

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
9 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 134 (sequence 10)
Language
German
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134 JUNG ISRAEL meines Freundes einmal den fieberkranken Bettler wochenlang in einem Hospital ärztlich behandelte, war ihm das sonderbare Benehmen des alten Mannes einigermaßen enträtselt worden. Der menschenfreundliche Arzt nahm ein besonderes Interesse an dem Kranken, aus dessen Fieberphantasien und halben Geständnissen in lichten Augenblicken sich ein Lebensbild ergab, das bei aller Sonderbarkeit dennoch in der Millionenstadt fast als ein alltägliches gelten konnte. Ich gebe es hierin aller Kürze: Vor langen Jahren erklärte ein völlig mittelloser, junger Mann, namens Magnus, dem Vorstande der jüdischen Gemeinde in dein polnischen Grenzdorse S., er fände in der Heimat keine ihm zusagende Beschäftigung und möchte deshalb nach England auswandern, um dort sein Gliick zu versuchen. Man möge ihm nur die Möglichkeit verschaffen, nach Breslau zu kommen; von dort hoffe er sich schon selbst weiter durchzuschlageu. Man versuchte erst, ihmchas waghalsige Abenteuer auszureden, setzte ihm auseinander, daß in London das Geld auch nicht arrf der Straße liege, aber der junge Mensch blieb bei seinem Vorhaben. Ta man fürchten nmßte, Magnus würde andernfalls alle Arbeitslust verlieren und der Gemeinde zur Last fallen, beschaffte inan das verlangte Reisegeld bis Breslau. Bald daraus verließ Magnus unter den Segenswünschen einiger seiner Altersgenossen das polnische Nest, voraussichtlich aus Nimmerwiedersehen. Acht Tage sprach man noch von ihm, wie -von einem untergegangenen waghalsigen Tollkops, dann aber war er vollständig vergessen, zumal ein anderes, weit wichtigeres Ereignis den kleinen Grenzort in Anspruch nahm. Jedes Gemeindemitglied wendete seine Ausinerksamkeit den: unaufhaltsamen Vermögensniedergang des früher begüterten, aber durch Trunksucht ruinierten Branntweinschänkers Mosinsky zu, wobei die Tochter des letzterein ein anerkannt hübsches und braves Mädchen, allgemein bedauert wurde. Nach einigen Wochen kam es zur notwendigen Versteigerung des Häuschens des inzwischen einem Schlagflusse erlegenen Mosinsky. Das Anwesen wurde einen: fremden Bieter zugeschlagen, der sofort eine bare Anzahlung von viertausend polnischen Gulden erlegte. Wie groß war aber das allgemeine Erstaunen, als man in dem Ersteher den erst wenige Monate vorher ausgewanderten Magnus erkannte, der sich in tiefes Schweigen hüllte und sich daraus beschränkte, bei der Behörde den redlichen Erwerb des von ihm angezahlten Geldes

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