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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
8 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 128 (sequence 22)
Language
German
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128 JUNG ISRAEL Was unsere Meisen lehren CHebe dem, der Handel treibt mit dem Namen Gottes. <3* Oie 6bre unseres Nächsten muss uns so Heb sein, wie unsere Ehre selbst. <3* Einer gibt wenig, einer gibt viel. In Wahrheit viel gibt aber nur der, welcher gibt mit freundlicher Mene. <3* Wer durch Darlehen unterstützt, ist grossmütiger und edler, als wer durch Hlmosen unterstützt. <3? Wirf keinen Stein in einen Brunnen, aus dem du einmal Wasser getrunken hast. *3? Liebe den, der dich auf deine fehler aufmerksam macht, mehr als den, der dich immer lobt. W i e^enlied ZU DEM GLEICHNAMIGEN GEDICHT Mancher von euch Hat sich vielleicht gewundert über den traurigen, wehmütigen Ton, den in dem Wiegenlied, das am Anfang dieser Nummer von „Jung Israel" steht, die Mutter dem Kinde gegenüber anschlägt. Aber wißt ihr, wer diese Mutter ist'? Keine frohe Frau, die im schönen warmen Schlafzimmer am Bette ihres Kindchens sitzt und singt, bis Liebling schläft, — es ist eine gramgebeugte Mutter, nicht alt an Jahren, aber reich an Not und Entbehrungen, die drüben in Rußland in einem kleinen Städtchen in ärmlicher Stube sitzt und wartet . . . Worauf? fragt ihr! Wißt, ihr Mann, der in Rußland keine Arbeit finden konnte, ein armer Schneider, ist mit anderen Seinesgleichen nach Amerika ausge wandert, um dort in der „neuen Welt" Arbeit und Brot für sich und die Seinen zu suchen. Die Frau aber blieb in dem russischen Städtchen, weil sie ja nicht gleich alle zusammen die weite teure Reise machen konnten. Und nun — seht ihr — nun freut sie sich über jeden Brief, den ihr Mann schreibt und wartet, bis er so viel Geld verdient haben wird, daß sie und ihr Kind sich ans die Reise machen können, um dann für immer in der neuen Heimat zu bleiben. Ob sie dann froh sein werden? Seht, wie die Mutter schon bei dem Gedanken daran jubelt: „Ei wie wird dich Baker küssen, Tanzt mit dir im Kreis voll Freud, Doch dein Mütterchen, mein Liebling, Weint und weint vor Seligkeit."

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