Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 5 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL. 68 kann sagen, was die Zukunft bringen wird. Aber das können wir aus uuserer Vergangenheit und aus der Gegenwart lernen, daß die Rolle der Juden nicht ausgespielt ist, und daß wir noch Aufgaben und Pflichten vor uns haben. Darum, liebe Kinder, bemüht euch, etwas Rechtes zu leisten und tüchtige Menschen zu werden. Haltet fest an eurem Judentum und tue jeder, was er kann, um dem jüdischen Namen wieder Geltung und Anerkennung zu verschaffen unter den Völkern! Wer alte Halouwn. „Wie alt seid ihr wohl, Salomon?" „Wie alt ich bin? Genau so alt wie mein kleiner Finger." Diese Antwort konnte man oft aus dem Munde des ehrwürdigen Greises hören, wenn man ihn nach seinem Alter fragte. Und er wurde oft darnach gefragt. Wußte doch jedes Kind in der Gemeinde, daß es diese Antwort zu erwarten habe; aber es war auch jedem bekannt, daß es dem „alten" Salomon Vergnügen zu machen schien, diese Antwort geben zu können. Denn er schmunzelte regelmäßig, wenn er die Frage vernahm, und zeigte den kleinen Finger der rechten Hand, während die anderen Finger von dem Daumen in der Hand festgehalten wurden. Die ältesten Leute der Gemeinde in N. schätzten ihn auf 90 Jahre. Warum er sein Alter nicht verraten wollte? Nun, vielleicht wußte er es selber nicht. Dann aber war es wohl eine auf Aberglauben beruhende Scheu, die von der Angabe des Alters abhielt, es sei denn, die Frage lautete: „Wie alt — bis hundert Jahr?" Wie alt Salomon war, hat keiner genau erfahren. Durch mehr als zwei Generationen hat er als der „alte" Salomon das bescheidene Amt eines Gemeindeboten in N. bekleidet. Was Wunder, daß er jedes einzelne Mitglied der freilich nur kleinen Gemeinde genau kannte, auch ihre jüdischen Namen wenigstens bis zum Großvater hinauf wußte; denn jedes jüdische Kind muß neben dem deutschen Namen auch einen jüdischen, den sogenannten Erbnamen, tragen. Er wußte auch genau, wann jemand „Jahrzeit" hatte. Zu den vielen Pflichten des Gemeindeboten gehörte auch das Einziehen der Gemeindeabgaben. Dieses Amt war immerhin verantwortungsvoll und heischte Treue und Zuverlässigkeit. Und Salomon war wirklich treu; ach, er war so unschuldig wie ein junges Kind. Als er starb, waren seine letzten Worte an seine Frau: „Rahel, dort im