Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 4 (1905) · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
4 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 62 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9620171-9626617-9622660--1455-9622678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 JUNG ISRAEL. Jude zahlt an den Stadtpräfecten IV4 Ducaten, das sind 32 Majorini, 2 Majorini machen ein Marcel, und 13',2 Majorini machen einen venetianischen Ducaten. In Beiruth selber wohnen keine Juden, ich kann dafür keinen Grund finden, da doch die Araber hier besser sind als in den andern Provinzen und den Juden sehr zugetan. Nun will ich beschreiben, was ich mit eigenen Augen gesehen habe. An allen Orten, wo wir vorbeikamen, stiegen Juden auf das Schiff, von denen welche nach Beiruth gingen; mit der Handelsgaleere kamen auch ungefähr 150 Juden, alle arm und elend, nach Beiruth, so daß wir ungefähr 300 an der Zahl waren. Die Araber benahmen sich sehr mitleidsvoll gegen die Armen, teilten unter ihnen Geld, Weizen. Brod und Obst aus; die Christen werden von ihnen öfters beleidigt, und sie schrien ihnen nach: Hund, Sohn eines Hundes; den Juden beleidigen sie nicht, ich mußte mich um so mehr wundern, daß hier keine Juden wohnen. Wir nahmen zusammen ein Haus mit dem frommen angesehenen R. Joseph aus Saragossa und blieben mit ihm und seiner ganzen Familie sieben Tage, bis wir uns entscheiden konnten, ob wir über Damaskus gehen sollen oder über Sidon, welche Stadt blos eine halbe Tagereise von Beiruth entfernt ist und schon zum heiligen Laude gehört. Endlich entschloß sich R. Joseph, den Weg über Sidon zu nehmen; ihm schlossen sich der alte ehrwürdige Jekuthiel aus-Viggasolo mit seiner Frau Nobila, R. Daniel aus Burgo und noch mehrere andere an. Da wir aber hörten, daß Corsaren sich da Herumtreiben, so beschloß ich. nicht mit ihnen zu gehen, rief meinen Brnder Jekuthiel, und wir wählten den Weg über Damaskus, während jene über Sidon gingen. Der Statthalter wie auch die jüdische Gemeinde in Sidon machten dem N. Joseph den Vorschlag, da zu bleiben, und versprachen ihm 50 Ducaten jährlich, um mit seiner Familie hier leben zu können; sie drangen sehr in ihn, da zu bleiben, denn der Mann war sehr berühmt, und der Statthalter versprach sogar 20 Ducaten aus seiner Tasche. Nun muß ich Euch mit zerknirschtem Herzen den Unfall, der sich da ereignete, erzählen. Nach Sukoth stiegen 3t. Jekuthiel aus Viggasolo mit seiner Frau, der ausgezeichnete Jüngling Daniel aus Burgo, alle seligen Andenkens, mit noch andern Personen in ein arabisches Schiff, um sich nach Jerusalem zu begeben. Ein gewaltiger Sturm erhob sich, als sie gerade vor Ako waren, und alle Juden bis auf einen aus Sicilien, ertranken; als man diese Nachricht nach Saphet brachte, schickte man sogleich einige Männer aus der Gemeinde nach jenem Orte, wo sie alle nackt am Ufer gesunden und daselbst begraben wurden. Wenn ich daran denke, wie alt und jung hier ins Grab gekommen, bevor der natürliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.