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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 3 (1905) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
3 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 38 (sequence 8)
Language
German
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38 JUNG ISRAEL. ie Iuöen in Haöna. Padua, das unter der Herrschaft der Earrareser den Juden günstig war, gedieh, wurde jedoch im 14. Jahrhundert von großem Unglück heimgesucht. Die Scagliger verwüsteten die Umgebung; Hungersnot und die im Jahre 1348 wütende Pest legten Handel, Industrie und Landwirtschaft brach. Erst die zweite Hälfte des Jahrhunderts brachte wieder einigen -Aufschwung ins städtische Leben. Jnr Jahre 1384 wurde den Juden der Ankauf von Land zum Zweck der Anlage eines Friedhofs erlaubt, was wie folgt begründet wurde: „Trotzdem die Juden der christlichen Gemeinde nicht angehören und deren Lehren nicht' anerkennen, sind sie doch Menschen wie wir?' Die Paduaner Juden hatten zu jener Zeit schon Schulen und Vorsänger. Kein Jude brauchte Erkennungszeichen auf den Gewändern zu tragen. Diese Herrlichkeit dauerte aber nur so lange, wie die Carrara über Padua herrschten. Nach Eroberung der Stadt durch die venezianische Republik schlug die vorteilhafte Lage der Juden alsbald ins Gegenteil um; sie mußten ihre Häuser und ihren Grundbesitz verkaufen, und es wurde ihnen nur von fünf zu fünf Jahren Aufenthaltsrecht bewilligt. Alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde hatten seit dem Osterfest 1603 im Ghetto zu wohnen, außerhalb desselben durften sie nur an Markttagen verkehren. Eine Beschreibung des ihnen angewiesenen Zwangswohnhauses lautet wörtlich: „Die Häuser des Ghetto sind, was die Lage betrifft, beinahe unbewohnbar, ohne Höfe und Gärten, bar jeder Bequemlichkeit, wie sie andere Häuser der Stadt haben, trotzdem zahlen wir den Eigentümern hohe Miete, die sie, wenn sie an Christen vermietet würden, nicht erreichen könnten?' Schon früher hatte die Republik verordnet, daß die Juden ein Erkennungszeichen tragen müßten. Nur auf Reisen und am letzten Faschingstage, wo der Zulauf in die Stadt ein größerer war, durften sie dies Zeichen ablegen. Die Tracht der jüdischen Ärzte brauchte keine besonderen Zeichen aufzuweisen. Trotz alledem war das Dasein der Inden in Padua erträglicher als sonstwo, denn die Republik regierte nachsichtig. Im 17. Jahrhundert waren viele deutsche, spanische und portugiesische Juden eingewandert, von denen viele die Paduaner Universität bezogen. Ihnen war aber nur das Studium der Medizin erlaubt. Endlich fing es in der altersschwachen Republik au gewaltig zu gähren.

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