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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 12 (sequence 19)
Language
German
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12 JUNG ISRAEL. zwei prächtige Gestalten, die Haustreppe hinauf und ließen sich durch den vor der Tür stehenden Diener anmelden. Alsbald öffnete sich die Türe, der Adjutant trat hervor mit den Worten: „Treten Sie ein!" — Der Erzherzog war leicht gekleidet, ohne Uniform, ein ganz junger Mann. Sich erhebend, sah er den Kommenden freundlich entgegen. Da trat Wolf mit einer ehrerbietigen Verbeugung näher. „Ew. Kaiser!. Hoheit wollen meinem Vater, Michael Dreyfus, Hauswirt und Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, erlauben, seine Ehrfurcht zu bezeigen und Ew. Kaiser!. Hoheit zu danken für die Ehre, daß Sie in seinem Hause Quartier genommen haben und zugleich eine religiöse Pflicht zu vollziehen, zu der ihm noch nie Gelegenheit geboten war." Der Erzherzog entgegnete nach einer leichten Handbewegung: „Freut mich, in dem Hause eines so würdigen Mannes zu wohnen. Doch möchte ich gerne wissen, welche religiöse Pflicht damit verbunden ist!" Der Vorsteher Michael Dreyfus erwiderte: „Es ist uns Israeliten geboten, beim Anblick eines gekrönten Hauptes und seiner Söhne einen hierfür bestimmten Segensspruch zu sagen." „Das ist ja schön," erwiderte der Erzherzog, „und wie lautet er denn? Wollen Sie ihn gefälligst laut aussprechen." Der Vorsteher griff etwas verlegen an seinen Dreispitz (Hut mit drei Spitzen nach damaliger Mode). — „Prinz," nahm darauf der Adjutant das Wort, „ich weiß von Prag aus, daß es den Juden verboten ist, eine religiöse Übung mit entblößtem Haupte auszuführen." Der Erzherzog: „Will Ihrem Gewissen keinerlei Zwang" antun, bedecken Sie sich!" Vorsteher Dreifuß setzte hierauf seinen Dreispitz auf und sprach mit lauter Stimme: „Boruch schenosan michwodo lebosor w’dom.“ „Wollen Sie mir dies auf deutsch erklären," bat hierauf der Prinz, worauf Dreyfus den Spruch mit den Worten: „Gelobt seist du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du von deiner Herrlichkeit auch Menschen mitteiltest," übersetzte. „Eine erhabene Idee!" sagte der Prinz zu seinem Adjutanten! Nachdem hierauf der Erzherzog seinem Diener einen Befehl in fremder Sprache gab, entfernte sich dieser schnell. Auf die nebenstehenden Stühle weisend, sagte der Prinz: „Setzen wir uns" und ließ sich hierbei auf einen Feldstuhl nieder; die anderen Herren folgten gleichfalls seiner Aufforderung. „Ja, Kaiserliche Hoheit! Bei Freud und Leid, bei jedem Genuß, sowie bei jeder einzelnen Erscheinung sollen wir dem Schöpfer danken, der von allem der Urheber ist," bemerkte Dreyfus. (Schluß folgt.)

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