Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 16 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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235 Bußgebete (pin^D) verrichtet, um das alle Jahr mit aufrichtiger, inniger Bekehrung und Büßfertigkeit zu beschließen. Mancher von euch wird null frageil: „Wozu ist das Schofarblasen?" Tie Antwort darauf giebt uns Meinwuides: Wieivohl das Blasen mif denl Schofar ein biblisches Gebot ist, fo enthält es doch die Bedeutung: Ihr Schlafenden, wachet auf aus enrenl Schlafe, lind ihr Betällbten, lvachet auf aus eurer Betäubung! Prüfet eure Lebeuswerke luw kehret reuig zurück und gedenket eures Schöpfers, ihr, die ihr die Wahrheit vergesset um weltlichen Tand lmd eure Lebenszeit hiilgeheil lasset in Eitlem und Nichtigem, das nicht frommt und nicht rettet! Blicket nach euren Seelen mld bessert euren Waildel und eure Werke! Verlasse jeder von ellch feinen sündigen Weg und seine uufrommeu Gedanken!" Kariamne. Geschichtliche Srzählung aus dem letzten Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, von Moritz Scherbel. (Fortsetzung.) voll der Königin und einer eigens für sie bestellten Lehrerin wurde Noemi sowohl in Bezug auf ihr verhalten bei Hofe, als auch in den verschiedensten Kenntnissen unterrichtet. Und da sie eben so gut beanlagt wie fleißig war, so eignete sie sich neben vielen Kenntnissen und Fertigkeiten auch die bei Hofe geltenden Uni gangsformen an. Alle, selbst der unfreundliche König und die stolze Salome hatten ihre Freude an der Kleinen. So wie Noemi von ihrer ganzen Umgebung geliebt wurde, so hatte sie auch die mit ihr verkehrender! Personen lieb — mit Ausnahme des Königs und seiner Schwester. Mit deru Blicke der Unschuld hatte Noemi bald das Unedle in deren Herzen herausgefunden; sie mochte es wohl ahnen, daß beide der Königin „ nicht wohl wollten, und deshalb hegte Noemi Mißtrauen gegen diese beiden Personen. „Das sind wohl keine guten Menschen," mußte sie sich sagen, so oft sie Gelegenheit hatte, sie still zu beobachten. Das Mißtrauen des Kindes gegen sie steigerte sich aber zur unüberwindlichen Abneigung, als sie öfters zu ihrem Kummer wahrnehmen mußte, daß die Königin stets nach einer Unterredung mit dem Könige oder dessen Schwester niedergeschlagen und traurig war. In mehreren Gesprächen, die Salome mit dem Kinde führte, hatte sie sich von Noemis Klugheit zu überzeugen Gelegenheit, aber auch von ihrer Anhänglichkeit an die Königin. Aber sie hoffte trotzdem, die Kleine als