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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 2 (1897) · p. Seite 18

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
2 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 Aus Kleinem wird Großes. von Moritz Grünfeld-Schwersenz. ll. ^jhr kennt öie Sprichwörter: „junger Lügner, alter Dieb." „kver lügt, der stiehlt," und wir können noch hinZnfügen, „wer stiehlt, der Hat5 nicht weit Zum Galgen." vafür silid der Beispiele mehr als genug verhandeln Hier eines für viele: So diente vor etlichen und füilfZig fahren in R. der einzige Sohn einer arinen Witwe beim Militär. wegen wiederholter Diebstähle wurde er für längere Zeit zu einer schweren Gefängnisstrafe verurteilt. Da es ihm, wie ihr euch denken könnt, in seiner Zelle nicht behagte, versuchte er aliszubrechen. (Einem Offizier, der ihm hiliderud eutgegentrat, stieß er jählings ein gezücktes Messer in die Brust und wurde so zum Mörder. Gr wurde ergriffen und nach Recht und Gesetz zum Gode verurteilt. Den Lebenslauf dieses Mörders will ich kurz erzählen. Sein Vater starb, als er acht ^ahr alt war. Seine Mutter verhätschelte ihn und war zu schwach, auch zu liachsichtig gegen seine Fehler. Gr war ein kleiner Wäscher und suchte sein Leckermaul, wo er nur konnte, zu befriedigen, indem er nicht nur im Hause, sondern auch außerhalb desselben auf unrechtmäßige weise Leckereien zu erhaschen suchte. Gr stahl auf dem stärkte Obst und wo er sonst in listiger weise Leckereien an sich bringen konnte. So gings auf der abschüssigen Bahn immer weiter abwärts. Gr entwendete dann auch Geld, und das alles nur, um seinen lüsternen Gaumen zn befriedigen. Auf die Kage seiner Mutter, woher er das Geld oder die Raschsachen habe, wußte er stets eine Ausflucht, mit der er die leichtgläubige Mutter beruhigte. Die Lehrer hatten ihre Rot mit ihm: denn zum Lernen Zeigte er wenig Lust, und er versäumte oft ohne Grund den Unterricht. Als er die Schule verlassen hatte, kam er in die Lehre; er hielt aber nicht lange stand, weil es ihm an der nötigen Arbeitslust und Ausdauer fehlte, und er, um seiner angewöhnten Sucht nach leckeren Genüssen zu fröhnen, sich unredlich erwies, indem er seine Lehrherren bestahl. So hatte er nichts Rechtes gelernt, und als die Zeit herankam, wurde er Soldat. Das klbrige, liebe Leser, ist euch bekannt. — Llnö fragt ihr jetzt, was machte diesen bejaminernswerten Unglücklichen zum gemeine,i Mörder, so habt ihr leicht öie Antwort — nur ein wenig Genäschigkeit. Aber man braucht nicht erst eine so lange trübe Schule dnrchzu,nachen, um sozusagen ein Mörder zu werden. Durch eine bloße Uleinigkeit kann inan den Tod eines Menschen verschulden.

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