Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 23 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621617--0401-9621624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
363 nicht, ich werde nnch gleich wieder Zurecht finden." Dabei lugte sie'mit ihren pechschwarzen Augen spähend umher, als ob sie wirklich den weg 'suchen würde. Aach einer kleinen weile rief sie aus: „Mt weiß ich schon, wo wir sind, und wo wir gehen müssen: dort hinab und dann rechts einbiegen. Rechts liegt das Dorf." Sk faßte dabei des Mädchens Hand, das nicht wußte, was es aufangen solle, und Zog es mit sich weiter. Und sie gingen wieder lange fort, fort in die finstere Rächt hinein. Der Himmel hatte sich mit Wolken überzogen, kein Sternlein lieh sich sehen; dicke Schneeflocken kamen herab und bedeckten die Kleider der beiden wandernden, so daß diese aussahen, als hätten sie weiße Pelze an. Plötzlich hörte man Hunöegebell. „Siehst Du, mein Püppchen", sagte in süßlichen: Tone das Weib, „nun sind wir iin Dorfe". IVk sehr freute sich Jnua darüber! Jn ihrer Aeuöe vergaß sie ganz und gar ihre große Müdigkeit, denn ja, todmüde war sie, vom vielen Gehen — und in raschen Sprüngen wollte sie nur gleich in's Elternhaus eilen. Aber ach, ach, bald zeigte es sich, daß dies nicht ihr Dorf, sondern ein ganz fremdes war. Rur ein paar niedere Hütten standen da. Au eine derselben klopfte die Alte an. Lin Mann kam heraus und die Beiden sprachen mit einander. Jriua konnte nicht verstehen, was das Weib dem Manne sagte, und was er antwortete, denn die Beiden redeten Zusammen die Zigeunersprache. Endlich wendete er sich zu dem armen Mädchen und sagte, daß. sie hier viele Stunden von ihren: HUmatsorte entfernt sei, und daß sie demnach heute nicht mehr dahin koiumen könne. „was werden meine Eltern sagen", rief Jrma bestürzt, „M kann nicht hier bleiben! M muß nach Hause!" „Sieber Alaun", fuhr sie mit Thränen in den AuM fort, ich bitte Sie, führen Sie mich zu meinen Eltern. Die werden Wien -.anken, so sehr! Sie werden Wien auch dafür zahlen, was Sie verlangen." v »■ 4 i V