Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 21 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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„Kommt Kinder, hört mir zu!" ps Pott Dr. 25. Auttner in Frankfurt a. Kutin. XIV. Jbv habt gewiß schon kleine und große Leute gesehen, die sehr leicht Zornig werden; die gleich in Wut geraten, wenn sie meinen, man habe ihnen ein Anrecht gethan; die, wenn man einen Spaß mit ihnen tnacht oder sie neckt, gleich eine Schlägerei anfangen! Andere wieder verlieren die Geduld, wenn sie warten müssen, oder wenn etwas nicht so schnell geht, wie sie wünschen; sie werden dann ungezogen, lärmen, poltern, schimpfen oder laufen davon; werden sie tnit einer Arbeit nicht so schnell fertig, wie sie gedacht haben, dann weinen sie oder schreien oder wollen schnelle Hilfe haben; aber mit Ruhe und Überlegung Zn arbeiten, dazu haben sie keine Geduld. Nicht wahr, ihr kennt solche ungeduldige, aufbrausende, jähzornige Menschen? ^jch glaube sogar, daß auch unter euch tnancher ist, auf deu tueiue Beschreibung patzt. Run, ihr seid noch jung und könnt euch noch bestem. Denn der Ungeduldige und stähZornige braucht nicht gerade immer ein schlechter Mensch Zu sein; aber unZnverlässig ist er, ö. h. man kann sich nicht auf ihn verlassen, weil tnan nicht weiß, wie lange er ruhig und geduldig bleibt. Auch gefährlich ist er, denn er gerät leicht in Zorn und weiß dann nicht mehr, was er thut oder redet, stm Zorn hat man eben keine Überlegung mehr, man verliert die Herrschaft über sich. Dadurch aber kann man sich und andere in das größte Unglück bringen. sthr wißt, wir nützlich die Haustiere uns sind, so lange sie nur das thun, was wir wollen; aber wie gefährlich werden sie, wenn der Mensch sie nicht mehr beherrschen kann, wenn sie Zornig und wütend einherstürmen! wie der Mensch das Gier beherrscht, so soll die Dernnnft den Menschen beherrschen, ö. h. der Mensch soll bei allem, was er thut und spricht, seinen verstand gebrauchen, vernünftig sein. Die Vernunft aber sagt ihm, daß er gedulöig'sein muß, weil er sonst nichts Rechtes Zustande bringt; „gut Ding will Meile haben", sagt das Sprüchwort; die Vernunft sagt ihm, daß nicht immer andere schuld sind, sondern oft genug er selbst, daß er also Zur Ungeduld, Zmn Schimpfen, Zum Dreinschlagen gar keine Ursache hat; die Vernunft sagt ihm endlich, daß er jeöesntal überlegen soll, tnit wetn er es Zu thmi hat: ob mit einem Stärkeren, mit einem Höheren, tnit einem Klügeren — in allen diesen Fällen mutz er sich bezwingen, sottst Zieht er sich Strafe odergar Schaden Zn. wer alles das bedenkt und nichts im Zorite thut oder spricht, von dein jagt man, daß er Selbstbeherrschung besitzt, wer sich selbst be-