Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 17 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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269 Berlin, den 8. September i8qj. Lieber Arthur! Du hast Recht, wenn Du meinst, die mosaische Lehre zvar der Pflege der bildenden Künste niemals günstig; aber dass sie der Kunst überhaupt nicht hold gezvesen zviire, das kann ich nicht zugeben. Denke doch an Exodus 31, 3 und 4.: » Und ich habe ihn erfüllt mit dem Geiste Gottes, an Kunst, Erfindung, Einsicht und an aller Eertigkeit, Sinnreiches zu ersinnen . . . « Kann man zvohl die hohe Bedeutung der Kunst treffender bezeichnen — als unter dem direkten göttlichen Einfluss stehend — wie es die Bibel thutr Aber die rein-geistige Auffassung von dem Wesen des einig-einzigen Gottes verbot jede sinnliche Darstellung der Gottheit und schloss selbst Bilder rein zveltlicher Art von den jüdischen Häusern aus. Erst als die Juden aus ihrem beschränkten Gesichtskreise heraus und in den Kreis europäischer Weltbildung eintraten, da zvehte auch sie der Genius der bildenden Ki'mstc an. Obenan unter den gottbegnadeten Künstlern steht unser Moritz Oppenheim. Als er sich für die Darstellung des altjüdischen Familienlebens entschied, war er bereits ein gefeierter Künstler. Seine innige Liebe zum Glauben der Väter und der Umstand, dass das altjüdische Familienleben im Scheiden begriffen war und seine Bilder schon der Zauber der Vergangenheit zu umwehen begann, gaben dem Meister die Richtung für sein künstlerisches Schaffen. Ausgerüstet mit einem hohen Talent, reicher Erfahrung und allseitiger Anerkennung hat er diese lebenswahren Bilder geschaffen, die einen unvergänglichen künstlerischen und für uns Juden den ganz besondern Wert haben, dass sie die ergreifenden Momente echt jüdischen Lebens mit seinem beseeligenden Glauben und beglückenden Frieden der Vergessenheit entreissen. Die Veröffentlichung dieser Bilder gehört mit zu den Aufgaben des Israelitischen Jugendfreundes. In allernächster Zeit wirst Du zvieder eines als Beilage erhalten, zvorüber sich gezuiss alle Deine Mitleser ebenso freuen werden wie Du. Möge Dir das neue Jahr Glück und Freude bringen! Lebe wohl! Bücherschau. 3m vorigen Hefte des Isral. Jugendfreundes hat Herr Dr. 5. Aristeller euch gezeigt, wie die Aboth die Jugend zur Frömmigkeit und schönen Litte ermabnt haben. Ich will euch auch nun darauf aufmer-ksam machen, daß er selbst ein Büchlein verfaßt hat, das den Titel führt: „Der ethische Tractat der Mschnah pirke Abc th d. i. Lprüche der Väter, übersetzt von Lanruel Aristeller," erschierrn in Berlin bei Lpeyer und Peters, Preis \ 2Harf. Aauft es