Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 16 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 wir gute und edle Acenschen, wie Gott uns haben will. Am besten aber merken wir, daß wir nach den: willen Gottes leben, wenn wir ein reines Gewissen haben. Ja, versucht es einmal und thut das geringste Böse, so habt ihr schon keine Buhe mehr in euch, ihr habt Angst und Unruhe; ihr habet Reue über das Gethane; ihr könnt in eurein Bette nicht recht einschlafen, weil es euch quält, und wenn ihr aufwacht, denkt ihr wieder daran; ihr seid mißmutig und könnt niemandem ehrlich und frei ins Gesicht sehen, kurz: ihr habet ein böses Gewissen und konnnt erst dann wieder zur Ruhe, wenn ihr es offen eingestanden und wohl gar eure Strafe empfangen habt, ^a wohl, lieber bekennen und sich strafen lassen, als von seinem Gewissen gepeinigt werden. Denn das Gewissen schweigt nicht, es ist die Stimme Gottes in uns, und je länger man nicht daraus achtet, um so lauter und furchtbarer wird es, und mancher verstockte Bösewicht ist wegen der heftigen Gewissensbisse wahnsinnig geworden oder hat sich das (eben genommen. Darum ist es unsere erste und heiligste Pflicht, uns ein reines Gewissen zu bewahren, indem wir allzeit so leben, d. h. alles so thun, und immer so reden und denken, daß wir uns keine Borwürfe zu machen brauchen. Wer so lebt, den quälen seine Gedanken nicht, der ist immer vergnügt, der kann jedem frei in die Augen sehen. Als Rain mit bösen Gedanken gegen seinen Bruder Abel umherging, sprach Gott zu ihn:: „Warum ist dein Angesicht zur Erde gesenkt? Fürwahr, wenn du gut bist, kannst du dein Auge emporheben" (s. Acos. 4,6). Jawohl, wer ein gutes Gewissen hat, braucht seine Augen nicht niederzuschlagen oder seitwärts zu sehen, sondern kann jedem furchtlos ins Auge blicken. Wer aber ein böses Gewissen hat, kann nicht fröhlich sein, denn er lebt immer in Angst, daß das Anrecht, das er begangen hat, herauskonnnen möchte; „der Wind im L)ain, das (aub am Baum saust ihm Entsetzen zu", oder, wie es schon in den Spr. Sal. 28,\ heißt: „Die Frevler fliehen, obgleich sie niemand verfolgt; der Gerechte aber ist sicher wie ein junger (öwe." Eines aber ist vor allem nötig, wenn man ein reines Gewissen haben will: man muß immer und unter allen Amständen die Wahrheit lieben und bei der Wahrheit bleiben und nicht von ihr weichen, auch wenn es uns Schaden bringen sollte. Ausdrücklich heißt es im 2. Buch Acose 23,7: „Bon der Sache der (üge halte dich fern!" Darum redet immer nur Wahrheit, so daß, wenn ihr Ja saget, es auch Ja ist, und wenn ihr Bein saget, es auch Nein ist, und denket nicht anders als ihr redet. Ein reines Gewissen macht uns glücklicher als alle Schätze der Welt; denn diese sind vergänglich, sie können uns geraubt werden oder durch ein Anglück verloren gehen, aber ein reines Gewissen bleibt uns ewig; es macht uns glücklich auf Erden und verbürgt uns die ewige Glückseligkeit in Gott. .