Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 13 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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194 „Kommt Kinder, hört mir zu!" pf. 5W. Pon I)r. HZ. Anttner in Frmikfurt a. Alain. X. Jbv keimt wohl alle die Zabel von dem habgierigen Hunde, der sein Stück Zleisch aus dem Maule verlor, weiter noch einZ weites erhaschen wollte, das er im Wasserspiegel erblickte. Diese Zabel will euch Genügsamkeit lehren. And damit ihr mich auch recht verstehet, will ich noch folgende Erklärung hinZnfügen: Wer das hat, was er braucht und damit Zufrieden ist, ohne noch mehr Zn verlangen, den nennt man genügsam. Was gebraucht denn aber der Mensch? Eigentlich nicht gar so viel; er muh sick satt essen können und mutz Kleidung und Wohnung haben. Run, wer etwas Erdenkliches gelernt hat und arbeiten will, dem wird es daran nicht fehlen. Rnr muh er genügsam sein und nicht glauben, es mutz immer Gebackenes und Gebratenes auf seinen Lisch kommen. — Wie mancher von euch rümpft die Rase und ist unZnfrieden, wenn ihm etwas vorgesetzt wird, was er nicht gern itzt; er vergißt aber, daß er damit eine Sünde begeht, weil er die Gottesgabe verschmäht, und eine Undankbarkeit gegen seine Eltern, die ihm doch sicherlich nur das vorsetzen, was für ihn gut ist, und gewiß auch so gut wie sie es können. Wer gesund ist und nicht alles itzt, was auf den Gisch kommt, der ist auch ungezogen und unbescheiden; thut er doch so, als sei das, was für andere gut genug, für ihn 'Zn schlecht, und er' allein müsse etwas Besseres haben. Ebenso kann man schon anständig gekleidet sein, ohne großen Aufwand Zn machen; man mutz nur nicht immer etwas Reues haben, weil andere es auch haben, oder wenn man sich einbilöet, das Alte sei nicht mehr schön genug. Überhaupt muß man sich bei jedem Wunsche die Zrage vorlegen: Muß das sein?' Muh es aber nicht sein, so soll man sein Geld für andere Sachen sparen. Als stacob vor seinem Bruder Esan nach Saran floh, erbat er sich von Gott nicht etwa Reichtum, sondern Brot (Währung), daß er Zu essen habe, und ein Kleid anZuZiehen; und von diesem wenigen versprach er noch etwas Zu Ehren Gottes abZngeben. (I. B. Mos. 26,22.) stacob war also genügsam, und darum segnete ihn Gott, und er ward sogar ein reicher Alaun, sta, wenn wir gesügsam sind, werden wir Md nicht nur das Rötige haben und Zufrieden sein,sondern leickt noch etwas übrig'behalten, um daniit Gutes Zn thun, wie stacob, um anderen Zn helfen, unseren Geist ansZubilden, gute Bücher Zn lesen und vielleicht auch Kunst und Wissenschaft Zu pflegen. Wer aber immer mehr will, auch wenn er längst das hat, was er braucht, der heißt ein Nimmersatt. Der, welchem ein bescheidnes Los genügt, Hat einen Schatz, der nie versiegt. Dem Unersättlichen in jeglichem Genuß Wird selbst das Glück Zum Ueberdrutz. „Wer ist reich zu nennen?" fragen unsere Weisen. — „Wer mit seinem Geil Zufrieden ist." (pirke Abow 4, 1.) Der Zufriedene Arme ist weit glücklicher als der unZufriedene Reiche.