Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 11 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 „Kommt Kinder, hört mir zu!" ps.^p. von Dr. H. Krrllner in Frankfurt a. IVt IX. IDiht br, welches der schönste Schmuck des Menschen ist? Das ist die Bescheidenheit! Dieses Wort kennt ihr alle schon, aber gar mancher von euch weih noch nicht, worin sich die Bescheidenheit Zeigt. So gebet einmal acht! wollt ihr bescheiden werden, so müht ihr vor allen Dingen geduldig sein. Spricht jemand, und ihr wartet nicht ab, bis er fertig ist, sondern fallt ihm in die Rede, so ist das unbescheiden. Auch wenn ihr das, was er spricht, schon längst wisset, oder sogar besser wisset als er, so müht ihr doch geduldig warten, bis er fertig ist. Thut ihr das nicht, so seid ihr unbescheiden. Tretet ihr in ein Geschäft oder an den Postschalter, während andere, die vor euch gekommeu und, bedient werden, so müht ihr warten, bis die Reihe an euch ist, ihr dürft euch nicht vordrängen, nicht euer Derlangeu daZwischen rufen oder gar ungeduldig werden nnd schimpfen; denn ihr seid doch nicht mehr als andere, und wer Zuerst kommt, wird Zuerst bedieut. Aber der Unbescheidene meint immer, er sei so viel wie andere oder gar noch mehr, und andere mühten ihm nachstehen. Befindet ihr euch in Gesellschaft älterer oder schwächerer Personen, so wäre es eine Unbescheidenheit, wenn ihr euch Zuerst setzeu wolltet, oder gar den einzigen Platz, den es vielleicht giebt, für ench besetzen. Ls ist auch nicht gerade bescheiden, sich immer vornan oder in die erste Reihe Zu setzeu oder Zu stellen. stn das Gespräch Erwachsener habt ihr euch ohne Erlaubnis nicht ein- Zumischen, sondern ihr müht Horen und schweigen und nur daun reden, wenn- 'ihr gefragt oder sonstwie Zinn Sprechen aufgefordert werdet wer das uicht thut, den nennt man vorlaut, naseweis und unbescheiden. werdet ihr von euren Eltern oder Lehrern ermahnt, oder gar getadelt, so habt ihr das mit der gebührenden Bescheidenheit hinZunehmen, ohne Widerrede, ohne Unarten; denn sie sind nicht nur älter und erfahrener als ihr, sondern sie haben auch euer Bestes im Sinne. Denkt dabei auch an den Spruch Salomos (13, IS): „Armut und Schande dem, der sich der Zucht entledigt! kver Zurechtweisung beachtet, wird geehrt."