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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-06-01 · 6 (6.1932) · p. Seite 7

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ausgezeichnet klar dargestellt und bis zur jüngsten Gegenwart sortgeführt), Frankreich, Grab,Haggada, Handel und Harrdwerk, hebräische Sprache, Historiographie (Geschichtsschreibung), Industrie, Islam (von dem jüngst verstorbenen Frankfurter Professor Josef Horovitz), Jehuda Halevi und Jerusalem. Aus dem Gebiete der Geographie seien die Artikel Duisburg, Düsseldorf, Efraim, Eger, Elsaß, Essen, Europa, Glogau, Halle und Indien erwähnt. Gießen ist von Rabbiner Dr. Sander dargestellt und Friedberg von dem verstorbenen dortigen Lehrer Ehrmann, dessen Manuskript zu seinem großen Schmerz und zum Nachteil der Bedeutung Friedbergs zu stark gekürzt worden ist. Dasselbe muß auch von dem Artikel H esse n bzgl. des Abschnitts Volksstaat Hessen gesagt werden, dessen Verfasser Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden, auch in diesen Artikeln wieder zu Unrecht beschränkt wurde. Sonst hätte die Geschichte Hessens ausführlicher dargestellt und das Bestehen von zwei Gemeinde-Landesverbänden erwähnt werden müssen. Die ältere Geschichte Hessens bis zu Philipp dem Großmütigen und die Geschichte Hessen-Kassels wird von Dr. R. Hallo, Kassel, dargestellt. Vor: den Personen, die in den drei Bänden in überwältigender Fülle genannt sind, können hier nur einige wenige genannt werden: der Chemiker Paul Ehrlich, Jonathan Eibeschütz, der Physiker Albert Einstein (über dessen Relativitätstheorie, aus zwei Spalten zusammengedrängt, eine allgemeinverständliche Darstellung gegeben wird), der Philosoph Rudolf Eisler, der Politiker Kurt Eisner, der Literaturhistoriker und Sprachreiniger Eduard Engel, der Psychoanalytiker Sigmund Freud. Aus Goethe und seine widerspruchsvollen Aeußerungen über Juden- und Judentum folgt Friedrich Gundols, der große Goethesorscher. Heinrich Heine, Theodor Herzl und Moses Heß sind ausführlicher behandelt, Maximilian Harden und Hilferding sind kurz erwähnt, ebenso die Metall-Industriellen Aaron Hirsch und Moses Hirsch,, der Gründer der Hirsch- Tunkerschen Gewerkenvereine. Ausführlicher ist der Rabbiner Samson Raphael Hirsch gewürdigt, während die jüngere Rabbiner- Generation in den Namen Italiener und Jakob vertreten ist. Neben dem holländischen, für die holländische und deutsche Kunst bedeutsamen Maler Joses Israels steht schließlich der deutsche Staatsrechtler Georg Jellinek. Es wurde schon eingangs erwähnt, daß die Ausstattung des gesamten Werkes in ihrer Güte nicht nachgelassen hat. Auch in den vorliegenden drei Bänden finden wir wieder Abbildungen in klarster und schönster Wiedergabe, von denen besonders die farbigen Titelbilder und die Illustrationen zu dein Artikel „Estherrollen" erwähnt werden. Einige Schwarzdrucke wünscht man sich allerdings etwas schärfer (so die Gewürzbüchsen zu dem Artikel Habdala). Es möge schließlich dem Besprecher gestattet sein, einige „kritische" Bemerkungen anzufügen, deren Sinn nicht dahin geht, das Gesamtwert zu verkleinern, sondern die Wünsche des Lesers zum Ausdruck zu bringen. Daß bei den Literaturangaben mitunter das Erscheinungsjahr eines Buches nicht angegeben ist, ist für den Benutzer des Werkes unangenehm. Daß unter der Fülle der genannten Personen trotzdem noch manche vergessen wurden, ist erklärlich; doch dürste die Auswahl der Namen wohl noch in stärkerem Matze aus den deutschen Leser eingestellt werden, der manchen Namen rricht in dem ihm gewohnten Sprachzusammenhang findet, sondern an einer ungewöhnlichen Stellensuchen muß. Auch vermißt man einige Namen von Rang oder besonderer Bedeutung, so den preuß. Justizminister Friedberg, den liberalen Vorkämpfer Falkenberg, den letzten Judenbischos von Worms, Michael Gernsheim und vor allem den Dichter Hugo von Hosmannsthal. In dem Artikel „Gemeinde" fehlt bei den deutschen Ländern eine Erwähnung der hessischen Gemeindeversassung und der hessischen Laudjudenschasten. Mitunter mutet die Stichwortauswahl etwas gelehrtenhaft an, so, wenn man Geschichtsschreibung unter dem Stichwort Historigraphie bringt. Kennzeichnend für die 'den Durchschnittsleser fremdartig anmutende Wissenschaftlichkeit ist es, wenn unter dem Stichwort Gojim zwar der biblische Volks- und Landschaftsname erwähnt ist, nicht aber das Wort im heutigen volkstümlichen Sprachgebrauch. Durchweg bemühen sich die Artikel bis in die jüngste Gegenwart vorzustoßerr, so bei der Dreysuß-Assäre und bei bet Darstellung der Ehescheidung und deren neuesten Resormversuchen. Auch die Statistik ist möglichst bis in die neusten Jahre sortgeführt. So ist die Statistik für Deutschland aus dem Jahre 1925 in dem Artikel „Europa" verwendet, leider jedoch nur die Statistik von 1907 in dem Artikel „Handwerk", während in dem Artikel „Handel" die Statistik überhaupt fehlt. Eine unausgeglichene Behandlung verspürt man, wenn man unter „Genealogie" die neue Gründung der Gesellschaft für jüdische Familienforschung verzeichnet findet, während nach „Gesellschaft" die Gesellschaftwissenschaft (Soziologie) mit ihren bedeutender: jüdischen Vertretern rricht zu finden ist. Auch unter dem Stichwort „Geld" vermißt man die von jüdischen Wissenschaftlern der letzten Jahrhunderte und Jahrzehnte vertretenen Geldiheorien. Unter „Gebet" würrscht nran eine Fortführung bis zur rrerrerr Religioirs-Philosophie, wie sie urrter dem Stichwort „Gott" augebahnt, aber leider rricht bis zur jüngsterr Gegenwart (Frarrz Roserrzweig usw.) sortgeführt ist. Diese werrigeu kritischerr Bemerkungen sollen dem Gesamtwerk keinen Abbruch tun. Hoffentlich wird trotz des wirtschaftlichen Niedergangs gerade der größten Förderer des Werkes seine Fortsührurrg in derr nächsten Jahren ermöglicht. Denn kaum jemals haben wir das Wissen der jüdischen Tatsachen so nötig wie heute. Rechtsanwalt Tr. Stahl, Bad-Nauheim. Gladkow, F. Neue Erde. Roman. Verlag für Literatur und Politik. Wien-Berlin. 336 S. Kart. 2,85 NM; Leinen 3,75 NM. „Neue Erde" heißt der kürzlich erschienene Roman des sowjetrussischen Schriftstellers Fjodes Gladkow, der sich in Deutschland durch „Zernent" eineri Naulerr gemacht hat, während das ebenfalls ins Deutsche übersetzte Buch „Ugrjumow erzählt vom Zuchthaus" weniger bekannt ist. Ani Tagebuch einer Erzieherin wird die Entwicklung der Kommune „Neue Erde" gezeigt, von der Gründung bis zum hossnungsfrohen Ausblick aus die Zukunft. Im Grundsätzlichen ist eine objektive Kritik des Buches unmöglich, weil sie von der Einstellung des Urteilenden beeinflußt sein muß. Jedes Kapitel enthält Diskussions- Möglichkeiten, und es wird vielleicht am besten überhaupt in Gruppen gelesen, um einen Meinungsaustausch an die behandelte Frage anzuschlietzerr. Denn die Kunstsorm des Romans ist hier Nebensache; das Wichtige ist die Tendenz, die Propaganda für die Idee des kollektiven Sozialismus: einmal in wirtschaftlicher, zum andern irr geistiger Hinsicht. Hier werden sich die Ansichten teilen. Zwar wird irr weiten Kreisen — namentlich der jüdischen Jugend — einer weitgehenden Verstaatlichung der Produktiorrsmittel und des Produktes im Interesse einer planmäßigen Wirtschaftsführung zugestimmt werden, aber bei aller Bereitwilligkeit zum wirtschaftlichen Sozialismus wird gerade der Jude nie den geistigen Kollektivismus ertragen, er widerspricht seiner Natur. Hier ist nun Gladkow der Vorwurf zu machen, daß er keinen vollwertigen Gegner seiner Arrschauungen zu Wort kommen läßt, da er aus diese Weise natürlich der Tendenz seines Buches schaden würde. Zwei Beispiele: Brennend ist das Problem des Zwiespalts zwischen Familie und Kollektiv. Die Frauen, welche ihre Kinder im Heim der Kommune ausziehen lassen, sind die idealen Arbeiterinnen und nebenbei die idealen Mütter, die andern, welche sich gegen die Erziehung ihrer Kinder im Heim sträuben, lasser: ihr Hauswesen im Schmutz verkommen und hemmen die Entwicklung ihrer Kinder. Wo aber ist die Frau und Mutter, die sich dagegen wehrt, ihr Kind von frühester Jugend auf nur noch in der Freizeit zu sehen und so die Fanrilie die „Zelle des Staates" auszulösen, die dafür ist, daß jeder in seinem Kreise mit dem Aufbau beginne und so mittelbar dem Ausbau der Gesamtheit nütze? Gladkow, der begeisterte Bolschewist, konnte keiner der lebendigen .Gestalten seines Buches solche Waffen gegen seine Idee zugestehen. Das andere Beispiel (man könnte deren eine ganze Merrge anführen) ist die Frage der Religion. Gladkow setzt kurzerhand Religion — Konfession — Opium fürs Volk — Aberglauben. Die Bekämpfung der Religion gehört deshalb genau so zum Arbeitsprogramm der Kommune wie die Liquidierung des Analphabetisnius. (Solche fremdwortreichen Ausdrücke siud sehr beliebt.) Tie kurze Rolle, die ein Pope zu spielen hat, ist äußerst würdelos, wogegen an und für sich nichts zu sagen wäre, denn jeder kann sich irr Osteuropa von den: Vorkomnren solcher Gestalten überzeugen, aber die Ausnützung eines derartigen Typs zur Agitation gegen die gesarrrte Geistlichkeit und vor allem gegen die Religion ist schon logisch unhaltbar. Soviel zum Grmrdsätzlichen dieses lesenswerter: Buches. Aus die kürrstlerische Beharrdlung des Stoffes kann inan die Worte auwenden, die Gorki arr den jungen Gladkow schrieb, als dieser ihm seine ersten Versuche zur Beurteilung ciuschickte: „Sie köirrrerr schreiben; Sie haben die Begabung, das Leberr zu beobachten urrd Sie haben Liebe zu den Merrschen." Hilde Levi. Unter dem Titel: „Tie billige Wohnung" hat die Aktienbnugesellschast für kleine Wohnungen und die Gartenstadtgesellschnft Frankfurt a. M. einen reich illustrierten Prospekt herausgegeben, der in gedrängter Form einen lebendigen Ueberblick über den neuzeitlichen Wohnungsbau in Frankfurt a. M. bietet. Die Siedlungen dieser Gesellschaften, die etwa 10500 Wohnungen umfassen, liegen rings um die Stadt reizvoll eingebettet ins gri'nre Vorland, unterbrochen von freundlichen Gärten und wohlgepflegter: Anlagen. Das beigegebene Bildmaterial veranschaulicht deutlich, wie die Wohnurrd Wirtschaftsräume dem Gedanken der Zeit- und Arbeitsersparnis zugleich aber auch der Schönheit und Bequemlichkeit dienend eingerichtet sind und wie Spielwiesen, Sportplätze, Bäder und Planschbecken dazu beitragen sollen, die Jugerrd, die hier draußen heranwächst, kräftig, gesund und froh zu erhalten. Der Prospekt wird an Interessenten kostenlos verschickt. Isi’s die Wäsche - geh' zu Wehrte! 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