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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-03-01 · 3 (3.1931) · p. Seite 11

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
3 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Bon der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" Frankfurt a. M. Das Sommersemester an unserer Rabbinischen Lehranstalt beginnt am Freitag, den 17. April (Rosch Ehaudesch Jjar). Anmeloungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasse, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Der Unterricht erstreckt sich auf: Bibel, Hebr. Grammatik, Talmud mit Kommentaren und Schulchan Aruch. Den Schülern ist evtl. Gelegenheit geboten sich in profanen Fächern unter fachgemäßer Leitung fortzubilden. Für den Lehrgang in der Vorbereitungsfloffe und der Unterstufe werden schuleiitlassene Knaben uiid ^unglinge aufgenommen, die schon einige Kenntnisse in Mischna und Talmud besitzen. Anmeldungen sind zu richten an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" Frankfurt a. M., Theobaldstraße 6, welches zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Ferienreisen 1931 der Schiller-Akademie. Auf Grund des großen Beifalls, den die Schiller-Akademie mit ihren seit Jahren veranstalteten, allgemein zugänglichen Studienreisen gefunden hat, bringt sie im Rahmen ihrer kulturellen Arbeit auch 1931 wieder eine Reihe solcher Fahrten unter bester wissenschaftlicher Leitung und Führung mit günstig gelegenen Ausgangspunkten. Neben den Heimatfahrten verdienen besonders Interesse eine Osterreise iiach Sizilien und Sommerurlaubssahrteii nach Dalmatien, Oesterreich, Ungarn, England, Frankreich, Norwegen, Schweden und Dänemark, sowie zwei Studienreisen im Herbst nach Spanien, mit Ausflug nach Marokko, und iiach Äthen-Konstantinopel zu überaus günstigen Bedingungen. Die Verwaltung der Schiller-Akademie, München-Grünwald, verseiidet gegen 15 Pennig Porto ausführliche Beschreibung dieser ebenso interessanten als billigen, allseits unterstützten Fahrten. Bücherschau. Dembitzer, Salamon. Bummler und Bettler, Berlin 1930. Axia-Verlag. Warum — wenn nicht dem Autor zuliebe — mag dieses Buch gedruckt worden sein? Wen können diese Selbstbespiegelungen eines ästhetisierenden, moralisierendeii, lebensunfähigen Weltschmerzlers, der zwecklos in der Welt umherirrt, interessieren? Wozu die große Geste, hinter der kaum jemals etwas anderes als ein aus Ueberfluß leicht geopferter Tausendkronenschein sich birgt? Die Erkenntnisse, die damit erkauft werden, sind zu teuer bezahlt, denn sie liegen schon lange auf der Straße. Und was für ein klägliches Deutsch mutet der Verfasser seinen Lesern zu. Das alles zusammen ist ja einfach unbegreiflich in unserer Zeit, die den Willen und die Verpflichtung zum harten Leben so streng anerkennt. Weißmann. Pilnjak, Boris. Die Wolga fällt ins Kaspische Meer. Der Roman des Fünfjahreplanes. Berlin. Neuer Deutscher Verlag. 1930. Eine technische Utopie in Nomanform: durch ein Staubecken sollen die Flußläufe um Moskau so verändert werden, daß eine direkte Verbindung zwischen Moskwa und Wolga entsteht uno somit Moskau nicht mehr nur an einem kleinen Flüßchen liegt, sondern eben in der Wolga eine Straße hat zum Kaspischen Meer, Um die zu erwartetenden Folgen dieser Veränderung klar zu legen, die so angebahnte Entwicklung zu kennzeichnen, unternimmt der Verfasser Streisßüge in die verschiedensten Gebiete: vom Biologischen zur Metaphysik, von Kulturgeschichte zu Geologie und von Wirtschaftskunde zu Politik und einfachem Menschenschicksal. Wenn er eine Theorie auseinandersetzen will, so unterbricht er unbekümmert die Handlung durch einen ausgiebigen Vortrag, um dann wie mit einem Kehrreim den eigentlichen Roman wieder aufzunehmen. Es handelt sich, wie K a r l R a d e k im Vorwort auseinandersetzt, darum, ein umfassendes Bild der gegenwärtigen Lage mit allen ihren Notwendigkeiten zu geben und auf diese Weife mitzuhelsen an der Verwirklichung des Fünfjahreplanes. Nach Radeks Meinung erfüllt Pilnjak diese Aufgabe noch nicht entschieden genug, da für ihn nebenher auch ästhetische Momente mitsprechen. Uns Westlern erscheint die Bereitschaft für das Ueberpersönliche, für das Werk, wie sie in einigen von Pilnjaks Gestalten lebt, bedeutsam genug, und daß die kleineren Geister für eine Idee sich nicht aufgeben können, durchaus wahrscheinlich. Wer immer zweifelnd oder gläubig den neuen Aufgang drüben mitansieht als den Versuch, mit bewußten! Willen menschlicher Entwicklung neue Bahnen zu weisen, der wird dieses Buch gewiß unter Schwierigkeiten (denn es kommt dem. Leser in keiner Weise entgegen) aber mit stärkstem Interesse durcharbeiten. Weißmann. Karawajewa, Anna. Fabrik im Walde. Berlin 1930. Verlag der Jugendinternationale. Dies ist ein Zeitdokument wie Gladkows „Zement". Um künstlerische Fragen handelt cs sich erst in zweiter, vielleicht in dritter Linie; sie sind der Verfasserin nicht wesentlich. Wohl kann sie schildern: aber sie'leistet sich dabei, wie e§ scheint ganz bewußt, außerordentliche Breiten, ohne daß ihr nur die Erwägung käme, sie könnte es auch anders machen. Sie will nichts weglassen. Um erkennbar zu machen, wie die Vorstellung des Kollektivs unter stumpfen, schlauen Bauern sich durchsetzt, braucht sie eben alle Typen, alle Situationen, alle wirtschaftlichen und menschlichen Konflikte, die sie am Leser vorüberglerten läßt. Sie will den Glauben als Ueberzeugung, und um dieses Zieles willen bucht sie gewißenhaft jedes „Für" und jedes „Wider". So entsteht der Eindruck eines Gemäldes, das auf vielverschlungenen Wegen die verschiedenartigsten Wanderer zeigt; unterschieden durch Tempo, Haltung, Ausdruck werden sie schließlich alle zu einem Hauptweg hingezogen und dadurch zu einem gemeinsamen Ziel. Weißmann. Jstrati, Panait. Michail. Die Geschichte einer Freundschaft. Frankfurt a. M. 1930. Rütten und Loening. Im „Michail" zeigt Jstrati den Weg der Freundschaft, den der junge Adrian Zograffi geht zu einem vom Leben gehämmerten Menschen. Zurückgewiesen — zurückgestoßen, wirbt er um diesen scheinbar Gestrandeten mit einer ganz unbeirrbaren Demut, elementar und daher unwiderstehlich. Nichts anderes als diese rein menschliche Angelegenheit gibt Jstrati sie aber in ihrem Kern erfaßt als eine Lebenschaffende Kraft. Der junge Adrian muß sich entscheiden, und er tut das ohne zu schwanken. Wie könnte auch von Unsicherheit nur im entferntesten die Rede sein, wenn auf der einen Seite die Bürger stehen: Mutter, Braut und Karneraden, zu denen allen er ein herzliches Verhältnis hat, auf der anderen Seite aber der Mensch Michail. Die Unbedingtheit des Empfindens formt auch die Sprache, das kommt schon in der Uebersetzung klar zum Ausdruck. Weißmann. Liebermann, Matwej. Im Namen der Sowjets. Aus Moskauer Gerichtsakten. Berlin. 1930. Malik-Verlag. Kart. 2.80 Mk., geb. 4.80 Mk. Genosse Liebermann", der Berichterstatter der Prawda, gibt in den hier zusammengestellten Gerichtsfällen das Leben „wie es wirklich gelebt wurde, ungeschminkt und nackt". Und doch nicht das, was man im allgemeinen unter dem Begriff der Reportage versteht. Aehnlich wie sein leider schon verstorbener Berliner Kollege Sling (Schlesinger) begnügt er sich nicht mit den Tatsachen. Was sind auch Tatsachen? Letzte sichtbare Zeichen geheimer Verkettungen. Diese aufzuzeigen, von ihnen aus den Schluß verständlich zu machen, darum geht es; auch erkennen zu lassen, daß die Sowjet-Regierung sich müht, der Idee des Rechts Geltung zu verschaffen, nicht dem B u ch st a b e n des Gesetzes. Weißmann. Bauer, Walter: Stimme aus dem Leuna-Werk. Berlin 1930. Malik-Verlag. Wie sonderbar, vor kurzem erlebten wir ein Hiobschicksal (die Geschichte eines einfachen Mannes, erzählt von Joseph Roth) heute erhebt sich die „Stimme aus dem Leunawerk", uni von einem anderen proletarischen Hiob zu reden. Unwesentlich, daß es im ersten Fall um das Schicksal eines einzelnen geht, während es im zweiten Fall um eine ganze Schicht sich handelt, für die diese Stimme Zeugnis ablegt, entscheidend vielmehr für beide die Erkenntnis des Geschlagenseins mit allem was daraus folgt an seelischer Vereinsamung und Verbitterung. Die „Stimme" steigt auf in Klage und Anklage mit Berichten von ärmsten Kinderfreuden, verschüchterter Jugend ohne Licht, Arbeit als entnervender Fron, Unentrinnbarkeit, Unlöslichkeit des Angepflocktseins. Geschlagen, gefesselt für immer. Für immer? O nein! irgendwo im Dunkel wächst — trotzig und gläubig — ein Dennoch! Was wird es einer höchsten Einsicht bedeuten, daß diese Suchenden wähnen, einzig ihre gemeinsame Kraft werde sie ins Licht heben? Sie glauben ja irgendwie und spannen ihren Willen — hellt sich der Weg erst auf, dann löst sich auch die Bitternis, und das starke Herz atmet frei. Weißmann. Kizzur Schulchan Aruch von Rabbiner Schllvmv Ganzfried s. A. mit deutscher Uebersetzung von Rabb. Dr. M. Kahn. Verlangsanstalt Samson Weiß. Frankfurt a. M. Die fünfte Lieferung dieses Subskriptionswerkes, welches auf 50 Lieferungen auf je zwei Druckbogen berechnet ist, liegt vor. Dieses religionsgesetzliche Sammel- Oie Gross e MARKE in Seifen jeder Art. Für Naumann’s Kernseife «extrafeine Qualität» gibt es keinen Ersafc. Naumann’s Feinseifen sind unerreicht in Körper sowie Parfüm und für die Gesundheitspflege direkt vorbildlich. 11

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