Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 2 (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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wird, wenn auch prominente Vertreter anderer Konfessionen vor wnem jüdischen Publikum ihre Anschauungen über diesen Gegenstand entwickeln. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand daher ein großangelegter Vortrag des geleierten Führers der katholischen Friedensbewegung, Pater Franziskus Slratmann. In seiner einleitenden Ansprache machte der Präsident der Julius Fenchel-Loge, Dr. Arthur Wilde, die Anwesenden mit dem Wirken des Verfassers des erfolgreichen Werkes „Weltreligion und Weltfriede" näher bekannt. P. Stratmann sprach über die F r i e d e n s v e r t r ä g e im Lichte der Religion und Ethik. Mit meisterhafter Beherrschung des Gegenstandes wies er zunächst nach, welchen Fortschritt in der Entwicklung des internationale!: Rechtes und des internationalen Gewissens der Locarno- und Kellogg-Pakt bedeuten. Wahrend früher der Einzelstaat in souveräner Weise über Krieg und Frieden zu eritscheiden hatte, ist nun ein aroßer Völkerkreis zum Wächter des Friedens geworden. Vom Standpunkt der Religion und der Sittlichkeit aber sind diese Verträge, ebenso wie der Völkerbundspakt und alle bisherigen Abrüstungsabkommen noch völlig ungenügend. Jeder dieser Verträge läßt uoch Hintertüren für den Krieg offen, und alle werden sie durch die Tatsache, daß die Staaten gleichzeitig zum nächsten Kriege rüsten, illusorisch. Nicht nur die Kriege, auch die Rüstungen müssen geächtet werden. Der Staat mutz endlich allen Ernstes die Sache des Friedens in die Hand nehmen, die jetzt nur durch moralische Mächte Vertreter: wird. Solange dies aber nicht geschieht, müssen die Religionen alle ihre Kräfte aufbieten, um die Befriedung der Welt vorzubereiten. Jede Religion hat ein Zentrum und eine Peripherie. Das Zentrum aller ist der Friedensgedanke. Deshalb ist die Losung berechtigt: „Der Friede der Welt durch die Religionen der Welt". Zum Schlüße ging der Vorsitzende auf die ihm wohlbekannten Leistungen der jüdischen Friedensbewegung ein und hob besonders die Bedeutung der Freiwilligen Jüdischen Friedenssteuer hervor, die er als eine auch für die anderen Bekenntnisse vorbildliche Einrichtung bezeichnete. Der ungemein lehrreiche und wirkungsvolle Abend, an dem noch bewährte jüdische Persönlichkeiten, wie Dr. Georg Herlitz und Direktor Oskar Wassermann das Wort für die Friedensbewegung ergriffen, endete mit einem feierlichen Schlußwort des Logenpräsidenten Dr. Wilde. — Im Vortragssaal der Synagoge Fasanenstraße (Charlottenburg) sprach Hellmut v. Gerlach vor den Hörern der „Schule des Friedens" und einer großen Zahl von Gästen über den Völkerbund und seine Bedeutung für die Gestaltung der iuternationalen Beziehungen. Die Ausführungen des bekannten Politikers waren ebenso fesselnd wie lehrreich. H. v. Gerlach, der die Entwicklung des Völkerbundes von Anfang an verfolgt und seine Gründer persönlich gekannt hat, beleuchtete mit großer Klarheit die Ziele, welche dem Präsidenten Wilson vorgeschwebt hatten. Trotz aller Unvollkommenheiten, die der Institution des Völkerbundes anhaften, bekannte sich v. Gerlach zu einer optimistischen Auffassung hinsichtlich seiner Bedeutung für die Menschheit und seiner Leistungsfähigkeit in absehbarer Zukunft. Vo:: diesem Standpunkt aus bezeichnete er die Zugehörigkeit Deutschlands zum Völkerbund als eine Bürgschaft für die gedeihliche Weiterentwicklung des Reiches. Der Völkerbund schafft jene politische und kulturelle Atmosphäre, in der die Synthese des Staatsbürgers und Weltbürgers möglich ist. Nach Schluß der mit rauschendem Beifall aufgenommenen Darlegungen würden dem Vortragenden von den Anwesenden zahlreiche schriftlich formulierte Fragen aus dem Bereiche der internationalen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bewegungen vorgelegt, die v. Gerlach in schlagfertiger Weise und und mit konkreten Angaben beantworte:: konnte. So bedeutete dieser Abend eine tatsächliche Bereicherung des Wissens der Hörerschaft. Dr. Alfred N o s f i g, der Leiter der Friedensschule, der den Vortragenden als einen Bahnbrecher der Friedensidee in Deutschland und Europa begrüßt hatte, brachte in Erinnerung, daß die Idee des Völkerbundes bereits in: Talmud formuliert ist. Ebenso kennt die jüdische Friedenslehre den Unterschied zwischen dem wahren Frieden und dem Scheinfrieden. Ferner wies Dr. Mssig auf den Zusammenhang zwischen der jüdischen Schule des Friedeus und der jetzt in: Entstehen begriffenen interkonfessionellen Friedensschule hin. — Die vor kurzen: im Anschluß an den „Jüdischen Friedensbund und die „Jungjüdische Friedensgemeinschaft" ins Leben gerufene „Schule des Friedens" hat ihre Tätigkeit mit zwei Lehrvorträgen eröffnet, die am 11. Dezember in der Aula der Jüdischen Mädchenschule in Berlin stattgefunden haben. „Was bedeutet die jüdische Friedenslehre für die Gegenwart?" Das war das Thema, welches der Leiter der „Schule des Friedens", Dr. Alfred N o s f i g, in: Rahmen des Lehrkurses die „Grundlinieü der Friedenslehre" einleitend behandelte. Der Vortragende widerlegte die Anschauung, daß die Bibel kein Buch des Friedens, sondern ein Kriegsbuch sei. Gewiß konnte das Fr:edensziel der Gründer des Judentums nicht mit einem Male erreicht werden. Gerade das Ringen um die Entwurzelung des kriegerischen Geistes aber verleiht der jüdischen Friedenslehre Ihren besonderen Wert. Während sonst nur die Idee des Friedens verkündet wird, weist diese Lehre die praktischen Wege zu seiner Verwirklichung. Die mosaische Gesetzgebung enthält die Richtlinien der geistigen und biologischen Erziehung zur Friedensgesinnung, sowie die Grundlagen einer Realpolitik des Friedens im sozialen, wirtschaftlichen und inter::ationalen Bereiche. Das spätere jüdischreligiöse Schrifttum gibt überzeugende Antworten auf die wichtigsten Friedensprobleme der heutigen Zeit. Ter jüdische Friedenssozialismus ist berufen, jetzt und in der Zukunft eine richtunggebende Rolle zu spielen. Hierauf sprach Pfarrer Karl Schmidt von der Thomaskirche über „Evangelium und Krieg".' Den Lehrvorträgen wohnten außer den Hörern der Schule auch Vertreter der christlichen Jugend bei, die der Anstalt lebhaftes Interesse entgegenbringen. Die Zionistische Ortsgruppe Mainz veranstaltete im Dezember und Januar eine Reihe von Vorträgen, in denen die Grundlage der zionistischen Ideologie erörtert wurden. ' Der Referent der Abende war Herr Dr. P o m e r a n z aus Frankfurt a. M. Er sprach über „Der Zionismus in der modernen Welt", Die Entwicklung der Zionistischen Politik seit Herzl, die Wandlung und Streitfragen der zionistischen Ideologe" sowie „Die Kritik am Zionismus von Nichtzionisten (Hellpack/— Brunner — Sowjetrußland)". Die klaren Ausführungen von Herrn Dr. Pomeranz regten zu zahlreichen Fragestellungen und Diskussionen von Seiten der Zuhörer an. Bücherschau. Goldshmith, Margaret. Ein Fremder in Paris. Leipzig 1930. Paul List. Dies ist die Geschichte eines jungen ungarischen Malers, der nach Paris kommt, weil sein künstlerisches Verantwortungsgefühl ihn dorthin zwingt. Hart ist dies Paris gegen den mittellosen Fremden und grausam, denn er gilt ihr als Rechtloser, Vogelfreier. Diesen hier richtet es zu gründe — nein, es tötet ihn. Zugrunde richtet es ihn nicht: vielmehr liegt ein seltsain tragischer Triumph in seinem Tode, wie überhaupt eine Harmonie der Gegensätze in Erfassung des Stoffes und sprachlicher Gestaltung dem ganzen Werk seine sehr starke bedeutsaine Eigenart gibt. Weißmann. Mendelssohn, Peter. Fertig mit Berlin? Roman. Leipzig. 1930. Reclam. Ein blutjunger Mensch kommt durch Fürsprache als Journalist in den Betrieb einer großen Berliner Tageszeitung und damit in einen Brennpunkt des Berliner Lebens überhaupt, wo die Beziehungen zwischen Theater, Presse, Kaffeehaus und Kino mit allen:, was dazu gehört, Zusammentreffen. Auch Karneradschaft gibt es in diesem Gewimmel, auch so etwas wie Freundschaft — und Erfolg, Abenteuer, Ueberdruß: Bewegung ohne Atempause. Man erkennt die Menschen, die da Modell gesessen haben und markante Vorgänge, die der Verfasser schildert, sind jedem Zeitungsleser noch in Erinnerung. Wesentlich aber ist vor allein WILHELM PAPELBAUM Gänseschmalz per Pfund RM 1.35 in Dosen ä 5 und 8l/2 Pfund netto Inhalt. Telephon: D z Weidendamm 9289 Isr. Hamburger Haushaltungsschule und Pensionat Regina Bachrach Ausbildung in allen praktischen Fächern; auf Wunsch mit Examenabschluß. Gesellschaftliche, wissenschaftl. und sprachliche Fortbildung. Aufnahme für berufstätige junge Mädchen. Ausiührl. Prospekt auf Wunsch. 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