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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-02-01 · 2 (2.1931) · p. Seite 11

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
2 (2.1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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den hinzuwirken. Alle gesitteten Kreise des deutschen Volkes müssen sich gegen ein derartiges Vordringen der Unkultur und des Ungeistes energisch zur Wehr setzen, in dem Bewußtsein, daß es deutschen Wesens unwürdig ist, in Deutschland geborene, in deutscher Kultur erzogene und im deutschen Wesen wurzelnde Studenten von deutschen Schulen auszuschlietzen. Die Uebertragung von Balkansitten auf deutsche Hochschulen wäre eine nationale Schmach, der die Staats- und Hochschulbehörden entschieden Widerstand leisten müssen. Vielfach haben bei studentischen Kundgebungen die Chargierten akademischer Verbindungen von den jüdischen Korporationen einen auffälligen Abstand gehalten, um ihnen ihre Mißachtung zu zeigen. Hier handelt es sich um eine Aechtung von jungen Männern, die lediglich ihrer Abstammung und ihres Bekenntnisses wegen mit tiefster Mißachtung behandelt werden. Wir fordern entschiedene Abkehr von diesen Verfallserscheinungen akademischen Anstandes, weil wir uns bewußt sind, daß dem deutschen Studenten jüdischen Glaubens auf deutschen Universitäten das gleiche Heimatrecht zusteht, wie allen anderen Kommilitonen. Den Kampf um unser ureigenes Recht als deutsche Studenten werden wir bis' zum letzten Atemzuge führen und hegen die gewisse Erwartung, darin von allen deutschen Volksgenossen unterstützt zu werden. Der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Inden, Rabbiner Dr. B a e cf, erließ ein Rundschreiben an alle der Z.W. angeschlossenen Gemeinden und Organisationen, aus dein wir folgendes entnehmen: Ter andauernde wirtschaftliche Notstand stellt die jüdische Wohlfahrtspflege überall vor große, schwere Aufgaben und gefährdet zugleich ihren so dringend notwendigeil weiteren Ausbau. Angesichts dieser Lage erscheint es geboten, auf die für unsere Arbeit maßgebenden Tatsachen hinzuweisen: 1. Für die Gesamtheit der jüdischen Wohlfahrtspflege niuß gelten: Nicht Abbau, sondern Verstärkung aller Leistungen. Tie Sachverständigen des Reiches, der Länder und der Gemeinden wie der freien Wohlfahrtspflege stimmen darin übereiii, daß die von den besten Fachkräften geleistete Arbeit in allen Gebieten der Fürsorge zugleich die zweckmäßigste und sparsamste ist. Dies bedeutet, bei voller Würdigung des Wertes der ehrenamtlichen Arbeit, daß nirgends die ausgebildete, hauptberufliche wohlfahrtspflegerische Kraft entbehrt werden kann. 2. Im gegenwärtigeil Zeitpunkt besteht die erhöhte Notwendigkeit zu genauester Durchordnung der Arbeit. Jedes auch liur teilweise Leerstehen von Anstalten und Heimen muß zur Prüfung Arllaß gebeil, ob die Möglichkeit einer Vereinigung und dadurch fparsamerer und besserer Arbeit besteht. Zur Durchordnung und damit zu sparsamerer und zugleich wirkungsvollerer Arbeitsweise gehört allgemeiil eine noch viel engere niib bessere Zusammenarbeit von Geilleillden und Vereiilen 8. Wir sprechen ganz allgemein die driilgende Bitte aus, in allen schwierigen Fragen mit uns in Verbindung zu treten. Besoilders gilt dies auch für die zweckmäßigste Beteiligung an Salnmlungen aller Art, für die Gewährung von Beiträgen an Einrichtungen, Organisationen usw. 4. Im Hinblick auf die große allgemeine Not bitteil wir — unbeschadet der Arbeit im eigenen jüdischen Kreise —, das Zusammenwirken mit den anderen Verbänden der freien Wohlfahrtspflege aller Richtungen zu verstärken, insbesondere sich überall an deil bestehenden oder ilis Leben zu rufenden, allgemeinerl und besonderen Arbeitsgemeinschaften und Gemeinschaftsaktionen tatkräftig zu beteiligen. 6. Im Vordergründe uilserer eigenen Arbeit müssen int gegenwärtigen Zeitpunkt stehen: a) die sozialpolitischen Aufgaben, b) alle Aufgaben der Jugendwohlfahrl, e) die Erhaltung unserer gesundheitsfürsorgerischen Einrichtungen, <1) die Sorge für die Arbeit in ben Kleingemeinden. Zu a: Die Zentralwohlfahrtsstelle und die mit ihr verbundene Hauptstelle für Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise haben ihre Kräfte gegenwärtig in erster Reihe zu richten auf den Ausbau und die Errichtung von Darlehenskassen, auf die Verbesserung der Wanderfürsorge, auf die Verstärkung des Arbeitsnachweiswesens Ulld auf die Errichtung der Arbeiterkolonie. Zu b: Die allgemeine Notwendigkeit der Aufrechterhaltulig, ja Verstärkullg der Leistungen besteht vor allern für alle Aufgabett der Jugendfürsorge, Jugendpflege und Förderung der Jugendbewegung. In einer Zeit erhöhter Gefährdung der Jugend kommt jeder vorbeugetlden Jugendarbeit, und zwar für alle Altersstufen, erhöhte Bedeutung zu. Nachdrücklich sei gerade in diesem Zusammenhang hingewiesen auf die Wichtigkeit von Jugendheimen und, wo solche rlicht möglich sind, auf die Notwendigkeit der Bereitstellung geeigneter Räume für die Jugendlichen, sowie auf das Erfordernis der Förderung aller Bestrebungen zur Beschäftigung der erwerbsloseit und daditrch doppelt gefährdeten Jugendlichen. Zu e: In der Gesundheitsfürsorge darf — gerade in der gegenwärtigen Notzeit — die allgemeine Hilfeleistung und insbesondere die Tuberkulosefürsorge keinesfalls eingeschränkt werden. In der Erholungsfürsorge wird sich zwar leider eine gewisse vorübergehende Einschränkung der Verschickungen kaunl vermeiden lassen. Es muß aber daran festgehalteil werdeil, Verschickungen in Erholungsfürsorge, auch aus Gründeil vorbeugender Art, immer durchzuführen, wenn sie vom Arzt als ltotweildig bezeichnet werden. Zu ci: Gegenstand besonderer Sorge und Fürsorge inutz gerade jetzt die Aufrechterhaltung und Stärkung wohlfahrtspflegerischer Arbeit in allen Fällen sein, die in Kleingemeinden Vorkommen. Der gegenwärtige Augenblick stellt unserer Gesamtarbeit außerordentliche Aufgaben. Nur durch einmütige Zusammen arbeit aller Beteiligten, nur durch Berstärknug aller Bemühungen können sie erfüllt werden. In Hamburg wurde vor kurzein eine Franz Rosenzweig- Gedächtnisstiftung begründet, deren vorläufige alleinige Aufgabe die Verbreitung feiner Schriften ist. Die Franz Rosenzweig-Gedächtnisstiftung wird ihre Tätigkeit zunächst auf Hamburg beschränken, scholl deswegeil, weil die geringeil, ihr zur Verfügung steheildetl Mittel ihr nicht gestatten, ihre Ziele einstweilen weiter zll stecken. Wohl aber lebt in ihren Schöpfern die Hoffnung, daß mildere Gemeillden ihrem Beispiele folgen und daß zu einem späteren Zeitpunkt sich ein Zusammenschluß aller derjenigen Einrichtungen ermöglichen lassen wird, welche das deutsche Judentum zum ehrenden Gedächtnis Franz Rosenzweigs ins Leben ruft, für welches der Unsterbliche Unsterbliches geschaffen hat. Eine solche Franz Rosenzweig-Gedächtnis- Gemeinschaft dürfte zu einem neuen Mittelpunkt jüdisch-geistigen Lebens in Deutschland werdeil, über den Parteien und ihren Niederuilgetl stehend, wie Rosenzweig über ben Parteien und ihren Niederuilgetl gestanden hat. Sie köilnte weiter durch ihre Mitwirkung an der Veröffentlichung des literarischen illachlasses des Toteil der 'großen Gemeinde Rosenzweigs dasjenige vermitteln, was vori seineul geistigen Erbe der Oeffeiltlichkeit noef? nicht übergeben ist. An der spitze der Hamburger Franz Rosenzweig-Gedächtnisstiftung steht ein Ehrenpräsidium, dem die Herren Universitätsprosessor Tr. Ernst Cassirer, Hermann Gumpertz, Alfred Levh, Dr. Paul Rüben und Max M. Marburg angeböreu. -- Voll beut wachen Interesse für das Friedensproblem ttnd den ständigen Fortschritten der religiöseil Friedensbewegung inner halb der jüdischeil Gemeinschaft zeugen die jüngsten Friedensabende der Bne-Briß-Logen in Berlin. Teil Auftakt bildete ein Vortrag in der Julius Fenchel-Loge über die jüdische Frtedensidee von Rabbiner Tr. S a lo nl o li s k i, dem eine Ansprache von Dr. Alfred N o s s i g folgte. Ain 25. November luden dann die Julius F e n s ch e l - und M o n t e f i o r e - L o g e zu _ einer großen Friedensveranstaltung. Der Festsaal des Logenhatlses in der Kleiststraße war überfüllt. Die Leitung der Logen war von dein Gedanken ausgegangen, daß es für die Verbreitung der Friedeilsidee sehr förderlich sein .MMMH hat noch immen Jedengut bedient 11

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