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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-01-01 · 1 (1.1931) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
1 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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wurde, sucht Feuchtwanger die notwendige Distanz zu schassen um dre korrupten Verhältnisse der Zeit darzustellen: das Wirtschaftsleben, die Justiz, die Kunst und der: Alltag. Breitslächig rollt er es auf, das Bild, mit unzähligen hinten, die — planvoll — durcheinander laufen, charakteristischen Haltepunkten, verwirrenden Dunkelheiten und aufklärenden Belichtungen. Ein Dokumeiit vvii oftmals peinlich kritischer Gradheit, von großen Ausmaßen und van wesentlicher Bedeutung. Weißmann. Glaeser, Ernst. Frieden. Roman. Berlin. 1930. Gustav Kiepenheuer. Erfuhr man im „Jahrgang 1902" die Not der Jugend, die, belastet mit den zu frühen Entbehrungen, ihren Weg aufnehmen muß, uiid um deren Bitterkeiten man wissen soll, um ihr einigerrnaßen gerecht werden zu käriiieii, so zeigt der „Frieden" diese selbe Jugend einige Jahre weiter, iiicht mehr ganz am Ansaiig des Weges. Sie hat schon ein paar Schritte gewagt: taumelnde Schritte, verzweifelte Schritte. Ta ist keiner, der klar erkennt, wohin er gehört, wohin er will. Der Verwegene geht zugrunde, weil er meint, das kommunistische Ideal leben zn können; der Veralueifelte geht zugrunde, denn bei ihm hat alle Lebenskraft in Maßlosigkeit sich verbraucht; der Taumelnde — vielleicht wird er als einziger einmal festen Boden unter die Füße bekommen, denn in ihm ist noch bewußter Wille zur Stellungnahme gegenüber der Wirklichkeit. Aber der Weg führt durch ungeheuere Erschütterungen, die um so tiefer dringen, als er ja nicht geschützt ist durch den Schwung van Idealismus, auch nicht durch den Stumpfheitspanzer eines seelischen Nihilismus. Nur ein Gestalter von tiefem Ernst und sicherstem Takt konnte es unternehmen, dieses Zerrbild festzuhalten; denn um der Wahrheit willen dursten Kraßheiten daran nicht vertuscht werden. Sie sind da — in Fülle sind sie da und abstoßend, wie es Ihrer Natur entspricht. Ilm so bedeutsamer der Eindruck von Notwendigkeit, hervorgerusen durch eine kritische Sachlichkeit, deren ausbauende Kraft überzeugt und stärkt. Weißmann. Ter Morgen, Nr. 5, 6. Jahrgang. Das 5. Margenheft des 6. Jahrgangs beginnt mit einem Aufsatz des Bürgermeisters Dr. Aull: „Persönlichkeit oder Masse?, der die Verschiedenheit der individuellen Persönlichkeitseinstellung und des Massendenkens zum Thema hat. Max Diene m a n n, schreibt über die „Lebcnsgestaltung der jüdischen Frau" in der Problematik der Gegenwart. Seine Abhandlung wird gleichsam kontrapnnktiert durch eine Vision B e r t h a P a p p e n h e i m s. Max Eschelbacher behandelt in einem umfassenden Aufsatz „Vom Sinn der jüdischen Trauung", das Wesen der jüdischen Trauung in ihrer rechtlichen und ihrer religiösen Deutung, lind gleichsam als Abschluß ist diesen drei Aufsätzen eine Uebersetzung des alten jüdischen Rituals bei der Trauung nachgeschickt. Dr. Earl Gebhardt, Leiter des Rhein- Main-Verbandes für Volksbildung, gibt unter dem Titel „Das Lied der Lieder" eine neue und eigenartige Analyse des Hohen Liedes. Paul B e t t e I i n berichtet über die Arbeit der „Jewish-Colonization Association", der mit dem weiten Kreisen unbekannten segensreichen Werk bekannt machen will. Wilhelm Michel behandelt im Anschluß an das Buch Ernst von Salomons „Die Schicksalsfrage des Nationalismus". Jakob M e i t l i s behandelt in seinen „Randbemerkungen zur jüdisch-deutschen Erzählungsliteratur des 16. Jahrhunderts" ein unbekanntes Gebiet und gibt interessante Ausschlüsse über die Zusammenhänge der mittelalterlichen jüdischdeutschen Erzählung mit der gesamten deutschen Literatur. J u l i u s B a b bespricht Lion Feuchtwangers neues Buch „Erfolg" unter dem Titel „Das Buch Bayern" und macht grundsätzliche Feststellungen dazu, in künstlerischer und politischer Hinsicht. In der Reihe der Literarischen Hinweise schreibt Mcrrgarete Susm a n über Wilhelm Michels Buch: Das Leiden am Ich; Otto Meller über Joseph Roths Hiob, das er als den Durchbruch der Religion in der neueren Literatur wertet; und Walter Goetz über den Dreyfusprozeß, wie er sich vor allem in dem Buche von Bruno Weil spiegelt. Buchbesprechungen beschließen das Heft. Jedermanns Lexikon. Verlagsanstalt Hermann Klemm A. G., Berlin. 8. Band. Mit dem vorliegenden Bande sind die Buchstaben bzw. Worte Q bis Spahi behandelt. Für die allgemeine Würdigung des Werkes verweisen wir auf unsere Besprechungen der ersten sieben Bände in den früheren Nummern unseres Mitteilungsblattes. Daß ein solch umfassendes Werk nicht frei ist von Unzulänglichkeiten, haben wir in den früheren Besprechungen bereits erwähnt. Für den vorliegenden 8. Band sei nach einer Stichprobenprüfung auf einige verbesserungswürdige Dinge hingewiesen: Unter „Samaria" hätte für die Gründungszeit dieser Stadt der biblische Name „Schomron" gebracht werden müssen. Unter dem Stichwort „Schaltjahr" fehlt ein Hinweis auf die jüdische Art des Schaltjahrs. „Rebbes", „Rebbach" werden gleichbedeutend als hebräische Worte mit „Gewinn" übersetzt, während unter dem ersteren Wort doch wohl das mischnaische „Ribbith" d. i. „Zins" in volkstümlich verderbter Aussprache gemeint sein soll. Ein Hinweis auf das biblische Glaubensbekenntnis der Juden, das „Schema", fehlt völlig. Der bedeutende jüdische Religionsphilosoph und religionsgesetzliche Kodexverfasser des 12. Jahrhunderts Maimonides ist unter seinem üblichen Namen Rambam nicht erwähnt, während Ramban (Nachmanides) verzeichnet ist. Unter „Raschi" wird behauptet, daß dieser große Kommentator in Worms gestorben sei, während er doch zweifellos in seiner französischen Heimat gestorben und begraben ist. Unter der Literatur über „Raschi" vermissen wir die grundlegende kritische Arbeit van Professor A. Berliner 1905. Dr. L. Ianuarprogramm des Jüdischen Frauenbundes Mainz. Der jüdische Frauenbund hat für den Monat Januar 1931 folgende Veranstaltungen festgesetzt: Montag, den 5. Januar, abends 8 Uhr: in der Rhenusloge, Franziskanerstraße 10, Vortrag der Frau Margarete Susmann, Frankfurt a. M., über das Thema „Freud als Ethiker". Donnerstag, den 15., und Donnerstag, den 22. Januar: Arbeitsgemeinschaften des Herrn Rabbiner Dr. Levi über die Frage „Zur Rechtfertigung des jüdischen Schrifttums und der jüdischen Sittlichkeit". Alle Mitglieder des Frauenbundes sind zu diesen Veranstaltungen herzlich eingeladen. Januarprogramm der zionistischen Ortsgruppe Mainz. Tie Zionistische Ortsgruppe veranstaltet eine Reihe von Aussprache-Abenden, geleitet von Herrn Dr. Pommeranz, Frankfurt a. M., im Heim, Gabelsbergerstraße. Mittwoch, den 7. Jan.: „Wandlungen und Entwicklungen im Zionismus", a) Die Entwicklung der Zionistischen Politik seit Herzl. Mittwoch, den 14. Jan.: „Wandlungen und Entwicklungen im Zionismus". (Fortsetzung), b) Wandlungen und Streitfragen der Ideologie. Mittwoch, den 21. Jan.: „Verständigungsgedanke als Inhalt einer Nationalen Politik. Mittwoch, den 28. Jan.: „Ter Zionismus im Spiegel der Kritik". (Hellpach — Brunner — Sowjetrußland). Mittwoch, den 4. Febr.: „Zur Soziologie des Judenhasses". Jüdischer Iugendverein Mainz a. Rh. Heim: Gemeindehaus Gabelsbergerstraße. Programm für Monat Januar 1931. Montag, 5. Januar, 8% Uhr: Bericht über das Winterlager in Langen-Schwalbach: Alice Ganz. Donnerstag, 8. Januar, 8% Uhr: Arbeitsgemeinschaft von Herrn Rabbiner Dr. Levi. Sonntag, 11. Januar: Fahrt in den Taunus. Treffpunkt: 8/i Uhr Hauptbahnhof. Führung: Robert Strauß. Montag, 12. Januar, 8% Uhr: Heimabend von Ernst Neuburger: „Politische Presseschau". Freitag, 16. Januar, 8% Uhr: Freitagabendfeier. Leitung: Max Tschornicki. Montag, 19. Januar, 8% Uhr: Heimabend von Dr. Seide. (Das Thema wird noch am schwarzen Brett bekannt gegeben.) Donnerstag, 22. Januar, 8% Uhr: Heimabend von Dr. Picard: Medizinische Tagesfragen. II. Sonntag, 25. Januar: Fahrt unter Führung von Alfred Epstein. Treffpunkt: 8% Uhr Hauptbahnhof. Sonntagskarte Wiesbaden. Montag, 26. Januar, 8% Uhr: Heimabend von Julius Rothschild: „Berfassungsfragen". Freitag, 30. Januar, 8A Uhr: Freitagabendfeier: Leitung: Walter Vogel. Montag, 2. Februar, 8A, Uhr: Referat von Max. Tschornicki: „Mussolini und der Faschismus". Mitglieder, die stellenlos sind oder stellenlos werden, bitten wir, ihre Adresse unserem Vorsitzenden, Herrn Dr. Picard, anzugeben. Ebenso bitten wir alle, insbesondere unsere inaktiven Mitglieder, freiwerdende Stellen, oder die Möglichkeit vorübergehender Beschäftigung bekannt zu geben. Die Turnstunde der Sportgruppe findet jeden Mittwoch abend in der Sportschule von Carlos Lahr, Bauhofstraße, statt. Mädels 7% Uhr, Jungens 8% Uhr. Auskunft bei Ilse Blumenstiel und Walter Frohwein. Der Vorstand. 13

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