Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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und der Zielsicherheit dieses Kaufmanns weitgreifende Beachtung verdienen, liegen uns und unserem Interesse seine Reden und Abbandlungen über Fragen der inner-jüdischen Politik, der jüdischen Betätigung nach außen und der jüdischen Wissenschaft am nächsten. Was Fraenkel auf diesem Gebiete geäußert hat, ist uicht nur Zeugnis seiner Meisterschaft des Wortes und des Gedankens, sondern zugleich auch Beweis seines gedanklichen Mutes und einer gewissenhaften Ueberzeugung, kurz: der Ausdruck einer fesselnden Persönlichkeit, die für ihre Ueberzeugung und insbesondere für die berechtigten Forderungen der gesetzestreuen Schicht des deutschen undautzerdeutschen Judentums eiuzutreten weiß, der aber hierbei der Gedanke und die Verbundenheit mit der jüdischen Gesamtheit über alles geht. Für die Kenntnis der Vorgänge im deutschen und insbesondere im bayrischen Judentum, wie sie sich tu den letzten Jahrzehnten abgespielt haben, wird Sigmund Fraenkels öffentliche Tätigkeit immer von Bedeutung bleiben. Das vorliegende Gedächtnisbuch"ist insofern ein beachtenswertes Dokument. Tr. L. Rosenheim, Jacob. „Ausgewählte Aufsätze und Ansprachen". Verlag I. Kaussmann, Frankfurt a. M. 5691/1930, 381 Seiten, in Ganzleinen geb. 7.50 RM, Band 2 512 Seiten, in Ganzleinen geb. 8.50 RM.; beide Bände zusammen 15 RM. Fast zu gleicher Zeit mit dem Gedächtnisbuch auf Sigmund Fraenkel. den langjährigen Führer der gesetzestreuen bayrischen Judenheit, erscheinen anläßlich des 60. Geburtstages Jacob Nosenheims diese beiden Bände, welche, obwohl sie nur eine Auswahl enthalten, die Persönlichkeit und die Arbeit dieses geistigen Urhebers und gegenwärtigen Präsidenten der Weltorganisation „Agudath Israel", also des gesetzestreuen Judentums aller Länder, in den letzten 35 Jahren schildern. Es versteht sich von selbst, daß dieser Führer in seinen Gedanken und Folgerungen bestimmt, in seinen Zielen von gewissenhafter Verantwortung geleitet ist. Gr könnte sonst auf Grund persönlicher Eignung nicht durch viele Jahre Führer einer großen Organisation sein und ganz gewiß nicht Führer einerjüdischen Organisation. Die geistige und seelische Struktur dieses Mannes, die letzten Elemente seines religiösen Lebens sind aber in überaus interessanter Weise verschieden von denen eines Sigmund Fraenkel. Aus dieser Verschiedenheit heraus wird es auch begreiflich, daß gelegentlich ein Sigmund Fraenkel sich mit dem Kreis um Jacob Rosenheim in prinzipieller Divergenz auseinandersetzen mußte: Für die Einstellung oder die seelsiche Struktur eines Jacob Rosenheim ist nicht nur das Nichtorthodoxe Judentum kein Judentum, er lehnt getreu auf den Wegen eines Samson Raphael Hirsch auch die Gemeindeorthodoxie als religionsgesetzlich unstatthaft ab. Zwar folgt er den Geistesgängen dieser Gemeindeorthodoxie und ihrer religionsgesetzlichcn Führer, tritt auch für eine gewisse Kooperation mit diesen. Kreisen für mögliche gemeinsame Ziele und gegen gemeinsame Gefahren ein, der Druck aber, welcher während dieser nachgehenden Beobachtung oder während dieser mitgehenden Zusammenarbeit auf ihm lastet, weicht erst dann von ihm, wenn er schließlich die Unwiderleglichkeit und die unabänderliche Geltung des Samson Raphael Hirschschen Standpunktes dargetan und als verpflichtend betont hat. Rettung und Tauer des Judentums erblickt er unerbittlich in der losgelösten, orthodoxen Sondergemeinde oder — wie es gewöhnlich kurz heißt — in der Separatgemeinde. Von den Auswirkungen solcher Auffassung zu sprechen, ist hier nicht der Ort. Dem gedanklich und religiös mit ihm verbundenen Kreis von Juden werden diese gesammelten Aufsätze und Ansprachen Jacob Rosenheims seelische Nahrung sein; jedem Juden, auch wenn er nicht auf Rofenheims Standpunkt steht, ist das Werk ein fesselnder Niederschlag eines Bewegungs- und Gärungsprozesses innerhalb des deutschen und europäischen Judentums der letzten Jahrzehnte, über deren Kräfte und Wirkung in der Zukunft sich kein Einsichtiger Prophezeiungen gestatten mag. Auf jeden Fall, Zeitgeschichte rollt in diesem Werke ab. Tr. L. Höxter, Tr. Julius. „Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur". I. Teil: Altertum und frühes Mittelalter. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 138 Seiten, Preis geb. 1.80 RM. Dieses Quellenbuch liegt nunmehr in fünf Teilen vollständig vor, der zuerst erschienene dritte Teil ist bereits vergriffen und muß in neuer Auslage erscheinen. Schon diese Tatsache beweist, welchem k in Seifen jeder Art. Für Naumann's Kernseife «extrafeine Qualität» gibt es keinen Ersatj. Naumann’s Feinseifen sind unerreicht in Körper sowie Parfüm und für die Gesundheitspflege direkt vorbildlich. Zeitbedürfnis Höxter durch sein Werk gedient hat. Ter nunmehr herausgekommene erste Teil illustriert und verlebendigt die jüdische Geschichte des Altertums von der Zerstörung des ersten Tempels an und das frühe Mittelalter bis zum Untergang des Gaonats, umfaßt also die Zeit vou 586 v. bis 1040 n. Auch in der Auswahl für diesen Band hat Höxter wieder seine umfassende Kenntnis des Materials wie sein pädagogisches Geschick, verbunden mit einem richtigen Blick für das Wesentliche, bewiesen. Die Quellenbücher Höxters verdienen beim jüdischen Geschichts- und Literaturunterricht in Stadt- und Landgemeinden Verwendung, der Unterricht wird dabei an Farbe und Vertiefung und so an nachhaltiger Wirkung gewinnen. Ter außerordentlich billige Preis des Werkes, der bei direktem Bezug vom Verlag durch die Schule oder Klasse uur 1.35 RM. pro Baud beträgt, ermöglicht allen Kreisen ohne Schwierigkeit die Anschaffung. Tr. L. Wollet), (5. Leonhard. „Nr und die Sintflut". Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, 1930. 137 Seiten. Preis geh. 6.50 RM., in Leinen 8.— RM. In gemeinverständlicher Form gibt der Autor eine Schilderung vou der Arbeit und dem Ergebnis der in den letzten sieben Jahren unternommenen Ausgrabungen in Chaldaea, der Heimat Abrahams. 92 Abbildungen, eine Karte und ein Plan vou Ur veranschaulichen den vorgetragenen Stoff. Das Werk liegt uns in der zweiten Auflage vor. Was während der Winter der letzten sieben Jahre die von Tr. G. B. Gordon, Direktor des Museums der Uuiversität von Pennsylvania, vorgeschlagene und dann von Wollet) im Aufträge des britischen Museums geleitete gemeinsame Expedition geleistet und gesunden hat, läßt sich in einer kurzen Besprechung nicht gebührend würdigen. Schicht um Schicht sind die Forscher in die Tiefe des Erdbodens gedrungen, haben die Ablagerungen der großen Ehaldäischen Flut durchstoßen und haben so in ihrer Bedeutung kaum zu überschätzende natur-, menschheits- und kulturgeschichtliche Funde zu Tage gefördert, die bis iu die Zeit vou 3500 vor unserer Zeitrechnung hinaufreichen. Große Kulturzusammenhänge werden dadurch von neuem zur Diskussion gestellt, die Priorität der ägyptischen Kultur wird fraglich, biblische Berichte und Ucberlieferungen werden unter neue Belichtung gestellt: Die ganze Schilderung liest sich zugleich wie ein spannender, durch Jahrtausende gehender Völkerroman. Mit Ungeduld erwarten die Fachinteressierten die wissenschaftliche Veröffentlichung der Einzelheiten. Tie vorliegende volkstümliche Schilderung fei' allen Kreisen unserer Leserschaft angelegentlichst empfohlen. Tr. L. Sabatzky, Kurt. „Ter Jude in der dramatischen Gestaltung". Buchverlag der Königsberger Hartungschen Zeitung und Verlagsdruckerei, Königsberg i. Pr. 67 Seiten. Ter Verfasser sammelt und gruppiert das Material über die Frage: Wie haben die Bühnendichter aller Zeiten die Gestalt des Juden in ihren Dramen herausgestellt? Dieser dankenswerte und gelungene Versuch verzichtet auf kritische Würdigung und Abschätzung der erwähnten Dramen, liefert aber einen sehr beachtenswerten Beitrag zu dem Problem „Ter Jude und seine Umwelt", wie es sich in den Augen der Dichter im Laufe der Jahrhunderte gespiegelt hat. Das lebendig und fesselnd geschriebene Merkchen verfolgt diese Frage von den Mysterienspielen des 12. Jahrhunderts bis zu Karl Zuckmeyers „Fröhlicher Weinberg", oder zusammenfasscnd gesagt bis zu den Bühnenerscheinungen der letzten Jahre. Tr. L. Feuchtwanger, Lion. Erfolg. Trei Jahre (beschichte einer Provinz. Berlin 1930. Gustav Kiepenheuer. Dieser „Erfolg" ist ein großes, kulturhistorisches Zeitbild aus dem Bayern der Nachrevolution. L-chwer, eine so nahe mW eine so wirre Zeit zu objektivieren:, wenn das Miterleben noch im Blute brennt. Durch eine eigenartige Einstellung, so als ob er die Vorgänge mit den Maßen eines Rauinjahres eigener Erfindung messen. Da8 richtige Radio-Gerät für Sie - und viele interessante Angaben in dem soeben erschienenen Ehrenfeld-Radio-Katalog Nr. 6-1931 40 Seiten, 305 Abbildungen, 1154 Artikel; mit Radioberatung: „Was man vor Kauf einer Radio-Anlage wissen muß“ IEin unentbehrlicher Ratgeber für jeden Funkfreund! - Kostenlose Zusendung oder im G esc h äf sl o ka I F. EHRENFELD FRANKFURT A. M., Zeil 104 MAINZ,) Alte Universitätsstraße 21 11