Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Licht und Volk. Am 16 Dezember 1930 fand im überfüllten Mnfensaal tu Mannheim die Uraufführung einer Lehrkantate von Dr Mar Grunewald, Musik von Hugo Adler statt. Es handelt sich um den' Versuch, emen geschichtlichen Stoff in festlichem Rahmen darzustellen und zu verlebendigen. Dem Dichter des außerordentlich wohlklingenden, angenehni untheatralischen und linsentiinentalen Textes ist es geluiigen, durch die Neufoinlung der Makkabäergeschichte ihren überzeitlichen Gehalt zurückzuführen in die Erlebnisfphare des modernen Menschen. Die Musik will iiicht nur ein prunkvolles Festkleid sein, sie will iiicht iiur vom rein ästhetischakustischen her wirken, sondern einen lehrhaften Zweck erfüllen So recht sich nach der Form uiid Inhalt dieses Werk iu die Reihe der neuentstandenen Gattung der Lehrkantate, wie wir sie bereits von Hindemith, Weil und Doch kennen, wie wir sagen dürfen, würdig ein. Mit der formalen Aufgabe, vergaiigene Zeiten und Geschehnisse einzufangen in iieue, dem vioderiien Eiiipfinden und Denkeri gleichgerichtete Ausdrucksweise und Darstellung ist weder der Sinn noch die Wirkung des Werkes erschöpft. Hier wird iiach einem neuen Weg zur Verlebendiguiig des Jüdischen au sich gesucht aus der Erkenntnis, daß dem von der Jugend ausgehenden Suchen und Drang, das Jüdische zu einein lebendigen und verbiridlichen Teil des Seins und Empfindens zu machen, Hilfe zuteil werden muß. Es geht um neue Fragen, aber auch um iieue, lebensnahe Inhalte. Sa weist die Aufgabe, die hier in Angriff geiiommen worden ist, hin zur Wiedererweckung jüdischen Gemeinschaftslebens zur Neugeburt der jüdischen Gemeiride. Der starke Widerhall, den das Werk gefunden hat, läßt erkennen, daß hier ein glücklicher Aiifaiig gemacht worden ist. Nicht einzelne waren an dem Werk beteiligt. Zwischen der Aufgabe der mehr als zweihundert Meiischen, die als Solisten, Orchester, Chor, Kinderchar und Svrechchor auf dem Podium standen, und den zweitausend Menschen, im Saale war kein Unterschied. Ohne ihr Zusammenwirken, ohne den Gleichklang der Empfindung wäre die Aufführung Konzert geblieben. So wurde sie zum Gemeinschaftserlebnis. j ' Hier ist ein großer und bedeutsamer Anfang gemacht. Keiner konnte sich dem Eindruck, den eine bis ins einzelne glückliche, musikalisch reife Darstellung machte, entziehen. Jeder hatte Anteil an der ungeheuren Arbeit, die in dem Werk und der Wiedergabe steckte. Das jüdische Lehrhaus Mannheim, von dem die Initiative zu diesem Werk ausging, arbeitet aus dem als richtig erkannten Weg weiter. Uns bleibt die Hoffnung, dieses Werk recht bald in allen, anderen jüdischen Gemeinden zu erleben als Ausgangspunkt und Anregung für gleich erfolgreiche Arbeit zur Wiedererweckung jüdischen Gemeinschaftslebens. Alfred Levi, Berlin. Zum Eingesandt in der Dezembernummer unseres Mitteilungsblattes. AufGrund einer Anfrage betonen wir, daß unser Mitteilungsblatt sich in keiner Weise mit dem „Eingesandt" identifiziert hat. Wenn wir im „Sprechsaal" oder im „Briefkasten" zu Anfragen oder Vorgängen uns äußern, dann tritt unsere Schriftleitung für diese Aeußerungen ein. Im „Eingesandt" aber war durch den Vorgesetzten Herkunftsort Darmstadt und die abschließende Namenssignierung H. und auch durch die Einordnung des „Eingesandt" unter die Autoren-Artikel außerhalb der offiziellen oder Schriftleitungsartikel bewiesen, daß dieses „Eingesandt" die private Stellungnahme einer Einzelpersänlichkeit fei, wenn wir auch feine Aufnahme verantworten. Tie Schriftleitung. Bücherschau. Berichtigung. In der Dezembernummer 1930 unseres Mitteilungsblattes war durch ein technisches Versehen bei der Besprechung des Romans: Fink, Georg, Hast du dich verlaufen? ein Teil des Besprechungstextes ausgefallen. Der Schluß der Besprechung mutz richtig lauten: We^ es jemanden zu reden drängt von dem, was er erlebt hat, warum sollte er nicht reden? Ilm so mehr, wenn dieses Erleben vom Stempel des Außergewöhnlichen geprägt ist. Aber wenn Fink seinen Bericht als Roman hinausschickt, muß er darauf gefaßt sein, daß man die üblichen literarischen Maßstäbe anlegt. Und die verträgt er hier leider nicht. Fleg, Edmond. Salomo. München 1930. R. Piper u. Co. Fleg hat in Deutschland seine. Gemeinde, der die Schönheit seiner bisherigen Gaben „Ein kleiner Prophet" und „Moses immer lebendig ist. Nun hat er — lange erwartet — die Gestalt des Königs Salomo wachgerusen und aus den biblischen Legenden, aus den Erzählungen des Talmud und der Cabbala sein Bild wieder geschaffen — das gewaltige und erschütternde Bild des ringenden Menschen, der, ein Gottgeliebter, durch Gnaden ausgezeichnet, und in Versuchung geführt, unersättlich die Höhen und Tiefen durchmißt, um zu letzten Einsichten zu gelangen. Wie in der engverschlungenen Zeichnung eines orientalischen Teppichs das Geheimnis leuchtender und verdunkelter Farben schwingt, so spürt inan in diesem Werk Torheit und Weisheit, Jrrwesen und letzte Erkenntnis, Jrdischheit und Ewigkeit wirkend unter der Herrschaft ' eines höchsten Gesetzes. Weißmann. Nathansen, Henri. Jude oder Europäer. Porträt von Georg Brandes. Mit 8Bildnissen. Frankfurt a.M. 1931. Rüttenu.Loening. Henri Nathansen, ein bekannter dänischer Schriftsteller, ist in vieljähriger Freundschaft mit Brandes verbunden gewesen; er hat den großen Literaturkritiker tief in den Gründen seines Wesens ‘ ersaßt, so daß die schweren Gegensätzlichkeiten, weil er sie versteht, ihn nicht behindern: weder in seiner Shmpathie, noch in ferner Kritik. Er hat ein Zwielichtporträt geschaffen; ungeleugnete, unver'- deckte Zwiespältigkeiten sind darin lebendig und lassen vor uns einen Menschen erstehen von großartiger geistiger Sicherheit und sprühendem geistigem Reichtum, in dem aber das Gemütsmäßige seltsam zaghaft erscheint. Nathansen läßt deutlich erkennen, daß eS vor. allem in bezug auf jüdische Belange allmählich sich durchsetzt; aber was für eirr steiniger Weg führt dahin, wie freudlos im Grunde trotz aller Arrerkenrrungen. Dieser gefeierte Männ, wie sitzt er einsam in seinem Arbeitszimmer, hungernd nach Menschen, auch wenn er es nicht eingestehen will, mit nur ganz wenigen echten Bindungen. Daß er Jude war, bedeutet ihm eine Last; daß er als Jude wirkte — und das tat er ja unleugbar — erschien ihm eine Unmöglichkeit. Er lehnte diese Beziehungen ab, leugnete sie. Bis die jüdische Regeneration seine Meinung anders beeinflußte und er sich entschloß, den Juden auch noch andere Lebensmöglichkeiten neben der Assimilation zuzugestehen. Nckthansen sieht Brandes als einen der Schönheit zugewandten hellenischen Geist und als eine zur Selbstbehauptung verpflichtete jüdische Natur — als einen Strom, gespeist von Quellen, die krastgeladen aus verschiedenen Richtungen ineinander stürzen. Deshalb war ein Leben Kamps bis zuletzt. „Wie das Licht ausflammt, ehe es erlischt, sammelt sich seine Natur, die Judäa angehörte, und sein Geist, der Hellas angehörte, in einer letzten flackernden Flamme. Das letzte Licht seines Geistes und die letzten Tropfen seines Blutes opfert er den leicht dahinlebenden Götter von Hellas und den hart richtenden Göttern von Judäa — Eros und Ethos, Sanguinitas und Melancholia, den zwei dämonischen Mächten, die das ganze Leben laug in seinem streitenden und streitbaren Gemüt um die Macht gekämpft haben." Weißmann. Bandervelde, Emil. Schaffendes Palästina, Ter jüdische Aufbau heute und morgen. Dresden 1930. Carl Reißner. Ein Sozialist, ja, sogar der Vorsitzende der Sozialistischen Internationale, hat dieses Buch vom jüdischen Aufbau in Palästina geschrieben als Ergebnis einer Studiensahrt, auf der er mit kritischem Wohlwollen Leistungen betrachtet und Ziele abschätzt. Seine Ausführungen zu lesen, weckt Zuversicht nicht nur für das Fortschreiten des Werkes, ebenso sehr für die Möglichkeit, Dinge und Bestrebungen, auch wenn sie nicht unmittelbar den eigenen Interessengebieten angehören, so menschlich warm und überparteilich zu sehen, daß Gegensätzliches als gegensätzlich anerkannt und dennoch positiv gewertet wird. Es ist das Zeugnis eines klugen, noblen und im schönsten Sinne weitherzigen Menschen. Weißmaun. Fraenkel, Sigmund. „Aufsäbe und Reden". Verlag B. Heller, München 1930, 342 Seiten. Preis brosch. 10.50 RM., geb. 12 RM. Professor Adolf Fraenkel, der Sohn des verstorbenen Kommerzienrat Sigmund Fraenkel, München, hat durch dieses Gedächtnisbuch seinem Vater ein würdiges Denkmal gesetzt. Obwohl Sigmund Fraenkels Vorträge und Druckverössentlichungen über Wirtschaft, Steuer und Verkehr wegen des klaren Blicks/des Sozialgewissens dp Trinkt ¥ das gute r Mainzer Aktien-Bier! 9