Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9582242-9623187-9620775--0612-9620782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hungen 1× ep/1044798
OCR text
^Ludwig May als Vertreter der israelitischen Gemeinde das Wort. Er führte folgendes aus: „Wir sind zusammen gekommen, um Abschied zu nehmen von unserem Herrn' Sulzbacher, der 37 Jahre lang mit der Gemeinde Grotz-Bieberau in Treue verbunden war, und in dieser langen Reihe von Jahren sein Bestes für uns gegeben hat. Da sind es zweierlei Gefühle, die uns ergreifen, Gefühle der Freude und Gefühle des Schmerzes. Gefühle der Freude, daß es uns vergönnt war, ein ganzes Menschenalter hindurch, diesen Lehrer, Freund und Berater unser eigen nennen zu dürfen und Freude darüber, daß er uns nicht verläßt, als ein von der Last langjähriger Arbeit niedergedrückter Greis, sondern noch lebensfrisch und gesund, um zusammen mit ferner treuen Gattin noch einen glücklichen Lebensabend in Nürnberg zu verleben, wo ihr einziges Kind seine Heimat gesunden hat. Lieber Herr Sulzbacher, wir gönnen Ihnen die wohlverdiente Ruhe von ganzem Herzen, aber wenn wir an die Zukunft unserer Gemeinde denken, die, wenn Sie uns verlassen haben, sein wird, um mit dem Worte der Thora zu reden, wie eine Herde, die keinen Hirten hat, so beschleicht uns ein Gefühl der Wehmut und des Schmerzes, denn erst jetzt, nachdem wir Sie leider verlieren müssen, kommt uns voll zum Bewußtsein, was Sie uns allen während Ihrer 37jährigen Wirksamkeit waren. Sie waren nicht nur der Religionslehrer, Vorbeter und Berater einer ganzen Generation, Sie waren uns viel mehr: Sie waren der Mittelpunkt unserer Gemeinde, um den sich alles scharte. Sie haben den Frieden gefördert. Sie haben die oft auseinanderstrebenden Glieder der Gemeinde zusammengehalten, und haben sich stets um Frieden und Einigkeit in der Gemeinde bemüht und bestimmt hat man Ihren wohlüberlegten Rat befolgt. Die Interessen der Gemeinde haben Sie stets auch nach außen hin aufs beste vertreten, und ihr als gewissenhafter Rechner in der Ordnung ihrer Finanzen geholfen. Sie haben sich nie damit begnügt, nur das zu tun und aufs gewissenhafteste zu üben, wozu Sie kraft Ihres Amtes verpflichtet waren. Sie haben gewußt, daß es in einer Landgemeinde nicht genügt, wenn der Lehrer nur seinen Unterricht gibt und 'den Gottesdienst abhält, sondern, daß er das sein muß, was in den Städten auf den Schultern mehrerer Beamten sogar verteilt ist. Darum waren Sie nicht nur ein unermüdlicher, pflichttreuer Lehrer unserer Jugend, Sie haben sich auch außerhalb des Unterrichtes ihrer angenommen, ferner haben Sie sich den Erwachsenen stets gerne zur Verfügung gestellt, wenn sie mit einem religiösen oder weltlichen Anliegen zu Ihnen gekommen sind, und jeder konnte Trost und Rat zu jeder Zeit bei Ihnen bekommen, auch über den Kreis Ihrer Glaubensgenossen hinaus, und galten Sie bei allen Groß-Bieberauern als ein gewissenhafter Berater. Jedem Menschen waren Sie gerne bereit, zu raten und zu helfen, und darum genießen Sie in einer Zeit, in der wir Juden unter mancherlei Vorurteilen besonders zu leiden haben, die allgemeine Achtung aller Bieberauer, die je mit Ihnen zu tun hatten und Sie kennen. Daß Ihr Interesse sich nicht nur auf den engen Kreis Ihrer Glaubensgenossen beschränkte, haben Sie gezeigt, als Sie in der Zeit der Not während des Krieges, auch noch die Last des weltlichen Unterrichtes in der öffentlichen Schule übernommen haben, getreu Ihren Grundsätzen, stets bereit zu sein, wenn man Sie rief, aber sich auch nicht aufzudrängen, wenn man Ihre Hilfe nicht begehrte. Lieber Herr Sulzbacher, weun Sie jetzt in den Ruhestand treten, so können Sie es. in dem Bewußtsein tun, stets getan zu haben, was Sie für Ihre Pflicht gehalten haben, und Sie können die Ueberzeugung mitnehmen, daß man hier zu würdigen weiß, was Sie uns gewesen sind. Wo sich auch Bieberauer treffen, die einst als Schüler zu Ihren Füßen gesessen sind, oder Sie in Ihrer Wirksamkeit in der Gemeinde kennen gelernt haben, sie werden stets mit Hochachtung und Verehrung von Ihnen sprechen, und solange es eine jüdische Gemeinde Groß- Bieberau gibt, solange wird Ihr Name in Ehre mit ihr verknüpft sein und wird man in Dankbarkeit Ihrer gedenken. In diesen Dank wollen wir auch Ihre treue Gattin einschließen, die gegen alle Gemeindemitglieder stets gleich fteundlich, viel zu dem guten Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrer Gemeinde beigetragen hat." Alsdann überreichte der Vorstand im Namen der Gemeinde als sichtbares Zeichen der Dankbarkeit einen silbernen Pokal und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Herr Sulzbacher den Becher oft in Gesundheit leeren möge und seine wohlverdiente Ruhe noch lange genieße. — Herr Sulzbacher dankte in bewegten Worten Herrn May als Vertreter der Gemeinde für seine Dankesworte und für das wertvolle Geschenk. Dann mahnte er die Gemeinde in religiösen Bildern und Gleichnissen dem Glauben und der heiligen Thora treu zu bleiben. Hungen. Am 26. August d. I. konnte Herr Salomon Kahn seinen 90. Geburtstag begehen. In Villingen in Hessen geboren, betrieb er von seinem 18. Lebensjahr bis vor zwei Jahren ein Viehhandelsgeschäft, in dem er sich als ein Handelsmann von altem Schlag bewährte und auszeichnete. Als Vorsteher der hiesigen Gemeinde wirkte er nahezu 36 Jahre lang. Der Jubilar, der der letzte von 10 Geschwistern ist, von denen die älteste Schwester ein Alter von 99 Jahren erreichte, ist seinem Alter entsprechend noch sehr rüstig. Wir wünschen ihm einen gesegneten Lebensabend im Kreise seiner Familie ad meoh weesrim schonoh! Wallertheim. Regelmäßig zweimal im Jahre, Erev Rasch Chaudesch Adar und Elul tritt die Generalversammlung des Wohltätigkeit-Verein Chevroh Kadischo zusammen. Der Gottesdienst wird abwechselnd in Wallertheim und Gau-Bickelheim abgehalten. Dem Vorstand gehören an: Moses Jsaac, Max Baum, Jsaac Oppenheimer, früher Gau-Bickelheim, jetzt in Mainz wohnhaft. Die Ehevroh ist eine der ältesten der Landgemeinden Rheinhessens. Der derzeitige Präsident Moses Jsaac gehört der Ehevroh jetzt 60 Jahre an. Bei der letzten Tagung wurde durch das Vorstandsruitglied Jsaac Oppenheimer den Brüdern bekannt gegeben, daß der Präsident seinen 80. Geburtstag feierte, und hat er bei dieser Gelegenheit die Verdienste gewürdigt, die sich der Jubilar um die Chevroh besonders erworben hat. Der Chevroh gehören u. a. folgende noch rüstige Brüder an: Abraham Mann 86 Jahre, versieht noch das Amt als Gemeinderechner, Moses Jsaac, 79 Jahre, Präsident, Adolf Jsaac, 76 Jahre, Abraham Beckhard, 76 Jahre, Josef Marum, 72 Jahre, derzeitig Rechner der Chevroh, Karl Jsaac, 77 Jahre, Moritz Jsaac, 73 Jahre, Mainz, Emil Jsaac, 75 Jahre, Frankfurt. Die Chevroh wird s. G. w. im Jahre 1932 ihr 80jähriges Bestehen feiern. Wallertheim. Ueber das Gemeindeleben ist zu berichten, daß die israelitische Religionsgemeinde Hierselbst noch einen geordneten Gottesdienst unterhält. Seit dem Kriege versah das Vorstandsmitglied Jsaac Oppenheimer ehrenamtlich bis zu seinem Wegzuge nach Mainz den Kantorendienst. In Ermangelung eines Lehrrs ist derzeitig Herr Max Baum ebenfalls ehrenamtlich der Nachfolger. Der jetzige Vorsteher Emil Jsaac ist bemüht, bei der Vorlesung der Thora, der würdige Nachfolger seines Vaters Karl Jsaac zu sein. Möge die Jugend von Wallertheim sich ein Beispiel an den alten Hütern der Neligionsgemeinde nehmen und mögen die zahlreichen Jugendmitglieder der Religionsgemeinde bestrebt sein, die alte Tradition hochzuhalten, zum Segen der Gemeinde und unserer jüdischen Religionsgemeinschaft. Spielkreis für Binder von 3 bis 6 fahren Srna SorcFi Große Gleiche 457/ Gndiu. (Behandlung Spazierengehen 7