Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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3n einer Zeit wie der unsrigen, in der die Rassenforschung so manche wissenschaftliche Vergewaltigung und die Rassenkunde so manchen verderblichen Mißbrauch erfährt, wo besonders in den greisen der akademischen Jugend das Heil und die Zukunft des deutschen Volkes von der theoretischen und praktischen Rassebetonung erwartet wird, kann dieses Buch ersprießlich wirken. Der Autor, erfahren in der Wissenschaft der moderiren Rassenniid Vercrbungsforschung, zeigt die unhaltbaren Ansii!Üchse niid Ucber- ^ochungeii ans diesenr Gebiete auf niid legt m leichtfaßlicher, zn- T^Cl ^othode das Rasseproblem soziologisch ruid naturwissenschaftlich dar. In sieben Kapiteln: 1. Grundlagen der Rassenforschung, 2. Tie menschliche Rassenknnde, 3. Die Einteilung der Menschenrassen, 4. Die Beschreibung der Menschenrassen, 5. Vor Ursprung und Werden der Menschenrassen, 0. Rasfekrenzung und ihre Folgen, 7. Der Untergang der niederen Rasse, wird das Matcrial^der^ Frage dargestcllt, das Werkcheii verdiente, in Schulcri rlnd ^ugendgruppen aber auch darüber hinails in den Kreisen der Erwachsenen gründlich gelesen zu werden. Tr. L. Der Philo-Verlag veröffentlicht: Herb, I., „Günthers Rassenlehre" und Jacob, B., „Tie biblische Sintfluterzühluug" niid ihre literarische Einheit, Vortrag, gehalten auf dein internationalen Orientalistenkongreß zu Oxford am 30. August 1928. Wir empfehlen unseren Lesern die beiden Broschtireri, die der Lektüre lind Verbreitung würdig sind. Die kritischen Ausführungen Hertz' geben an einem Spezialgebiet eine beachtenswerte Ergänznng zu dem in dieser Nummer besprochenen Bilche „Volkstümliche Rassenkunde" von Prof. Dr. H. Iltis; B. Jacob führt in bekannter Meisterschaft und wissenschaftlicher Sorgfalt in eine Teilfrage seines Forschungsgebietes ein. Tr. L. ^2121 „Belehrung und Mahnung". Aus nachgelassenen Schriften von Rabbiner Tr. Salomon Breuer. Erster Teil. Genesis. 1930^I. Kaufs,nanu, Verlag. 108 S., brosch. 4.20, geb 5.70 RM. In diesen Predigten des verstorbenen Rabbiners der Frankfurter Separatgemeinde ist eine ausgesprochene Eigenart. Sie sind tricht Predigt im heutigen Sinne dieses Wortes, sondern Maggiduth und wollen es betont sein. Sie sind gaitz nnb gar Dokumente der Persönlichkeit, die hinter ihnen steht, und Spiegel der Richtung, in der diese Persönlichkeit das Judentum. versteht. Eigen- und Sondcrart des Mannes tritt in jedem Wort hervor, die bewundernswerte Belesenheit in Talmud und Midrasch, die souveräne Beberrschtlng des Stoffes und seilie Handhabung in: Midrasch- Stil; zugleich aber auch die Schroffheit unb Ünbeugsamkeit der Stellung ln Fragen der jüdischen Gemeindepolitik. In dieser Hinsicht sitid sie ein Zieldokument der innerjüdischen Tageskämpfe, und ivas sonst als Politik erscheint, wird hier als religiöse Forderung begründet mit der ganzen Leidenschaftlichkeit des Kämpfers, der überzeugt ist, einen Gotteskampf zu kämpfen. Die Denkiveise des Manschen lernt man ahnen, für den mit dein Bekenntnis zur Thora — allerdings wie er sie versteht und auslegt — alle Probleme nicht nur gelöst silid, solidern eirifach nicht vorhanden sind. — Diese Reden setzen ein so hohes Maß von Wissen und Beherrschung des Stoffes voraus, daß inan sich unwillkürlich fragt, ob die Hörer alle Aiideutungen, ja ob sie nur die Fülle der hebräischen und aramäischen Zitate verstanden haben mochten. Lehrreich für den Verstehenden sind diese Predigten, einfach silid sie nicht. Einfacher ist die jüdische Predigt unseres Stiles bestimmt. Tienemann, Offenbach a. M. Das vor kurzem erschienene „Korrespoiidenzblntt über Auswanderungs- und Siedlungswesen" des Hilfsvcrcins der deutscheii Juden, Mai 1930, bietet lvieder eine Fülle interessanten Stoffes. In der Einleitung wird eine kurze Darstellung über die weitgehende Einwanderungsrestriktionspolitik einer Reihe bon Staaten gegeben, aus der hervorgeht, welche engen Grenzen der Einwanderung aus Osteuropa jetzt gezogen sind. Aus dem Inhalt des Korrespondenzblattes führen wir folgendes an: Es werden Mi^ teilungen gemacht über den Stand der allgemeinen Auswanderung aus Deutschland und die umfassende Fürsorgearbeit des Hilfs- Vereins der Deutschen Juden innerhalb Deutschlands, Auswanderung und Einwanderung in Sowjet-Union, Türkei, Rumänien, Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg und Spanien. Es folgen interessante Schilderungen über Kanada als Eiilwandernngsland und die geplante neue kanadische Einwanderungspolitik; Statistik über Ein- und Auswanderung, Tendenzen der Einwanderungspolitik und wirtschaftliche Verhältnisse in den Vereinigten Staaten; Einwanderungsrestriktionen undEinreisebestiinmungcn für Mexiko, Kuba, Guatemala und Salvator; Entwicklung der Einwanderung nach Argentinien, wirtschaftliche Lage, Lebens- und Lohnverhältnisse in Buenos Aires; Einwanderung nach Brasilien, Angaben über den Arbeitsmarkt, Lebenshaltung und Löhne in Sao Paulo pnd Rio de Janeiro; Aussichten für Einwanderer in Uruguay und Ehile, statistische Angaben über Peru und Einreisebcstimmungen. Von afrikanischen Ländern sind Abessinien und Südafrika behandelt. Ausführlich wird das neue, höchst restriktive südafrikanische Einwanderungsgesetz vom 1. Mai 1930 berücksichtigt. Zum Schluß wird berichtet über Palästina, China und Australien, und eine Uebersicht über die Organisation des Hilfsvereins in Deutschland und die Organisation der Gesellschaft Hias-Jca-Emigdirect und andere große ansländifche Organisationen gegeben, mit denen der Hilfsverein in Arbeitsverbindung steht. Das Korrespondenzblatt des Hilfsvereins zeigt, wie groß und mannigfach die Emigrationsprobleme sind, und von welcher Bedeutung die Emigrationsfürsorge innerhalb der einzelnen Länder ist. Das Blatt wird an einzelne Auswanderungswillige, an Organisationen und Behörden des In- und Auslandes, Konsulate in Deutschland, ferner an deutsche Geineinden sowie die Lokalkomitees und Vertrauensleute des Hilfsvereins versandt. Besondere Aner-kennung hat das Korrespondenzblatt auch bei dem deutschen Auswärtigen Amt und dem Völkerbund in Genf gefunden. Das Juniheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums bringt erfreulicherweise eine große Reihe von Aufsätzen, die unbeschadet ihrer wissenschaftlichen Gediegenheit auch einem weiteren Leserkreis verständlich sind. I. Bergmann stellt in einem Aufsatz „Sitten und Sagen" jüdische Bräuche in. den Zusammenhang der Kulturgeschichte ein. Wenn nicht nur die Bibel, „ein flammender Protest gegen jeden Aberglauben", zum Werkzeug des Aberglaubens wurde, wenn sich überdies auch sonst abergläubische Bräuche im Judentum bis in die Gegenwart hinein finden, so zeigt Bergmann, daß es sich um Uebernahme nichtjüdischer Sitten und Vorstellungen handelt. So wird z. B. die Sitte, den Afikomen als Schutzmittel aufzubewahren, zutreffend mit analogen christlichen Sitten zusainmengejtellt. Aber auch zu so schönen Vorstellungen, wie den Gedanken, daß Gott um der Kinder willen die Erwachsenen erhört, weist der gelehrte Verfasser außerjüdische Parallelen nach. Ferner berichtet Michael Guttmann über Fortschritte in der Talmudforschung, Louis Lewin über Neuerscheinungen zur ostjüdischen Geschichte. Beiträge zur Bibelerklärung geben Martin Buber und Max Steif. Letzterer stellt weitere Wortspiele in der Bibel zusammen, ersterer beginnt eine größere Aufsatzreihe, welche der Erläuterung seiner mit Nosenzweig s. A. begonnenen Bibelübersetzung dienen soll; zunächst werden mehrere schwierige Stellen aus dem Buch Jesaja besprochen. Neuland be-< tritt Heinrich Flesch mit seiner großen Arbeit über „Jüdische Handiverker in Mähren" im 17., 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Auf Grund sorgfältiger Studien der Urkunden wird über jüdische Fleischer, Schneider, Glaser und sonstige Handwerker gehandelt; ihre Verbreitung und die gesetzlichen Bestimmungen, namentlich über ihre Besteuerung, werden nachgewiesen. Einen Beitrag zur Analyse der sogenannten jiddischen Sprache gibt B. Weinryb. Auch zahlreiche Besprechungen, z. B. über die Geschichte und das Wesen des Antisemitismus, sind durchaus gemeinverständlich geschrieben. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird uiid den jährlicheii Mindestbeitrag von 10.— RM. an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simoii, Berlin 7030) oder an eiiien der Vertrauensmänner sendet, ivelche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt sind. Der Lektor für talinudische Wissenschaft an der Landesuniversität Gießen, Herr Bialvblocki, T. T. hatte gelegentlich des voii beit Rabbinern der süddeutschen Landesverbände am 13. Dezember 1929 in Mainz veranstalteten wissenschaftlichen Kursus einen Vortrag über: „Tie Beziehungen des Judentums zu Proselisten und Prvselvtentum" gehalteii. Dieser Vortrag ist in der Zeitschrift „Jüdisches Forum", Monatsschrist für dgs gesamte jüdische Leben, Berlin, 1930, in Fortsetzungen verösseiitlicht und auch in einem Sonderdruck erschienen. Bialvblocki bringt in seiiiem Vortrag das gesamte, im jüdischen Schrifttum enthaltene Material über diese Frage und nimmt zu den einzelnen Schwierigkeiten dieses Gebietes kritisch Stellung. Herr Rabbiner Dr. Raphael Breuer in Aschaffenburg hat durch eine abfällige Besprechung des Bialoblocki'schen Vortrages in der Literarischen Warte des Frankfurter „Israelit" unter dem OPEL das modernste Motorrad ARDIE das preiswerteste Motorrad F/N das internationale Klasse - Motorrad Generalvertretung Peter Krahn9 Ottenbach a.M. te!efon 82790 Reparaturen, Ersatzteile 11