Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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„Wenn man doch meinen Unmut wäge, und mein Leid dazu mit auf die Wage legte! Denn nun ist es schiverer als Sand am Rieer; darum sind meine Reden rasend." Hiob 0, 2. 6. i?lnf Hiobs Wage Leiden und Hoffen, Verzweiflungen nnd Erwartungen^ gewogen mit der Einstellung zu Diesseitigkeit nnd Jenseitigkeit ^— Verlangen nach Gewißheiten und das Bewußtsein, daß dieses Verlangen unmöglich jemals erfüllt werden kann: für all dies hat Schestow feine Gewährsmänner von Plato und Aristoteles über Platin, Deseartes, Pascal, Spinoza und Hegel bis Tolstoj, Dostojewski) und Bergson. Sie alle läßt er zu Worte kommen mit ihren aus schwerstem innerem Müssen erlebten Ueberzeilgnngen, mit ihren rasenden Reden, in denen einer immer die lleberzengnngen des anderen abtut. Und was ist sein eigenes letztes Wort? „Vielleicht wird der Leser, den die langen „Pilgerungen durch Seelen" nicht abstoßen, die das Material für dieses Buch lieferten, zu der Ueberzeugung kommen, daß in der Heiligen Schrift Wahrheit enthalten ist, und daß Spinoza, in der Erfüllung des Willens dessen, der ihn sandte, dazu bestimmt war, diese Wahrheit unseren Zeitgenossen zu nehmen." Weißmann. Asch, Schalom. Tie Mutter. Roman. Paul Zsolnay. Das ist teilt neuer Roman von Asch, nur eine neuere Uebersetzung, aus der uns das Leben des armen Juden, wie er, weltfern, seine Familie mit Träumen satt machen möchte, entgegen atmet. Im Mittelpunkt des Ganzen sieht die Mutter: sie richtet auch in Amerika, wohin sie alle übersiedeln, aus dem Nichts ein Heim aus; sie hält es, bis ihre Kräfte verbraucht sind, und die Kinder Helsen ihr dabei. Und wenn sie schließlich zur letzten Ruhe müde sich niederlegt, auch dann noch bleibt ihre' Seele wach, um zu behüten, was ihres Blutes ist. Das Buch hat künstlerische Härten, aber es leuchtet daraus das eigentlich Jüdische in einem starken und stillen Glanz, und es geht Wärme davon ans, Leben nnd Reinheit. Weißmann. Christiansen, Vroder. Tie Kunst. Schivarzleinen mit Gold, 6.80 RM. Buchenbach i. Baden. Felsen-Verlag. Wer das „Gesicht unserer Zeit" von Christiansen kennt, weiß, was er von einem seiner weiteren Werke erwarten darf; weiß, wie Christiansen das Leben spürt, wie er es sich und anderen ins Bewußtsein hebt aus Klängen, Linien und Worten, daß hinter dem gewohnten Gesicht der Welt das eigentliche erscheint als eine wunderbar klare Offenbarung — so außerordentlich, so selbstverständlich — eine schöpferische Leistung allerersten Ranges. Weiß mann. Chrenlmrg, Jlja. Das Leben der Autos. Berlin, Malik-Verlag. Unter welcher Marke könnte dieses Buch lausen? es ist nicht die übliche Reportage, es ist keinesfalls der übliche Roman. In einer bisher noch nicht bekannten Ueberlegenheit schließt der Verfasser ein Aktenmaterial zu anscheinend sachlich kühlem Bericht zusammen. Aber wer sich damit begnügen wollte, das Ganze eben um seiner Gründlichkeit willen nur als Bericht hinzunehmen, der würde vorbeisehen an der künstlerischen Durchdringung, an dex menschlichen Teilnahme, die diese Reportage so ganz einzigartig erscheinen läßt. Wenn Ehrenburg vor dem Leser die Leistung der Anto-Könige erstehen läßt, wenn er zeigt, wie sie in ihrem Werk ihre Arbeiter versklaven, so läßt er gleichzeitig auch erkennen, wie sie selbst zu Sklaven, wie sie selbst ans rollende Band gerissen werden, wie ihr Herrentum nur noch in ihrer Einbildung besteht und die eigentlichen Herren die Maschinen sind, vor denen es kein Entrinnen gibt. Weißmann. Ferber, Edna: Das ist Fanny. Verlag Gebrüder Enoch, Hamburg. 819 Seiten. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen von A. Wiesner-Gmeyner. Preis: in Leinen geb. 7.50 RM. Edna Ferber versteht die Probleme, die sie anpackt, klar und folgerichtig zu zeichnen. In ihrem Roman „Die Mädchen" hatte sie'die treffende Schilderung der Frau von heute gegeben; in diesem neuen Roman „Das ist Fanny" stellt sie den bedeutungsvollen äußeren und seelischen Entwicklungsgang eines jungen Mädchens vor uns hin, einen Entwicklungsgang, der mehr als ein Einzelsall ist. Zwar läuft die Szene fesselnden Lebensausschnittes in Amerika, das Dinghaste und das Gedankliche dieses Buches, das durch packendste Schilderung an uns herantritt, findet aber leicht Parallelen in der alten Welt. Fanny Brandeis, Kind eines ungleichen jüdischen Elternpaares in Winnebago, verliert früh den Vater, als junges Mädchen auch die Mutter, der einzige Bruder (ungleich der Schwester und in letzten Seelenadern durch edle Sehnsucht ihr doch verwandt, Künstlernatur) zieht in die Welt, die üblichen Menschenkreise der Jugendzeit bleiben ihr bis ans wenige Ausnahmen fremd: so steht dieses Geschöpf aus äußeren und inneren Gründen früh ans sich selbst gewiesen. Lebenstüchtigkeit, Beobachtungsgabe, Urteilskraft, Seelentiefe von den Forderungen des äußeren Lebens umnebelt, sind ihre Kräfte, ein Erbteil der Mutter, das sie zu deren Ebenbild macht. Der Ehrgeiz, die dämonische Sucht nach Lebensersolg reißt sie aus der Stille Winnebagos, schleudert sie in den Betrieb der geschäftlichen Riesennnternehinungen, die zum elterlichen Warenhänschen sich verhalten wie ein haushohes Maschinenschwungrad zum kleinen Triebrädchen einer Zwergtaschenuhr. Ihre Fähigkeiten bringen ihr einen amerikanischen Ausstieg. Ta tun sich die leicht überdeckten oder in Selbsttäuschung verkannten Tiefen ihrer Seele aus, die Sehnsucht nach dem wahrhaft Menschlichen, von bitteren Erlebnissen geweckt, peitscht sie aus dem Betriebe, sie flüchtet in die Einsamkeit der Berge zu dem Jugendgesährten, der, ein fesselndes Gegenstück zu Fanny, durch seine Willenskraft sich vom schmächtigen Knaben znm starken, geschlossenen Mann der Forschung und Lebensweisung entwickelt hatte. Eine langverhaltene Seelenverbundenheit zweier Menschen triumphiert. Ein Buch jüdischer Seelenstrebungen ist dieser Roman zugleich, wenn der religiösen Form des Judentums auch mancherorts übel mitgespielt wird. Wer die Lektüre dieses Buches begann, den läßt es nicht mehr los. Tr. L. Jedermanns Lexikon in zehn Banden." Die Verlagsanstalt Hermann Klemm A.-G., Berlin-Grnnewald, hat ein verdienstvolles Werk in Angriff genommen: Unter der Hauptschristleitung des Literarhistorikers Dr. Heinrich Spiero bringt sie ein zehnbändiges Lexikon heraus, das infolge seines niedrigen Preises und der überdies noch gewährten günstigen Monatsteilzahlungen in der Tat für „Jedermann" erschwinglich ist. Sechs Bände, umfassend A—Mensch, sind bereits erschienen. Jeder Band in gefälligem und dauerhaftem Ganzleinen kostet nur 0,75 RM. Monatliche Ratenzahlung von 3.— RM. ist zulässig. Aber nicht nur der Preis ist für jedermann erschwinglich, sondern auch der Inhalt der einzelnen Artikel ist ohne Schwierigkeit für jedermann verständlich. Reichliches und klares Bild- und Kartenmaterial veranschaulicht den Text. Zwar mußten naturgemäß der Umsang der Artikel und die Satzgröße aus ein Mindestmaß eingeschränkt werden, wenn das Werk seine Uebersichtlichkeit und Handlichkeit nicht einbüßen sollte; das Satzbild ist hierbei aber klar geblieben, die einzelnen Artikel geben zuverlässige Antwort nnd die bei wichtigen Artikeln gebrachten Literaturhinweise verschaffen die Möglichkeit, Eingehenderes über die betreffende Frage nachzulesen. Das Lexikon gibt Auskunft selbst über die Erscheinungen der neuesten Zeit und enthält Statistiken der letzten Jahre. Kurz: Dieses im besten Sinne populäre Werk hat die Ausgabe, die es sich gestellt hat, gelöst. Die hohe Auslagezisser von 40 000 Exemplaren pro Band, die das Werk erreicht hat, beweist, daß es einer Forderung der Zeit enrgegenkam. Tr. L Hirsch, Tr. S.: Ans Tagen der Not. Berichte und Dichtungen. Verlag I. Kansftnann, Frankfurt a. M. 1980. 09 Seiten. Preis 1.00 RM. steisbrosch., 2.00 RM. geb. Die unter Mitwirkung der Jngendschristenkommission der Großloge für Deutschland von Herrn Dr. Artur Galliner herausgegebene jüdische Jngendbücherei hat mit diesem Bändchen 0-7 eine Fortsetzung der früher erschienenen Bändchen geschaffen. Herr Dr. S. Hirsch hat unter dem Titel „Aus Tagen der Not" Berichte und Dichtungen ans schweren Zeiten, die über die Juden gekommen sind, ausgewählt. Tie Auswahl, die zum Teil auch Altes wieder bringt, ist mit Geschick vollzogen. Man bedauert zwar, daß unserer Jugend so viel Ernstes und Trauriges erzählt werden muß, aber unsere Geschichte ist nun einmal recht düster und gerade in der Not zeigte sich die Bewährung unserer Vorfahren. Das Auswahlbändchen bringt Exzerpte aus Darstellungen neun verschiedener Autoren (Hans Florian, H. Heine, Salomo bar Simeon, A. Strindberg, P. Philippson, M. Lehmann, Theodor Fontane, I. Kracauer, L. Kombert). Wenn die ausgewählten Teilstücke auch ein abgerundetes Bild der geschilderten Zustände und Persönlichkeiten geben, so sollte gerade bei der Jugend doch der Hinweis ans das ganze Werk der Autoren nicht fehlen, damit in falscher Genügsamkeit nicht etwa das Teilchen für das Ganze gehalten werde. Und wenn nun in einem solchen Jugendbuch historische Abhandlungen oder Dichtungen nicht in ihrem ganzen Umfange gebracht werden können, so wäre bei künftigen Answahlverössentlichnngen vielleicht ein biographischer Hinweis mit Nennung der Hauptwerke der berücksichtigten Antoren erstrebenswert, damit die Jugend die Möglichkeit und die Anregung empfange, Weiteres und vielleicht auch Ganzes ans der Feder dieser Autoren kennen zu lernen. Wir empfehlen unseren Lesern, dieses neue Jugendbuch bei jeder Gelegenheit zu Geschenkzwecken zu verwenden. Tr. L. Iltis, Pros. Tr. Hugo: Boltstümliche Nassentunde. Urania- Verlagsgesellschast mbH., Jena. 1930. 80 Seiten mit 41 Abbildungen. Preis brosch. l.50 RM., in Ganzleinen 2.— RM.. Vorzugsausgabe 2.75 RM. 9