Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Israelitische Religionsgemeinde Mainz. Wohlfahrtswesen. Bei der Gemeindekasse sind seit 1. April d. I. Geldspenden emgegangen von: Dr. Hausstädt, Darmstadt, Frl. Paula Reis, Dr. ^raenkel, Sally Wolfs Wwe., Karl und Hubert Goldschmidt, Frau Primo, Mainz. Die Zentralwohlfahrtsstelle empfing Geldspenden von Dr. Julius Picard 10 RM., Jos. Siegfr. Selig 20 RM., Paul Kassewitz 10 RM., Benedict Levy 20 RM'., Frau Nathan Fulda 50 NM., Frau Professor Dr. Salfeld 10 RM., Frau Paula Läwensberg 50 RM.. Rechtsanwalt Dr. Süffel 50 RM., Theo Weil 100 RM., Jos. Siegfr. Selig 20 RM.^ (zweite Spende), Firma Louis Lieben- ,tein 50 RM., Jüdischer Frauenbund Mainz 100 RM. und 150 RM., Hugo Löwensberg 100 RM., Fritz Löwensberg 100 RM., Rhenusloge Mainz 500 RM., Frau Hch. Marx Wwe. 20 RM., Jüdischer Frauenbund Mainz, dritte Spende 100 RM., Albert Roos und Frau 50 RM., Alfred Raphaelson 100 RM., Gesellige Vereinigung 100 RM., Rhenusloge Mainz, zweite Spende 800 RM., Julius Kaplan 25 RM., Henry Meyer 118,23 RM.. Frau Willy Pintus 100 RM., Frau Sally Deutsch 100 RM., Ludwig Gebhard und Frau 50 RM., und Sachspenden van: Heinr. Heymann, Rechtsanwalt Dr. Emil Kramer, Frau I. Lazar Wwe., Rabbiner Dr. S. Levi, Michael Leop. Levy Wwe., Urnstein, Sanitätsrat Dr. Hesdörffer Wwe., Herm. Heymann-Levltta, Kommerzienrat Ludwig Kroiienberger, Julius Stein, Geschwister Schönberger, Jul. Schottländer, Berth. Abt. Wwe., B. Adler Wwe., I. Ehrenstein Wwe., Nathan Fulda Wwe, Sau-Rat Tr. Julius Metzger Wwe., Eugen Sichel, Moritz Vogel, Simon Vogel. Ailgust Vogel, Moritz Berney, Rabbiner Dr. Bondi Wwe., Bernhard Behr, Karl Beckhardt, Beiijamin Zitroncnbaum, Bruno Einhorn, Felix Grünewald Wwe., Hans Gebhardt, Max Goldstein, Eugen Herzog Wwe., Karl Hirschmanu, Rechtsanwalt Hans Horch, Karl Heymann, Richard Heinemanii, Leo Koch, Jakob Goldschmidt, .Hermann Sichel, Alex Steruiberg, Hermann Strauß Wwe., Eduard Blum, Albert Blumeiithal, Ludwig Friedmann, Jacques Herzog, Albert Heidenheimer, Bernhard Keller, Kaiitor Max London, Otto Lorch, Emil Löwensberg Wwe., Fritz Löwensberg, Kommerzienrat B. A. Mayer, Willy Pintus Wwe., Alfred Raphaelson, voir drei Uiigenannteii, Wilhelm Wild Wwe., Ludwig Gebhardt, Maiifred Fröhlich, Justizrat Dr. Fuld, Hanau u. Co., Max Ne.ugarteii, Oberkantor Abr. Oppeicheiiner Wwe., Daniel Maiiii Wwe., Dr. Julius Picard, Frl. Wilhelviiiie Pfungst, Rudolf Sinioii, Ferdiiiand Lebrccht Wwe., Firma L. Tietz. Wir niüsfen zu uuserevi Bedaueru feststellen, daß die Anforderuiigen an urisere Wohlfahrtsstelle bedeutend gesticgeii sind, und daß ein entsprechender Opfcrwille bis jetzt nicht zu verzeichueii ist. Wir bitten alle Gemeindemitglieder, die über ein ausreichendes Einkommen verfügen, sich ihrer Bruderpflicht bewußt zu fein und uns in den Stand zu setzen, uiiserer Aufgabe, bedürftige Glaubensgeiiassen zu unterstützen, in genügendem Ausmaße gerecht zu werdeii. Warnung. Briefbogen des Herrn Genieinderabbiiiers Dr. Jakob Hoffin a n n, Frankfurt a. M., versehen mit einem Stempel „Dr. I. .Hofsmann" sind fälschlicherweise im Umlauf. Da Herr Rabbiner Dr. Hoffmann feine Empfehlungen an Einzelpersonen ausstellt, bitten wir, alle derartigen Schreiben einzuziehcn uiid die Jdentität der Vorzeiger festzustellen. — Zweckdienliche Meldungen an die Jüdische Wanderfürsorge Frankfurt a. M., Langestraße 80, Telephon 26162. Bericht über die 8. ordentl. Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Pfingsten 1930 in München, unter dem Motto: „Jugend Hilst der Jugend". Von Robert Strauß, JJV., Maiuz. Zu Pfiugsten dieses Jahres waren Delegierte des Verbandes der jüdischer? Jugendvereine Deutschlands aus alleu Teilen des Reichs zur 8. ordentlichen Delegiertentagung in München versammelt, um zur gegenwärtigen Lage der deutschen Judenheit, insbesondere der jüdischen Jugend, Stellung zu nehmen, und neue Richtlinien für eine intensive Verbandsarbeit zu finden. Auch waren ca. 600 Gäste jeden Alters erschienen, ein Zeichen, wie allgemein das Interesse an der Tagung war. Ein großartiger Auftakt der Tagung war der Sprechchor „Im Anfang", aus der Bibelübertragung Buber-Rosenzweig, der die Schöpfungsgeschichte behandelt, und van der künstlerischen Arbeitsgemeinschaft des Düffeldorfer JJV. meisterhaft zu Gehör gebracht wurde. — Nach den verschiedenen Begrüßungsansprachen bestieg, allseits stürmisch begrüßt, Dr. Martin B u b e r , das Rednerpodium, um zu dem höchst aktuellen Thema „Wie kann Gemeinschaft werden?", Stellung zu nehmen. In tief durchdachten rhetorisch hervorragenden Ausführungen erläuterte er die historische Entwicklung der Gemeinschaften bis zur heutigen Zeit (Völkerbund), um schließlich die Nutzanwendung für uns aufzuzeigen: „Wenn ihr euch mit eurer ganzen Persönlichkeit bemüht, mit, statt nebeneinander zu leben, dann wird auch in euren Reihen vielleicht die wahre Gemeinschaft werden." — Am Nachmittag wurde über dieses Referat diskutiert. Aus alleu Reden klang laut der Ruf nach einer neuen, vernünftigen Lebcnsgestaltung, die sich der großen wirtschaftlichen Not des jüdischen Mittelstandes, und des größten Teiles unserer Mitglieder, der jüdischen Angestellten, anpassen müßte, und nun stand die Tagung, gewollt, oder nicht gewollt, ganz unter dieser Parole! Wie brennend dieses Problem für uns junge Juden ist, zeigte sich in den darauf folgenden Arbeitsgemeinschaften, „Der junge Mensch im Beruf", wo jeder einzelne mit einer wahren Hingabe mitarbeitete. Es herrschte dort ein Geist aufrichtiger Kameradschaft und eine Offenheit in der Aussprache, wie man sie unter Kameraden iiur wünschen kann. Das Verständliis für unsere Schicksalsverbundenbeit, für die Nöte des Einzelnen uiid Aller, schweißte die Teilnehmer zusammen, und ließ diese Arbeitsgemeinschaft zu einem Erlebiiis und einem großen Gewiiiii werdeii. Die Forderungen der Arbeitsgenieiiischaften waren folgende: Es muß verhindert werden, daß die allgemeiiie wirtschaftliche Verproletarisierung zu einer geistigen Verproletung führt. Die Parteipolitik innerhalb uiiserer Reihen muß abgelehnt werden, dagegen sollen wir wirtschaftliche Politik treiben. Tie Besprechungeii dieser Problenie müssen plaiiiiiäßig ausgebaut werden. Es muß eine Berufsumschichtuiig erstrebt werden, um den ungeheuer überrannten kausmäniiischen Beruf zu entlasten. Mit den übrigen jüdischen und nichtjüdischen, konfessionellen uiid Berufsorganisationen ist in Verbiiidung zu treten, um dadurch für die gemeinsame Läsuiig dieser wirtschaftlichen Frageii zu sorgen. — Der erhebende Beschluß des ersten Tages war die Aufführung des „Jereniias" voii Stefaii Zweig dilrch den Düsseldorfer Sprechchor in Anwesenheit des Dichters. Diese Ausführung war für alle das tiefste Erlebnis. — Am Pfingstmontag erstattete der 1. Vorsitzende Dr. H a h n, den Arbeitsbericht der letzten zwei Jahre. Er berichtete über das Verhältiiis der Gemeinden zu unseren Bünden, über die Erfolge unseres Kampfes für ein neues Geineiiidewahlrecht, über die iiitensive Erziehungsarbeit des Bundes, die gute Entwicklung der Bundeszeitung „Jugendbund", die uns immer zuteil gewordene Unterstützung der jüdischen Presse, die erfreuliche Entwicklung der Junggruppen, die heute ca. 1000 Mitglieder umfassen, die Gründung einer Stellcnvermittlungs-Nathilfe, die Schaffung von jüdischen Jugend- und Gemeindeheimen, und schließlich über die guten Ansätze 31t einer Zusammenarbeit mit den übrigen deutschen Jugendverbänden. Daran schloß sich eine sehr lebhafte Generalaussprache an, die den Tag größtenteils ausfüllte. Nach der Entlastung des Vorstandes und der Kassenvcrwaltung wurden verschiedene Anträge angenommen und folgte durch Akklamation die Wahl des neuen Vorstandes, der sich zum erstenmal aus der jungen Generation znsammensetzt. — Nach Schluß der offiziellen Delegiertentagung bot München seine Sehenswürdigkeiten und schuf nach der angestrengten Arbeit einige schöne Erholungsstunden. Eine Reihe von Verbandsfreunden beschloß die Tagung durch eine 8-tägige Gesellschaftsfahrt nach Passau- Wien-Salzburg-Berchtesgaden. Diese Münchener Tagung hat eine Menge Anregungen gegeben, die es nun innerhalb unserer Ortsvereine auszuwerten gilt, im Sinne der Schicksalsverbundenheit der jungen jüdischen Menschen, im Sinne einer aufrichtigen, treuen Kameradschaft, die uns hinweghelfen soll über alle Stürme, die die deutsche Judenheit bedrohen! Bücherschau. Schestow, Leo. Auf Hiobs Wage. Ueber die Quellen der ewigen Wahrheiten. Berlin 1929. Lambert Schneider. 578 S. Autorisierte Ilcbersetzung aus dem Russischen von Hans Ruoff und Reinhold van Walter. 7