Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 6 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9582242-9623187-9620724--0565-9620735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
US»!!»! irssss Üv\yAM b^ü n p Bob E NJBrEü&GE 4 Adam Kadel, Darmstadt Pallaswiesenstrasse 45/47 Fernruf 3063 Baumaterialien Wand-u. Bodenplattenbeläge begnügt sich dabei nicht, einfach auf die Interpretation der mündlichen Lehre hinzuweisen, die stets verkündet hat, daß jener Satz nicht ein buchstäblich zu Vollziehendes lehrt, sondern daß mit ihm eine je nach der Höhe und Schwere der beigebrachten Verletzung vom Tater zu leistende Geldentschädigung gefordert werde. Er geht vielmehr selbständig dem vielzitierten Bibelsatz nach, erforscht ihn in seinem Zusammenhang an den drei Stellen, an denen er sich findet, und in der Bedeutung der einzelnen Worte. Und er weist so in philologischer und lexikalischer Untersuchung nach, wie falsch es ist, in jenen Worten eine tatsächliche Talion zu suchen. Von starker Beweiskraft ist die philologische Untersuchung über die Bedeutung des Wortes tachat und von besonderem Reiz der Nachweis, wie sich die Hauptworte der Formel in die Reihe der Beispiele einfügen, bei denen, einem Gesetz der hebräischen Sprache folgend, die Vergleichspartikel ausgelassen ist, obgleich sie sinngemäß vorausgesetzt wird. Ueber die Interpretation des einen Satzes hinaus wird die Abhandlung dann zu einer Untersuchung über die Komposition der Bibelkapitel, in denen das alte jüdische Recht niedergelegt ist, über die Verstümmelungsstrafen in den altorientalischen Rechten und ihre Ablehnung in der Thora und über den Vergcltungsgedanken in Bibel und Midrasch. Jacob weist nach, daß die Ausdeutung der biblischen Rechtsformel im Sintie der buchstäblichen Talion der hellenistischen Literatur entstamme, die die Talioii als griechisch-römische Sitte kannte und nun ans apologetischen Gründen das Judentum nicht andere Bahnen gehen lassen wollte uiid die biblische Gesetzgebuiig zum Quell dieses Rechts erheben wollte. Er versucht auch nachzuweisen, daß die Polemik der Bergpredigt gegen den Satz „Auge um Auge" sich damals nicht gegen eine jüdische Auffassung, sondern gegen die antik-heidnische Vulgärstimmung richtete. Im Zusammenhang mit dieser Untersuchung steht eine kritische Analyse der Bergpredigt im ganzen. So ist das Buch in seiner dialektischen Methode eine wohlgelungene Bereicherung der alt- und neutestamentlichen Exegese. Dienemann. Das Aprilheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums wird eingeleitet durch eine Uebersicht des Herrn Rabbiners Dr. Kober in Köln über Neuerscheinungen zur Geschichte der Juden in Deutschland. In knapper Form, aber mit sicherer Kennzeichnung läßt der bekannte Fachgelehrte zahlreiche Bücher vorüberziehen, von denen ein erheblicher Teil auch das Interesse des Laien beanspruchen darf. Sehr wertvoll sind die — gleichfalls durchaus gemeinverständlich gehaltenen Ausführungen Aptowitzers zur Geschichte des Gebetbuchs. Er zeigt insbesondere, daß der Gegensatz zwischen Juden und Judenchristen schon unmittelbar nach dem Auftreten der neuen Lehre schärfer war, als man gemeinhin annimmt, und daß wichtige Anordnungen im Gottesdienst aus der Abwehr der Angriffe und Versuchungen der neuen Lehre zu erklären sind. Unter den zahlreichen Besprechungen, welche dies Heft enthält, wenden sich insbesondere diejenigen zur Statistik der Juden an einen weiteren Leserkreis. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 RM. an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7080) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt sind. Thomas Mann, Die Forderung des Tages. 417 S. S. Fischer. 1080. Geb. 9.— RM, Thomas Mann vereinigt hier „Reden und Aufsätze aus den Jahren 1925 bis 1929". Wir können von iieuem das artistische Brillantfeuerwerk versilberter Wort- und Stilkunst bewundern, in dem helle Gedänken und individuelle Meinungen eines weitinteressierten und klugen Europäers hinter oszilliereiiden sprachlichen Scheinwerferkegeln eine Welt iiitensivster und prägnantester Intelligenz offenbaren. Reu« Hartogs. Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. 1923. Ein Aufsatz von Julius Guttmann widmet sich „Franz Rosenzweig" und gedenkt in Verehrung dieser starken, geistigen Persönlichkeit und ihrer dankenswerten Bemühungen im Dienste an einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Fritz Bamberger setzt „Mendelssohns Begriff vom Judentum" auseinander und Fritz Baer untersucht mit begrifflicher Klarheit die Bedeutung des zum Christentum übergetretenen „Abner von Burgos" für das Judentum. Rene Hartogs. Soeben erscheint die zweite Nummer des dritten Jahrgangs des „Jungen Juden". Zum ersten Male wird in dieser Nummer der Versuch gemacht, durch die Gegenüberstellung des deutschen und hebräischen Textes von Lamdan's „Massadah" den Zugang zu einem der bekanntesten Werke der Neuhcbräischcn Arbeiterliteratur für diejenigen zu eröffnen, die des Hebräischen nicht oder nur in geringem Maße mächtig sind. Wichtiger noch sind vielleicht die Uebersetzungen aus dem Werke „Arbeiterinnen sprechen", in denen ein Stück des Ausbauwerkes in Palästina, gesehen vom Standpunkt der in der Arbeit stehenden Frau, lebendig wird. Eine ausführliche Würdigung der Vereinigung der Arbeiterparteien in Palästina von M. Beilinsohn, dem ein kurzer Abriß aus der Geschichte der Arbeiterbewegung von E. Liebenstein vorausgeht, behandelt die aktuellen Probleme Palästinas während Georg Lubinski in einem Aufsatz „Abgrenzungen" sich mit dem Komniunismus innerhalb der zionistischen Jugend auseinandersetzt. Dem Andenken an Franz Rosenzweig ist ein Aussatz von Ernst Mosbacher gewidmet, der darzustellen sucht, daß Rosenzweig als erster die jüdische Position des Nichtzionisten zu begründen versucht hat. Mit seinen Berichten und seiner ausführlichen Palästina-Umschau darf das Heft das Interesse aller an Jugend- und Palästina-Fragen Interessierten beanspruchen. (Tie Zweimonats- Schrist „Der Junge Jude" ist für halbjährlich 2.—• RM. bei der Administration, Berlin W 15, Meineckestraße 10, zu abonnieren.) Personalnotizen. Geboren: G i e ß e ii : 30. 4. 30 eilte Tochter des Herrn Lehrer Qtto Grünebaum. Mainz: 15. 5. 30 eine Tochter des Herrn Moritz Hertz. Barmizwoh: G i e ß e ii : 2. 6. 30 Erich Grünebaum, Sohn des Herrn Lehrer Otto Grünebaum. Vermählte: E s s e n h e i m : Eugen Stern und Recha Stern, geb. Goldschmidt. 70. Geburtstag: M a i n z : 12. 5. 30 Frau Adele Gottschall. 17. 5. 30 Herr Julius Kaplan. 85. Geburtstag: Mainz: 28. 5. 30 Zacharias Ladenburg. Gestorben: Alsfeld: 10. 5. 30 Hugo Rothschild, 58 Jahre alt. Auto mobil-Reparatur-Werk Reparaturen größter und schwierigster Art an sämtl. in- und ausländischen Wagen durch nur erste Fachleute Abschleppdienst bei Tag und Nacht MOZART-GARAGE GEORG FEY OFFENBACH am Main, Mozartstrasse 8/10. Telefon 81309 11