Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 6 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Vücherschau. Xns ^ntcrcffc für die Leistungen des Heinebundes, Berlin. Eme jüdische Buchgemeinde zu beleben und die werktätige Unterstützung für feine Bestrebungen zu bewirken, ist das Ziel eines ::.lrlfruf^' dch' sich an die jüdische Oeffentlichkeit wendet. In dreijähriger, zielbewußter Arbeit, heißt es darin, hat der Heinebund dem jüdischen Buch eine Stätte zu schaffen gewußt. Seine achtzehn Bände sind eine Bibliothek, wie sie der jüdische Büchermarkt noch nicht gekannt hat. Drei weitere Bände werden in diesent Jahre erscheiüen: Propheten und Gottesmänner von Marcus Ehrenpreis, dein Verfasser des erfolgreichen Spanienbuches. Ferner als Fortsetzung der bekannten Serie von Darstellungen des jüdischen Anteils an der Kultur Deutschlands und der Welt: Juden in der deutschen Wirtschaft von Dr. Kurt Zielenziger. Den Abschluß der Jahresreihe wird voraussichtlich ein Memoirenbuch bilden. Alle Bände sind illustriert, auf holzfreies Papier gedruckt und in Ganzleinen gebunden. Ter Aufruf ist unterzeichnet von: Kollegium der Berliner , Gerneinderabbiner — Reichsverband Jüdischer Lehrervereinc — Zionistische Vereinigung f. D. — Freie Jüdische Volkshochschule — Verband der Jüdischen Jugendvereine — Kartell Jüdischer Verbindungen — Jüdischer Frauenbund — Georg, Kareski, Vors, der jüdischen Gemeinde, Berlin --- Prof. Jsmar Elbogen — Rabbiner Dr. Ziegler, Karlsbad. — Dozent Dr. Israel Rabin, Breslau — Ministerialrat Haus Goslar — Max Brod — Martin Buber — Marcus Ehrenpreis, Stockholm. — Interessenten erhalten kostenlos Prospekte durch den Heine-Bund, Berlin W 57, Pallasstr. 10/11. Ehrenburg, Jlja. Visum der Zeit. Leipzig 1030. Paul List. Dieses Buch ist ein Toppelspiegel: Spiegel des Menschen, der es geschrieben, und Spiegel der Bilder, die er geschaut. Man darf nicht meinen, das sei eine Selbstverständlichkeit, und man könnte das von jedem Autor und seinem Werk behaupten. In den meisten Fällen sogar bleibt es eine berechtigte, aber unerfüllte Forderung. Ehrenburgs Weg vom schmissigen Reißer ' (Die Liebe der Jeanne Ney) bis zum vorliegenden „Visum der Zeit" ist ein Ausstieg in steilem Tempo. Hier wie dort der rasche Blick, der die Umwelt scharf erfaßt, die Fähigkeit zu kombinieren und zu vergleichen, die Geschmeidigkeit der Darstellung und Glicht nur die Geschmeidigkeit, nein, auch die Wärme. Selbstverständlich finden wir all dies hier wie dort; denn er ist ja — hier wie dort — eben Ehrenburg. Aber seine Kräfte stehen heute auf einer anderen Ebene als vordem. Die Essays eines Europareisenden, die er unter dem Titel „Visum der Zeit" zusammensaßt, osseubaren einen reichen weiten Geist, in der Darstellung Präzision, Eleganz, Charme, Urteil und all das durchlichtet voii einer warmen Sachlichkeit. Uns jüdische Leser interessiert besonders, was er über die Juden zu sagen weiß; dciiii da komnit für uiis überzeugeiid stark zum Ausdruck, wie ausgezeichnet es ihm gelingt, aus persönlicher Anteilnahme und kritischem Abwägen ein Ganzes zu formen. Er spricht viel von ihiien; man merkt, wie sie ihm nahe sind, wie sehr alle ihre Lebeiisbediilguiigen ihn beschäftigen; und wie er sie versteht, wenn er z. B. voii ihiien sagt: „Hier muß ich mich bei einer Erscheinung aufhalten, die soviel Streit uiid Vorwürfe hervorgerufcn hat, bei der traditioiiellen Anhäiiglichkeit der polnischen Juden der russischen Kultur, im besouderen der russischen Literatur gegenüber. Die Polen beschuldigen die Juden voii jeher russifiziercnder Tendenzen. Seiiierzeit beriefen sie sich aus den „Vorteil" .—• die Russen seien in Polen die Herren, uiid für die Juden sei es natürlich vorteilhaft, sich nach Rußland zu orientieren. Aber jetzt hat sich alles geändert. Die Russen sind in Polen Parias, man verfolgt sie genau wie die Juden. Es wäre weit „vorteilhafter", alles Polnische zu verehren. Trotz alledem aber hat die Liebe des jüdischen Lehrers zur russischen Literatur nicht im geriiigsten nachgelassen. Wenn die Polen auch nur ein wenig kritisches Gefühl hätten, würden sie leicht begreifen, waruui die Juden die russischen Schriftsteller lesen, uiid liicht die poliiischcn. Die Juden sind zuin wirklichen Einpfiiiden der Mcnschheitskultur herangereist. Das ist nicht der Kosmopolitismus vou Suobs uud nicht der Internationalismus vou Politikern. Das ist eine Erweiterung der emotionalen Struktur des Menschen; nicht Interesse für das Spezielle, das Lokale, das national Beschränkte. An der polnischen Literatur stösit die Juden ihre Begrenztheit, ihre, mit Verlaub zu sagen, wahre „Fleckgebundenheit" ab. Diese große Leidenschaften sind so intim, daß sie jenseits der Grenzen des engen Familienkreises geradezu langweilig werden, wie die Verliebtheit eines £. oder die silberne Hochzeit eines A. Der polnische Messianismus wurde durch die geographischen Grenzen beschnitten. Die russische Literatur war und blieb wegweisend für die polnischen Juden, weil sie eine allmenschliche Literatur ist. So ist nun einmal ihre nationale Struktur, so sind nun einmal ihre Traditionen und ihr Pathos, der Sinn ihres Daseins. Die, wenn auch häufig unbrauchbaren, Heilmittel, die in ihren Laboratorien hergestellt werden, bezwecken unentwegt die Rettung aller. Die Träumer der jüdischen Flecken finden in dieser russischen Weite Hoffnung und Stütze. Unsere russische Literatur in den Bibliotheken zu Bjalystok, Radom oder iu dem Warschauer Viertel Ralewki ist soviel wie ein Stückchen blauen Himmels für den Sträfling. Sie vor allem ist die Bürgschaft für eine erfolgreiche Flucht aus dem Flecken, aus dem Ghetto iu die Welt hiuaus." Weißmann. Asch> Schalom, Warschau. Roman. Berlin, Wien. 1930. Paul Zsolnay. Dies ist nach „Petersburg" der zweite Band der vom Verfasser geplanten Roman-Trilogie: ein der Wahrheit abgerungenes Stück Leben, wie es sich abspielt in den erbärmlichen Behausungen der Warschauer uud Lodzer Judenhöfe, wo zwischen Elend aller Art, wie es breit wuchert, wenn proletarische Massen zusammengepfercht werden, die eigentümlich jüdische Melodie: gemischt aus Skeptizismus uud Idealismus, aus Jrdischkeit uud Geistigkeit, überraschend und ergreifend schwingt. „Wenn du zwei Münzen hast, so kaufe für eine Brot, für die andere weiße Narzissen, damit auch deine Seele satt werde", sagt das indische Sprichwort. Daran muß iuan denken, wenn mali miterlebt, wie in den Häusern der durch die „Krise" arbeitslos gewordenen Weber der Sabbat aufleuchtet uud für eine Weile die Welt der Huiigerndcn tatsächlich verwandelt; wenn man miterlebt, wie der Lehrer Hurwitz den verzweiflungsvollen Kummer um seinen Sohn, der wegen politischer Agitation dann auch erschossen wird, überwindet. Der Lehrer Hurwitz ist eiu Aufklärer; aber doch: „in dieser bitteren Sorge summte er die Melodien aus der Zeit seiiies Talmudstudiuins vor sich hin. Sie hatten soviel schwermütige Trauer in sich, daß sie den Lehrer in eine andere geistige Welt versetzten^ ihn seine Leiden vergessen ließen und trösteten." Es gibt für diese mit allem Jammer Geschlagenen nichts, worüber sie nicht schließlich, doch sich erheben könnten; eine geheime Kraft wohnt in ihnen, die diesen Bettlern irgendwie einen Adel sichert trotz all ihrer Kleinlichkeiten und Schwächen, die durchaus nicht verheimlicht werden. A s ch zeigt Menschen — man weiß, was das heißt; er zeigt arme jüdische Menschen — kannten wir sie so auch vorher? Wir glaubten es und^ sind denoch wie von etwas Neuem, Außerordentlichem ergriffen, wenn er Typen vor uns hinstellt wie Nachel-Leje, die Frau vom Lehrer Hurwitz uud ihre Tochter Heleue und all die anderen um sie her — elementare, unverstellte Menschen: absonderlich und selbstverständlich, abstoßend und ergreifend, Weise und Narren, Verblendete und Erleuchtete: Juden, echte Juden, beladen mit ihrem Jahrtausende alten Schicksal und getragen davon. Gesehen von einem, der sie kennt, versteht und liebt. ' Weißmann. B. Jacob. Auge um Auge. Berlin. 1929. Philo-Verlag. TV und 143 S. Brosch. 4 NM. An der Redewendung „Auge um Auge, Zahu um Zahn" entzündet sich ein bestiinmter Vorwurf gegen das Judentum. Indem man in ihr den Ausdruck eiiws Strafwillens findet, der an dem Täter buchstäblich dasselbe vollziehen lassen will, was er dem Geschädigten angetan, wird sie zum Ausgangspunkt der Behauptung, daß im Judentum eiu Gott der Rache und der erbarmungslosen Vergeltung lebendig sei, dem Milde und Verzeihen fern sei. Jacob rückt nun der falschen Auslegung des Bibelsatzcs zu Leibe; und er siiiaiiiiiii /TN /TN /TN MAINZER WERKSTÄTTEN FÜR HANDWERKSKUNST - F2 SCHNORRENBERGER . MÖBELFABRIK EMMERICH-JOSEFSTR. 13 MAINZ FERNSPRECHER Nr- 478 Geschäftsprinzip - Lieferung von NUR Qualitätsware zu niederst gestellten Preisen 9