Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 5 (1930)
- Issue
- 5 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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1906, im Kampf gegen den zaristischen Absolutismus und seine Unterdrückungsmethoden, und kennzeichnet den Idealismus, der Dr. Nathan als Politiker beseelt habe. Reichssinanzminister a.D. Dr. Peter Reinhold erklärt, daß der Hilssverein eine Organisation sei, auf die ganz Deutschland stolz sein könne. Er hebt hervor, daß sich in der sozialen Gesinnung deutsche und jüdische Einstellung eng berühren. Zu bewundern sei die kluge, geschickte und zielbewußte Leitung des Hilfsvereins, die Größe der für das Hilfs- und Kulturwerk aufgewandten Mittel — 50 000 000 Goldmark — die rationelle Verteilung und die glänzende Organisation der Hilfsaktionen. Diese soziale Hilfe diene über die Linderung der Notlage hinaus auch dem großen Ziele menschheitlichen Fortschritts, dem Völker und Länder verbindenden Gemeinsamkeitsgefühl. Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Dr. Schäffer schildert die Notlage der Juden des Ostens. Das schwere Los der Juden der Ostländer in der Vorkriegszeit ist nach dem Zusammenbruch der alten Herrschaftsverhältnisse nicht erleichtert worden. Was die neuen Völker an Schwerem durchzumachen haben, macht sich für die Juden als Minorität besonders fühlbar. Namentlich leiden sie wegen ihrer Berufsgliederung unter der politischen und sozialen Unruhe, den wirtschaftspolitischen und finanzpolitischen Experimenten bei diesen Völkern. Den Juden des Ostens wird durch die Hilfe und Anteilnahme des Westens das Gefühl gegeben, nicht allein und verlassen zu stehen. Zu dem großen Werke des Hilfsvereins gehören große Mittel. Der Hilfsverein vereinigt die deutschen Juden zu einer gemeinsamen großen Aufgabe, der sie genügen können, ohne daß irgend einem Punkt ihrer religiösen oder staatlichen Ueberzeugung zu nahe getreten wird. Herr Willy D r e y f u s dankt im Namen des Präsidiums des Hilfsvereins den Erschienenen für ihre Teilnahme an der Versammlung und für ihre Förderung des Werkes des Hilfsvereins. Er^ vergleicht diese Kundgebung mit einer großen Zusammenkunft zu humanitären Zwecken unter Leitung von Felix Marburg, der er vor einem Jahre in Newyork beigewohnt haü Das „Sanatorium Emser Heilquelle", ein Heim mit ritueller Verpflegung für minderbemittelte jüdische Patienten (täglicher Pensionspreis 5 RM., Mai und September 4.50 RM.) wird Anfang Mai wieder eröffnet. Möglichst frühzeitige Anmeldungen an den Vorsitzenden, Sanitätsrat Dr. Nehab, Bad Ems. Bücherschau. Müller, S. „Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst". Verlag Boltze, Karlsruhe. 1930. Brosch. 2.— RM. Vorliegendes Büchlein ist geeignet, eine wirklich fühlbare Lücke auszufüllen. Gerade in unserer Zeit, in der durch weite, bisher dem Judentum abseits stehende Kreise, ein Sehnen geht, das Haus wieder mit jüdischem Inhalt zu erfüllen, vor allem den Kindern ein jüdisches Leben vorzuleben, Sabbat und Feiertag wieder im Hause feierlich zu begehen, die alten Symbole unserer Religion wieder mit lebendigem Inhalt zu erfüllen, soll das kleine Werk doppelt willkommen sein. Klar und anschaulich geschrieben, vortrefflich geordnet, frei von allem wissenschaftlichen Ballast und dennoch voll gründlicher Sachkenntnis, gibt die Broschüre eine Uebersicht über die bedeutsamsten religiösen Bräuche der jüdischen Religion und sucht mit dem Gottesdienst in den Synagogen den Leser vertraut zu machen. Ich möchte von ganzem Herzen wünschen, daß das Büchlein vor allem in unserem Religionsunterricht in weitgehendstem Maße benutzt wird, daß der Lehrer an Stelle des mühseligen Diktats es den Schülern in die Hand gibt und mit ihnen genau durchspricht, und daß vor allem die Mütter es lesen, um auf diese Weise so manches jüdische Haus wieder zum Träger echter jüdischer Ueberlieserung zu machen. Aber auch für Nichtjuden, die sich belehren lassen wollen, ist die Schrift zur Orientierung in hohem Maße geeignet; gemeinsam mit den Büchern von Weigl, Else Schubert-Christaller, kann es auch beim Unterricht von Proselyten ganz vortreffliche Dienste leisten. Ich wünsche dem Büchlein einen großen Leserkreis bei Juden und bei Nichtjuden. Dr. Paul Lazarus, Wiesbaden. Dr. Alfred Wiener, Juden und Araber in Palästina. Philo- Verlag,'53 S., 1,40 NM. br. Die letzten blutigen Vorgänge in Palästina stehen im Mittelpunkt dieses Sonderdrucks aus dem „Morgen". Der Verfasser bemüht sich mit peinlicher Gerechtigkeit und abwägender Vorsicht, eine sorgfältige Bestandsaufnahme der äußeren und inneren Verhältnisse Palästinas zu geben, die zu den letzten beklagenswerten Ereignissen führten und die gegenwärtige Spannung zwischen Arabern und Juden bedingen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß von einem j u r i st i s ch begründeten Anrecht auf die Klagemauer, die letzten Endes den Anstoß zu den unseligen Kämpfen gab, für die Juden keineswegs gesprochen werden kann, wohl aber für die A r a b e r,. Die Zionisten können sich lediglich auf ein zeitweilig sehr zweifelhaftes Gewohnheitsrecht berufen, das sie an Hand von geschichtlichen Anekdoten und Reminiszenzen zu belegen suchen. Die Broschüre hat weiterhin den Mut, zuzugestehen, daß schon vor 1800 Jahren Palästina endgültig aufhörte, jüdisöhe Urheimat zu sein, daß während dieser Zeit nur verschwindend wenige, bisweilen überhaupt keine Juden in diesem Lande wohnten, und daß erst vor rund 50 Jahren ein schüchterner Anfang zionistischer Kolonisation einsetzte. Die Broschüre stellt fest, daß es für die zionistische Politik eine verdiente Achtung vor einheimischem arabischem Recht und Kulturleben einfach nicht gab, daß man aber Entrüstung in die Welt schrie, als die natürlichen Landeseinwohner sich gegen ein Eindringen von europäischen Fremdlingen energisch verwahrten. Der Verfasser gibt weiterhin einige interessante Aufschlüsse über arabische Geistes- und Kulturfragen, ohne dabei zu einer prinzipiellen Entscheidung! kommen zu können. Rene Hartogs. Geiger-Gog, Anni: Heini Jermann. Der Lebenstag eines Jungen. Stuttgart 1930. D. Gundert. Dieses Buch von Heini Jermann, vom Kriegskind und seinem Schicksal, das geht alle an: die halbwüchsige Jugend, die Eltern, die Erzieher, alle, die von der Gegenwart aus einen Weg ins Helle suchen. Auf dem Heute liegen noch viele Schatten — wir wissen und fühlen es. Daß uns nicht gegenwärtig ist, w i e viele es sind, merken wir, wenn dieses Kinderleben zu uns redet mit seinen alltäglichen erschütternden Tatsachen. Heini Jermann ist ein Kriegskind, das seinen Vater nie gekannt hat, und dem aller ehrliche Wille nicht hinaushelfen kann aus den Härten und Rechtlosigkeiten seines ungeschützten Daseins. Zurückhaltend, ehrlich, und ganz unsentimental, ist hier ein Schicksal gegeben — doppelt ergreifend, weil es den Schultern eines Kindes aufgebürdet ist. Das Buch trägt, so anspruchslos es auftritt, eine Sendung, und wer nicht eingeschworen ist auf die lauten Worte, dem wird klar werden, daß hier in aller Stille die Ueberwindung der „Revolte im Erziehungshaus" angebahnt wird. Weistmann. Frauen des Morgenlandes. 68 Bilder, eingeleitet und erläutert von Ewald Banse. Schaubücher 5. Geb. 2.40 RM. Leipzig- Zürich. Orell Füßli. , r . Frauen des Morgenlandes — das bedeutet uns ^ulaunth und Scheherezade und Königin von Saba und Sakuntala: Geheimnis, Traum und Märchen hinter Schleiern. Was dieses Büchlein hier gibt, ist greifbarer und enger. Unter Morgenland ist hier beinahe ausschließlich das nördliche Afrika zu verstehen — räumlich und auch geistig zu nahe, um irgend etwas von Mystik uns zu verhüllen. Dem zeitgemäßen Sinn der Schaubücher entsprechend, gibt es eine Menge fesselnden Anschauungsmaterials: tunisische, berberische, ägyptische Typen, Araberinnen, Nubierinnen, Beduinenfrauen, auch ein paar Jüdinnen — bisweilen irr einer besonders charakteristischen Situation z. B. am Webstuhl, bei der Toilette, die häufig sehr kompliziert und langwierig ist. Die Einleitung von Ewald Mrnse, eine Plauderei, ist ein leichter Auftakt zu der folgenden gefälligen Melodie. Weißmann. Personalnotizen. Geboren: Mainz: 10. 4. 30 ein Sohn des Herrn Richard Metzger. Verlobte: Viernheim — Reichenbach: Frl. Nelli Gernsheimer mit Herrn Max Oppenheimer. Monsheim — Flonheim: Frl. Selma Löb mit Herrn Siegfried Braun. Gestorben: Mainz: 9. 4. 30 Frau Alma Löwensberg, geb. Roos, 43 I. alt. 13. 4. 30 Dr. med. Max Mechanik. 25. 4. 30 Frau Betty Strauß, geb. Hochstädter, 60 I. alt. Bingen: 25. 4. 30 Frau Regina Herz, 95 Jahre alt (Beerdigt in Worms). Offenbach a. M.: 26. 4. 30 Herr Max Kamberg, 71 I. alt. Wöllstein (Rheinhessen): 4. 4. 30 Frl. Sophie Kaufmann, 42 Jahre alt. Motorräder 2 Tornax, Sarolea, Schüttoff, Imperia, Nestoria, Peugeot u. Puch Auto- und Motorradzubehör Derop-Tankstelle Reparaturwerkstatt Ernst Will & Co.. Offenbach M. Geieit8tr.39 11