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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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einzelnen Bevölkerungsgruppe wird, sondern zu einer Angelegenheit der Existenz und der Sicherheit des deutschen Staates und des deutschen Volkes. Die wahrhafte und wirkliche Rettung Deutschlands könne sich nur vollziehen in der Herstellung einer unbedingten Wahrhaftigkeit darin, daß jeder die Fragen bis zum letzten durchdenkt, und daß jedermann sich von der Herrschaft des öden Schlagwortes befreie. Herr Rabbiner Dr. Dienemann entwickelte sodann zur Einleitung der Diskussion das Wesen und den Geltungsbereich des Talmuds. Nach einer kurzen Diskussion schloß die zahlreich besuchte Versammlung gegen 11% Uhr. Offenbach a. M. Die Chevra Kadischa hielt am 18. März ihre diesjährige Generalversammlung ab. Nach Verlesung desRechenschasts- und Kassenberichts wurde an Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Jakob Salomon Herr Hermann Kaufmann gewählt. — Am Sabbat Poroschatb Poro feierte dann die Chevra ihr Stiftungsfest. Einem alten Brauch entsprechend, wurden die gottesdienstlichen Funktionen von Mitgliedern der Chevra in traditioneller Weise ausgeführt. Eine S u d o am darauffolgenden Abend, aufs beste von dem Vorstandsmitgliede, Herrn N. Grünewald, vorbereitet, vereinte die Frauen und Männer der Chevra im großen Festsaal des Gemeindehauses. Der Vorsitzende, Herr G u m b, gedachte in warmen Dankesworten des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Jakob Salomon, begrüßte das neugewählte Mitglied. Herrn Hermann Kaufmann, sowie die neu aufgenommenen Mitglieder, Frau L. Joseph und Herrn Lehrer H. L i ch t e n st e i n. Die Rede des Herrn Rabbiners Dr. Dienem a n n feierte den Gedanken der Z'doko, der in unserer Zeit umgebaut werden muß, so daß er die Solidarität aller darstellt. An der Sudo nahur als Gast Herr Henri) Rothschild aus Frank-. furt a. M. teil, der den Cbevra-Geist als Kernstück echt-jüdischreligiöser Gesinnung pries. Weitere ernste und heitere Ansprachen sowie ein von Herrn Kantor G o t t l i e b verfaßtes, mit reichem Beifall aufgenommenes Tischlied waren dazu angetan, den Ge - m e i n s ch a f t s g e i st in unserer Gemeinde zu fördern. — Dem gleichen Zwecke diente der vorn Chor - und Jugendverein veranstaltete S e d e r a b e n d, der von Herrn Rabbiner Dr. Dienemann feinsinnig erläutert, von Herrn Kantor Gottlieb musikalisch geleitet wurde und nachhaltigen Eindruck bei den Teilnehmern hinterließ. — Das Jüdische Frauenstift veranstaltete am 31. März d. I. einen seiner beliebten Teenachmittage, verbunden mit einem Vortrag des Vorstandsmitgliedes Frau Röschen Hirschfeld über das Thema: „Unsere Heranwachsende Jugend und wir." Ausgehend von dem schon immer bestandenen Gegensatz von „alt" und „jung", der sich in unserer außergewöhnlichen gegenwärtigen Zeit aus den verschiedensten Ursachen heraus — die angeführt und kurz erläutert wurden — noch vergrößert und vertieft hat, werden wertvolle Fingerzeige gegeben, wie - diese Gegensätze überbrückt oder zum mindesten gemildert werden können. Die Hauptforderung der Reserentin ist: „A l l e r persönlichste Arbeit m i t und a n der Heranwachsenden Jugend. Die Hauptarbeit ist nicht beim Säugling und Kleinkind zu leisten; weit größer wird die Arbeit bei den Halberwachsenen." Ihre mit großem Interesse aufgenommenen Darlegungen, die später eine lebhafte Aussprache auslösten, gipfelten in der Mahnung: „Mit unseren Kindern und ihren Idealen leben, uns zur Freude, ihnen und der Mitwelt zum Segen!" Gießen. Am 27. April 1930 wurde in dem benachbarten Leihgestern ein Ehrendenkmal für die Gefallenen des Weltkriegs eingeweiht. Das Denkmal dürfte eines der schönsten und würdigsten unserer weiteren Heimat sein. Unter den Namen der Gefallenen Leihgesterns befindet sich auch unser Glaubensgenosse I. Weißenbach. Die Einweihung wurde durch einen festlichen Akt unter außerordentlich großer Beteiligung der Behörden, der Einwohnerschaft Leihgesterns und der Umgegend vollzogen. Nach den Vertretern der Behörden und dem Pfarrer sprach Herr Emil Mannheimer, Gießen im Aufträge des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten und zugleich für die israelitische Neligionsgemeinde Leihgestern. Der Redner erinnerte an den Geist wahrer, edler Kameradschaft, der draußen an der Front geherrscht habe, wo Haß und Ablehnung keine Stätte gefunden hätten. Diesen Geist gelte es sortzutragen zum Wohle des deutschen Volkes. Die Folgen des verlorenen Krieges könnten nur überwunden werden, wenn das ganze Volk in den großen Fragen der Gesamtheit gemeinschaftlich denken und handeln lernen würde, wenn Unterschiede von Stand, Rang, Glaube und politischer Ueberzeugung zurückträten vor der Liebe zur Heimat, zum Volke, die unabhängig wäre von Glaube und Ueberzeugung. Redner zitierte das Wort, das Reichspräsident von Hindenburg vor genau fünf Jahren beim Antritt seines schweren Amtes gesprochen hat: „Ich reiche jedem die Hand, der national denkt, die Würde des deutschen Namens nach innen und außen wahrt und den konfessionellen und sozialen Frieden will!" Leider müsse die jüdische Gemeinschaft auch heute noch täglich gegen Haß und Verleumdung kämpfen, gerade der NIF. müsse immer wieder die Ehre von 12 000 gefallenen deutschen Juden verteidigen. Doch wir glauben an eine bessere und schönere Zukunft: 2000 Jahre unserer Geschichte, die uns Haß, Leid, Verfolgung und Mvrd sonder Zahl gebracht haben, lehren uns auch, die Nöte der Gegenwart überwinden durch den unbeirrbaren Glauben an die Zukunft. Deshalb dürften wir Juden die Mahnung aussprechen, daß dieses Denkmal Leihgesterns nicht allein eine Erinnerung an die unvergeßlichen Toten sei, sondern darüber hinaus eine ständige Aufforderung, den Geist der Frontkameradschaft fortleben zu lassen, brüderlich und einig zusammenzustehen und über die schwere Gegenwart den Glauben an eine schöne und fteie Zukunft des deutschen Volkes nicht zu verlieren. Die Rede machte auf die große Versammlung sichtlich tiefen Eindruck. Zum Schlüsse seiner Ausführungen legte der Redner im Namen der israelitischen Gemeinde und des NIF. einen Kranz am Denkmal nieder. Vereine und Verbände. Kundgebung für den Hilfsverein der Deutschen Juden. Katharina von Kardorff und Dr. James Simon, Vorsitzender des Hilfsvereins der Deutschen Juden, hatten am 7. April zu einem von mehr als tausend Personen besuchten Teeabend itt den großen Festsaal von.Kroll geladen, an dem deutsche Politiker zu dem Werk des Hilfsvereins der Deutschen Juden Stellung nahmen. Unter den Gästen befanden sich Reichsbankpräsident Luther, Professor Albert E i n st e i n , Eduard B e r n st e i n, Finanzminister a.D. Sü bef um, Gesandter Dr. Gradnauer, von Kardorff, Graf A r c o und zahlreiche führende Persönlichkeiten aus Handel, Industrie und Bankwelt. Generalkonsul Eugen Landau, der Leiter der Versammlung, begrüßte die Anwesenden und schilderte kurz die Ziele und Tätigkeitsgebiete des vor 30 Jahren gegründeten Hilfsvereins, der überparteilichen, neutralen deutsch-jüdischen Organisation für soziale und kulturelle Arbeit. Er gedachte des vor drei Jahren dahingeschiedenen Mitbegründers des Hilfsvereins Dr. Paul Nathan, in dessen Sinne, dein Geiste der Menschenliebe und Menschenhilfe, das Werk des Hilfsvereins fortgeführt werde. Frau Katharina von Kardorff versicherte, daß die Frauen ohne Rücksicht auf konfessionelle Bindungen stets da zu finden sind, wo Hilfe Not tut, und appellierte mit warmen Worten an die Hilfsbereitschaft der Anwesenden. Herr Dr. Rudolf Breitscheid, MdR., führte aus: Der Hilfsverein arbeite, indem er seine humanitären Dienste den Juden des Ostens widme, an einem Menschheitswerk mit, dem alle diejenigen, die guten Willens seien, gleichviel welchen Bekenntnissen sie huldigen und welche Stellung sie überhaupt zu konfessionellen, religiösen und Rassefragen einnehmen, Sympathie, Respekt und Bewunderung entgegenbringen müssen. Er hebt hervor, wieviel es für das Deutschtum bedeute, wenn den Juden des Ostens, die einen so beträchtlichen Bestandteil der östlichen Bevölkerung ausmachen, deutsches Kulturgut nahegebracht werde. Dem Andenken Dr. Nathans zollt er voller Wärme seinen Tribut, er gedenkt der Zusammenarbeit mit ihm in den Jahren 1905 und I I > I I I I B I I I | m rr\ MAINZER WERKSTÄTTEN FÜR HANDWERKSKUNST F£ SCHNORRENBERGER . MÖBELFABRIK EMMERICH-JOSEFSTR. 13 MAINZ FERNSPRECHER Nr- 478 Geschäftsprinzip: Lieferung von NUR Qualitätsware zu niederst gestellten Preisen 9

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