Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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252 -schlagendes, — weil die so sorgfältig erzogenen in d e r B l ü t h e- Heit des Lebens schon für vollständig reif gehalten, und in Folge dessen ihrem selbstständigen Thun und Lassen anvertraut wurden, einem Thun und Lassen, das eben darum allen ihnen bis dahin eingeprägten Lehren und Grundsätzen nach allen Seiten hin Hohn sprach. — Bei noch Anderen wiederum war weder das Eine noch das Andere der Fall. Reif, in Wissen sowohl, als in Jahren, traten sie ihren Weg in's Leben an: ihr jugendlicher, schwärnierischer und leicht beweglicher Sinn aber führte sie nur zu bald, gegen ihre bessere Erkenntniß, auf Abwege. Ach, daß man aus diesen Wegen anlänglich gar so leicht und anmuthig dahinwandelt, daß man dadurch eben gar so schnelle und reißende Fortschritte aus denselben macht, ehe man sich dessen nur entfernt klar und bewußt geworden, so daß man schon von Tausenden und Zehntausenden, die sie eingeschlagen, mit Salomo auszurusen genöthigt war: כל״ באיה לא ישובון ולא ישיגו ארחות ״ חיים (משלי ב ׳י״ט)Alle, die sie betraten, sie kehrten nicht wieder, und erreichten niemals mehr die Pfade eines höheren, besseren Lebens!" — Bei noch Anderen waren böse Beispiele, verderblicher Umgang, falscher Ehrgeiz, Hab- und Genußsucht die traurigen Ursachen des frühzeitigen Abstreifens der duftigen Blüthen edler Tugend und Herzensreinheit. Aber auch das erfreuliche Gegentheil allrs dessen bietet sich uns im Leber: dar. Denn wie gar oft gehen aus der Schule der Noth und Bedrängniß, des Mangels und der Dürftigkeit gediegenste Geistes- und Herzensbildung, höchste und -geläutertfte Erkenntniß hervor, wenn dem, den! Herzen innewohnenden, mächtigen Forschungs- und Wissenstriebe noch so leise entgegengekommen, eine noch so geringe und unbedeutende Handhabe geboten wurde. Die gewaltigsten, dem edlen Streben entgegenftehenden Hindernisse selbst, wurden dann von dem inneren Antriebe als geringfügige, dem zu erringen gesteckten Ziele gegenüber angesehen, wenn der Gedanke des endlichen Erreichens des letzteren vor das innere Auge trat, und die damit verknüpften, zahlreichen und schweren