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Israelitisches Predigt-Magazin · 1878-01-01 · 3 (1878) · p. Seite 247

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
4 (1878)
Issue
3 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 247 (sequence 87)
Language
German
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247 eure Seele!" Aber zugleich wird Demuth von uns gefordert, daß wir nicht, selbstüberhebend, keine Schranke anerkennen, daß wir nicht vermessen, da, wo unser Horizont sich neiget, das Ende aller Dinge gekommen glauben! Lehret uns denn nicht die alltägliche Erfahrung, daß hinter den! Gesichtskreise unseres körperlichen Auges noch eine ungeheure, weite Welt verborgen ist? Und sollte es denn anders sein mit unserem Geistesauge? Dazu sehen wir durch die Fortschritte, die das Erkennen und das Wissen auf allen Gebieten macht, lange Zeit für wahr Gehaltenes als falsch erwiesen — und wir dürften jedem Zuge unseres Herzens, jeder Regung unseres Geistes folgend, Wahrheiten, die Jahrtausende hindurch bewährt, die durch Nichts erschüttert sind, verdrängen und neue, uns gefälligere an ihre Stelle setzen? Wer kann uns bürgen, daß wir nicht morgen wieder das zertrümmern, was wir heut gebauet — das verachten, was wir heut verehrt, das Lüge nennen, was uns heut der Inbegriff des Wahren hat geschienen? So unserer Lust genügend, würden wir zerstören aller Menschen Hohes und Heiliges, würden wir verwirren Recht und Gesittung! Nach Erkenntniß streben ist Pflicht des Israeliten, — jeder augenblicklichen Gesinnungsrichtung folgend aber zu ändern Sitte und Glauben, das wird bezeichnet Nlit dem שנכנסו לפני ולפנים — das heißt sich geberden, als ob man in das Innerste des Heiligthums eingedrungen, als ob Nichts mehr dunkel, alles vor uns läge klar und offenbar! Verwirrung nur, ewiges Schwanken, kann allein die Folge solchen Ueberhebens sein. Und so stellt sich uns dies unberechtigte Selbstgefühl, dies maßlose Treiben dar in Nadab und Abihu, gegenüber denr wahrhaft edlen Triebe der Selbstveredlung eines Mose. Keiner hat wie dieser erkannt die Herrlichkeit Gottes, Niemand stand ihm gleich in der Erkenutniß des Herrn — und die Wirkung? וקרן עור פניו ״Ihn umstrahlte göttliche Milde", Demuth und Bescheidenheit, und so ward er das Vorbild des echten Gottesmannes, des wahren Volkssuhrers für alle Zeiten! Sie aber sanken dahin.

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