Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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208 I. Amalek's Zeit gebrach es an B e g e i st e r u n g. — Egyplens schweres Joch war von den Schultern der Israeliten genomnlen. Wunder reihte sich an Wunder, und immer deutlicher und klarer ward's den umgebenden Völkern, daß ein mächtiger Gott dies Volk unter seine besondere Obhut genommen, es mit seiner Hand gefeiet — was war natürlicher, als daß ihr Augenmerk sich auf das kleine, bisher wenig beachtete Völkchen lenkte, daß sie vor Begierde brannten, den Zauber der Unnahbarkeit zu brechen, der sich um Jsraels Haupt gebreitet hatte. — So lange jedoch das Volk, seinen Gott in der Brust, voll Begeisterung.für die ihm gewordene Aufgabe glühte — so lange blieb es unbehelligt. — Amalek's Spürauge fand keine Blöße, keinen wunden Fleck — er wagte keinen Angriff, da regte sich der Todfeind aller Begeisterung, wie der Frühlingsfrost die zarte Blüthe, so ließ der Z w e i f e l ihre Begeisterung erstarren — die Frage entglitt ihren Lippen: ״ היש י״י בקרבנו אם איןIst Gott, ist die Wahrheit wirklich in unserer Mitte oder nicht? und siehe da — ״ ויבא עמלק וילחם עם ישראל ברפידיםkam Amalek und kämpfte mit Israel in Refidim," — wie die Weisen bemerken:״ — .אין רפירים אלא רפיון יריםmit der Mattherzigkeit." Den Zeitpunkt, da Israel an sich selber zu zweifelu begann, da es ermattete und erschlaffte im Eifer für seinen Glauben, hatte Amalek herbeigesehnt, und seine Stunde war gekommen. Nicht der Vernunft, m. And., war jener Zweifel entstiegen, — denn den ernsten, ehrlichen Vernunftzweifel, dem die ehrliche Prüfung aus dem Fuße folgt, verpönt das Judenthum nicht — wer hätte nicht schon Momente gehabt, in denen die Vernunft Einspruch erheben wollte gegen Vorschriften und Satzungen, in denen Zweifel in ihm auftauchten, die die Begeisterung für den Glauben gefährdeten, — solche Zweifel,׳ m. And., fürchtet das Judenthum nicht, weil auch die tiefste Vernunft sich bescheiden lernt, aus dem ruhelosen Meere unfruchtbarer Grübelei einzumünden in den Hafen des Glaubens, weil dieser Zweifel die Begeisterung wohl