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Israelitisches Predigt-Magazin · 1878-01-01 · 2 (1878) · p. Seite 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
4 (1878)
Issue
2 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 155 (sequence 75)
Language
German
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X. Unsere Huldigung und unsere Losung. UredigL zum KeöurLsLag des deutschen Kaisers. Von Rabbiner Dr Schwarz in Karlsruhe. M. a. Z.! Unter allen Bildern, deren die Sprache sich bedient, um hervorragende Männer zu verherrlichen, dürfte keines geeigneter sein, die wahrhaft menschliche Größe so getreu zu veranschaulichen wie das Bild vom Baume. Nicht blos weil der mit seinen lveitverzweigten Aesten hoch in die Lüfte ragende Baum die unerschütterliche Charakterfestigkeit, die hohe Würde, die unverwüstliche Trieb- und Schöpferkraft zugleich veranschaulicht, sondern weit mehr dadurch, daß er die ununterbrochene Wechselwirkung, die zwischen großen Mannern und deren Zeitalter obwaltet, eben so treu wie plastisch zum Ausdruck bringt. Denn jemehr Säfte der Baum dem Boden entlockt, desto mehr Blätter wirft er ab, um der Erde die ihr entzogenen Kräfte auf Umwegen zurück zu erstatten, je höher die Krone des Baumes emporragt, desto tiefer gräbt sich sein Stamm in den Boden ein, je breiter seine Aeste sind, desto verzweigter werden seine Wurzelfasern. Und wahrhafte Größen, Menschen, denen ein Genius die Stirn berührt hat, sind auch nichts Anderes als Fruchtbüume, die mit ihren Wurzeln in der Gegenwart stehen uub mit ihren Aesten in die Zukunft hillüberragen. Aus den Anschauungen ihrer Zeit ziehen solche Männer ihre Kräfte und Säfte, von den Zeit- Verhältnissen empfangen sie die Anregung zu außergewöhnlichen Leistungen, zil Thaten, mit denen sie den Boden, auf dem sie stehen, auf's neue׳ befruchten. Ein großer Mann, sagt nran, drücke seinem Zeitalter den Stelnpel des eigenen Geistes auf, das ist wohl richtig, aber es ist nicht weniger richtig, daß ein solcher Mann desto höher emporragt, je tiefer er in seiner Zeit wurzelt, je klarer, je geläuterter er die Herr-

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