Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9619793-9619877--1227-9619921- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
124 beiden großen, unser ganzes Leben durchdringenden und es beherrschenden Lehren 1) von dem Vertrauen auf Gott in der Gegenwart, und 2) von der Hoffnung auf eine Zukunft. Ihr fragt: Wo? und Wie? unser Fest diese goldenen Lehren ausspricht? Wodurch es die Mittheilung derselben an uns bewerkstelligt? Welcher Mittel es sich bedient, diese Lehren uns eindringlich an's Herz zu legen? So groß die Lehren sind, die das Fest uns beut, so staunenswerth einfach ist das Mittel, wodurch das stumme Fest sie so beredt uns mittheilt. Das Gottesduch hebt an vielen Stellen mit Nachdruck hervor, daß das große Befreiungsfest aus ägyptischer Sklaverei im Frühlinge sich vollbrachte, und ruft noch in dem heut verlesenen Abschnitt uns zu: עזמור“ אות ״ הורש האביבBeachte den Frühlings Monat, und feiere das Peßachfest dem Ewigen, deinem Gotte, denn im Frühlingsmonate hat er dich aus Aegypten geführt." Wie verstehen wir diesen Zuruf? In welchem Zusammenhänge steht der Frühling mit jener wundervollen Befreiungsthat? Oder wäre diese minder wohlthätig, minder außerordentlich zu nennen, wenn sie in jeder andern Jahreszeit stattgefunden hätte? Moses wollte vielleicht, könnte man uns erwidern, die Israeliten auf diesen Frühlingsmonat aufmerksam machen, um ihnen anzudeuten, daß ihnen auf ihrer Wanderung weder Hitze noch Kälte beschwerlich fallen würde — aber, standen unsere Väter nicht jederzeit unter Gottes unmittelbarem Schutze? Konnte sie der Allgütige nicht eben so gut dem Ungemache der Witterung entziehen, wie er sie auf ihrem Zuge in der großen und furchtbaren Wüste vor noch weit größern Gefahren schützte? Was für Bewenden also hat es mit dem שטור את חודש האביב, mit dieser Hindeutung auf den Frühlingsmonat? Allein grade darin, in dieser scharfen Betonung der Jahreszeit, in diesem Zusammenhänge, in welchem das Gottesbuch das religiöse Fest mit dem stetigen Wechsel in der Natur stellt, in diesem Hinweis auf den Frühling, da liegen die zwei großen Lehren des Vertrauens auf die göttliche Hülfe und des Hoffens auf eine Zukunft. Wie dadurch, daß sich das Peßach-