Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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73 heute" ״ לצאת ולבואein- und auszugehen" unter seinem Volke. Noch zieht er sich nicht ermattet und abgespannt in seine Gemächer zurück, mag es sich auch nur darum handeln, durch ein freundliches Wort, durch einen freundlichen Blick den einsachsten Bürger zu beglücken. Die Huldigungen der Schulfugend finden ihn ebenso pünktlich und gewissenhaft auf dem Platze, als die Vorträge bewährter Räche und Staatsmänner. — Aber mehr noch, als die körperliche, haben wir die geifüge Kraft und Regsamkeit unseres Monarchen zu bewundern. Es giebt ja außer ihm Viele, welche von Gott mit einein langen Leben und unverwüstlicher Gesundheit begnadet sind, aber sie vermögen bei vorgerückteren Jahren nicht mehr ihrer Zeit zu folgen, wir sagen von ihnen, daß sie lebend sich selbst überlebt. Wer möchte sie deshalb tadeln! Jedes Zeitalter hat einmal sein eigenes Gepräge, seine eigene Richtung, und es ist den Aelteren nicht leicht, sich in die Bestrebungen der Jüngeren hineinzufinden. Aber Kaiser Wilhelm ist auch in dieser Hinsicht zu vergleichen mit dem greisen Kaleb. Als dieser in seinem Mannesalter stand, sollte für Israel ein neues Land errungen, ein neuer Boden für die Verfolgung seiner nationalen Ziele gewonnen werden. Aber das damalige Geschlecht konnte diesen Gedanken noch nicht fassen, uub die Verwirklichung desselben konnte erst dem späteren Geschlechte anheimgegeben werden. Aber Kaleb war es, der der ganzen Zeitströmung mit Ruhe entgegentrat und mit fester Stimme ihr die Worte zurief: עלה נעלה וירשנו אותת ב׳ יבול :ובל לת ״Wohl werden wir hinausziehen, es uns erobern, denn wir werden es uns gewinnen." Auch Kaiser Wilhelm ist nicht stehen geblieben bei den alten Anschauungen, die zu seiner Jugendzeit allgemein waren und deren Einflüssen seine Erziehung unterworfen gewesen. Ausgewachsen in einer Umgebung, die kein Verständniß hatte für den deutschen Einheitsstaat, die fast ebenso, wie die Zeitgenossen des Kaleb, jeden Hütten steinigen mögen, der dieses auf seine Fahne geschrieden, — hat er sich doch über dieselbe erhoben, hat sich getrennt von den veralteten Traditionen und zu seinem Wahl-