Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616701-9619793-9619794--1170-9619864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 Ach, es greift der Schmerz gar gewaltig ein in unsere Seele, wenn wir daran denken, daß wir plötzlich von denen gerissen werden können, die unserer noch so sehr bedürfen, oder wenn wir aü' derer gedenken, die der unerbittliche Tod von unserer Seite bereits gerissen, und die unseres Lebens Stütze, unseres Lebens Zierde und Freude sind gewesen, wenn wir sehen, wie unseres Lebens Baum immer kahler und blätterloser wird-Aber ein Trost bleibt uns: Die Krone unseres Lebensbaumes ragt bis in den Himmel! Ans den innersten Tiefen unseres Herzens tönt uns die freudige Botschait entgegen, daß der Tod keine Macht hat an demgüttlichen Antheil in uns, daß er nicht völligen Untergang, sondern Uebergang zu höherem, lichterem Leben in der Ewigkeit bedeute. Darum klagen wir nicht, bäumt verzweifeln wir nicht, denn uns richtet auf die tröstende Gewißheit, daß die Heimgegangenen aus uns niederblickeu aus den Sphären einer höheren Welt, und daß, wie sie sortleben in unserem Gedächtnisse, all0 auch wir einst mit ihnen vereint werden zu ewiger Seelengemeinschaft. Ja, diese heiligen Erinnerungen, die wir den thenren Entschlafenen jetzt hier weihen, sie reden lauter und überzeugender, als alle Gegengründe des Zweifels, als alle Einwendungen des kalten Verstandes, daß ein Gesetz geistigen, wenn auch unbegriffenen Zusammenhanges obwalten müsse, zwischen denen, die bereits eingegangen sind zum ewigen Leben, und uns, die hinieden noch weilen auf dieser Erde. Die Stunde der ״ See len fei er" selbst, in der wir geistige Zwiesprache mit allen denen halten, deren verklärtes Bild jetzt vor unsere Seele tritt, befestigt in uns — wir fnhlen es in diesen nüt heiliger Wehmnth und heißer Sehnsucht uns erfüllenden Augenblicken — diesen beseeligenden Glauben an ein Wiedersehen! Und so gedenken wir, Herr vor Dir, der Führer unserer Jugend, der theuren und geliebten Eltern, deren Pflege und Sorgsamkeit du unsere hülflose Kindheit hattest anvertraut; wir gedenken der Väter, die unermüdlich für uns gesorgt, der Mütter, die uns nüt den wärmsten Pulsschlägen