Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 9-10 (6.1875) Juni-Juli
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 241 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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241 Wir wollen in Kürze ihren Inhalt characterisiren. Die ״Reden und Ansprachen" des Hrn. Zadoc Kahn sind von einer Feinheit des Stiles, einer Eleganz der Sprache, einer Formgewandtheit, wie sie dem erhabenen Inhalte nicht angemessener sein können. Es sind nicht gerade neue Gedanken über die Lehre und Mission des Jndenlhums, denen mir hier begegnen, aber es werden die alten, ewig jungen Lehren und Grundsätze der Bibel, die Principien und Vorzüge unserer Religion mit solch hinreißender B״redtsamkeit vorgetragen, in so herrlichem Prachtgewande vorgeführt, daß Inhalt und Form gleichsehr aus des Hörers Herz wohltbueud einwirken müssen Es ist schwer zu sagen, welcher unter den 18 Reden die Palme gebührt, ob der Schmini-Azereth Predigt, welche ״von der Freude", oder der Jomkippur-Predigt, die ״vom Schmerze" d. i. dem heilsamen Einfluß der Leiden handelt, ob der zu Sabb. Sachor, worin der Redner in geistreichen Wendungen uachweist, daß die Anklagepunkte Hanans im Grunde lauter Vorzüge des Judeuthums enthalten, — wie Bileams beabsichtigte Verwünschungen in seinem Munde zu Segenswünschen sich gestalteten, — oder der philosophisch durchgesührten SchabuothPredigt über ״Glauben und Tbun", oder den beiden ergreifenden von der ״Unsterblichkeit" handelnden? Es ist jede für sich eine Perle von eigenem Werthe; die genannten nicht minder, wie die hier nicht namentlich ausgeführten. Sie werden sammt und sonders zur Verwirklichung des Zieles beitragen, das der Redner — nach dem ״Vorwort" — bei seiner Sammlung im Auge gehabt, daß sie die Lücke, die er bei seinen französischen Glaubensgenossen in Bezug aus die Kennt׳ uiß des Judeuthums vorfindet, auszufüllen helfen werden, ״sie zu unterweisen in ihrer Religion, sie bekannt zu machen mit ihren bewuuderuugsmürdigen Schönheiten, sie zu durchdringen mit ihrem Geiste der Wahrheit und Sittlichkeit!" Die Levy'schen ״Reden" stehen den Kahn'schen würdig zur Seite, sie behandeln mit gleicher Meisterschaft ähnliche Sujets. Drei von ihnen haben sogar die Ueberschriften fast gemeinsam, die über ״Unsterblichkeit" über ״die Freuden der Religion" und über ״Glauben und Thun." Besonders die letzte fordert unwillkürlich zu einem Vergleiche mit der Kahn'schen heraus, und ist es auch in Bezug auf den Inhalt nicht leicht zu sagen, welcher der Vorzug vor der anderen gebührt, so ist doch die Levy'sche durch ihre etwas lockere Verbindung mit dem Chauukafest formell im Nachtheile, die Kahn'sche knüpft naturgemäßer an das נעשה ונשמע an. Dagegen ist die sechste in der L.'schen Sammlung, anknüpfend an das eine Wort המה, eine MaskirMeschamoth-Predigt von ergreifender Wirksamkeit: k6n862 ä la mort! ist das Thema, das der Redner mit erschütternden Worten vor den mit Wehmuth erfüllten Hörern abhandelt, sie zur sich aufraffenden Thätigkeit, zur rechtzeitigen Fürsorge für fich und die Ihrigen, sowie zur Buße und Besserung mahnend. So hoch wir diese beiden Predigtsammlungen in rhetorischer Beziehung stellen, so haben wir an beiden nur Eines vom Standpunkt der Forderungen der Homiletik vermißt und das ist: die streng logische Theilung der zu entwickelnden Gedanken. Wohl wird einleitend das