Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 9-10 (6.1875) Juni-Juli
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 238 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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VII. Trauungsrede zum Wochenaöschnitt Sch'mini. Von Di*. A Lew in, Rabbiner in Koschmin. Verehrtes Brautpaar! ״ גם בשחק יכאב לבAuch im Scherz schmerzt das Herz" (Prov. 14, 13) In des Glückes reich gefülltem Becher fehlt der Tropfen Wermuth nie — Auf der Freude höchstem Gipfel stellt sich auch die Wehmuth ein — Mit dem Jauchzen stets gepaaret ist des Herzens Bangigkeit! — Auch Ihr, meine Theuren, — Wehmuth, Bangen, Zagen trüben des Frohlockens reinen Ausdruck, das Euer Herz erfüllt! Was soll die Thräne, die da perlet aus dem glückerfüllten Aug' der Braut? Was spricht der stille Ernst, der sich bemeistert des Bräutigams an seinem Ehrentage? — Nicht Trennung ja bringt Euch des Lebens weihevollste Stunde — nicht mindert sie, was Euch bisher zu eigen war! Sie fügt hinzu dem Guten, Schönen, das das Leben Euch bis jetzt verliehen, die schönste, reinste, herrlichste der Erdengaben! Eins seid Ihr geworden in Eurem Denken, Eurem Fühlen — ewig, innig haben Eure Herzen sich verbunden! Und diese längst geschlossene Vereinigung der Seelen soll in diesem Augenblicke geweihet werden und gefestigt durch den Segen, durch das Band der Religion. Nicht also, — wie so oft es wohl geschieht — ziehen Sie, verehrte Braut, an der Hand eines fast ungekannten Gatten ein in Ihr eignes Heim — nein! — dem, den Ihre Seele liebt, folgen Sie mit freudiger Zuversicht zu der Stätte, die Sie durch Ihr Walten, durch Ihr Schaffen erheben wollen zu einem Tempel, da stets weilen Liebe, Achtung und Vertrauen, da fest linb unverbrüchlich wurzeln Gottesglaube und herzinnige Gemeinschaft alle Zeit! — Und auch nicht hinaus in weite Fernen führet sie ein gütiges Geschick — nicht in fremder Umgebung sollen Sie Ihr Haus errichten, in stän-׳ digem Vereine bleiben Sie mit Ihrem Elternhause, stets haben mahnend Sie, und auch erhebend das holde Bild des Eheglücks vor