Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 7-8 (4.1875)
- Date
- 1875-04-01
- Page
- Seite 167 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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II. \ predigt gehalten am zweiten Aeßachtage 1874 von D1-. Plempe rer, Rabbiner in Landsberg a. d. Warte. M. A.! Um die Weisheit eines Weisen zu erproben, so lautet eine bekannte Erzählung, bediente man sich einst folgenden Mittels: man stellte zwei Blumen vor ihn hin, eine natürliche und eine künstliche. So geschickt aber war die künstliche der natürlichen nachgeahmt, daß es schwer hielt herauszusinden, welche aus dem Schooße der Erde, welche aus kunstfertiger Hand hervorgegangen. Beide erglänzten in denselben Farben, beiden entströmte derselbe Wohlgeruch — nun sollte der Weise zeigen, daß er seinen Ruf verdiene, sollte entscheiden, welche der Blumen die echte sei,, die lebendige. Er besann sich eine Weile, dann öffneteer das Fenster — es dauerte nicht lange, da kamen Bienen hereingesummt, umkreisten das Blumenpaar, blieben aber nur an einer hasten. Diese, so erklärte der Weise, diese ist das Original, die andere blos die Copie. So eine alte Erzählung. Warum ich heute mit ihr beginne? Weil wir auch bei geschichtlichen Erscheinungen daran einen untrüglichen Maßstab haben, ob sie Lebenskraft, ursprüngliche und gottverliehene, in sich bergen, weil auch bei Gebilden des Geistes, wenn sie nährende, labende Elemente, Honigstoff besitzen, die Bienen nicht ausbleiben, die ihn überall herauszufinden und herauszusaugen verstehen. Dies sehen wir zu unserer freudigen Genugthuung bestätigt an unserem Judenthume; wer an dessen geistiger Kraft und Frische zweifeln wollte, den könnten wir einfach auf die Zellen Hinweisen, die immer wieder und wieder mit dem Honig gefüllt und gebaut werden, der aus unseren Beeten im Garten unserer Religion gewonnen wird. Daß man nicht angibt, der Wahrheit gemäß angibt, wo, aus welchem Gedankenboden die Blunien gestanden, das sind wir gewohnt, und darum bringt es uns nicht auf, uns genügt, erhebt und erfreut das Bewußtsein, daß unsere Lehre so heute, wie in der Vorzeit Tagen, ״der Baum des Lebens" ist; nur Eines schmerzt und kränkt uns: daß aus geistigem Gebiete geschieht, wozu die N a t u r kein Seiten- Israelisches Predigt-Magazin. April 1875. 11