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Israelitisches Predigt-Magazin · 1975-03-01 · 6 (3.1975) · p. Seite 151

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
6 (3.1975)
Date
1975-03-01
Page
Seite 151 (sequence 23)
Language
German
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151 unseres innersten Fühlens sein. Alle Tage sich des Lebens erfreuen, das ist unser Ziel. Aber nicht in bacchantisch wilder Weise, nicht in rasendem Vergnügungstaumel äußere diese Freude sich! Der Zweck der Freude, meine Andächtigen, ist das Verschönen des Lebens. Indem sie uns einen freieren Ausblick, ein für die Lichtseiten unseres Daseins ungetrübtes Auge schaffet, erfüllt sie ihre Aufgabe. Des Herzens Freude sei wie Lied und Saitenspiel, verscheuchend alle Sorge, alle Bangigkeit, vergessen machend Leid und Schmerz. Denn dieses Gesanges Melodieen sind nicht irdische Weisen, dieser Freudenlieder Worte feiern nicht die Lust und Freude, welche allein behaget dem thierischen Menschen, dem Körper — sondern aufwärts führen sie ihn dahin zum ״Berg des Ewigen," von der Erdenlast zur Einigung mit Gott, zur Seelenfreunde und zur Geiftesruhe! Aber, meine Theuren, widersprechen wir uns nicht, wenn jetzt wir dem Alltäglichen Wirkungen zuerkennen, die vorher nur dem Außerordentlichen, dem das ganze Sein und Wesen des Menschen Erschütternden wir zugeschrieben haben? Nein, meine Freunde, denn wir haben hinzugefügt, daß in Wahrheit es nichts Kleines, nichts Unbedeutendes giebt, daß nur unser Auge geöffnet werden muß, sei es durch die Lehren der Religion, oder durch gewaltige Ereignisse, um auch im Unwesentlichen und Geringfügigen das Wunderbare wiederzufinden, welches tm Großen und Bedeutenden uns begeistert, uni auch im Alltäglichen zu erkennen die gnadenreiche Huld des Ewigen, die Obhut des Hirten Israels und der Menschheit: מה שנת הגאולה פרנסה אף שנת הפרנסה גאולה ומה הפרנסה בכל י1ם אף הגאולה בכל יום ומה הגאולה פלאים ״ .אף הפרנסה פלאיםWie der Erlösung Zeit zugleich die Zeit der Ernährung in sich faßt, so fasset auch die Zeit, in welcher alle Menschen erhalten ihre Nothdurft aus des Ewigen Hand oder, wie wir es zu nennen pflegen, in welcher wir erwerben unsere Bedürfnisse — die Erlösung in sich. — Wie die Ernährung alltäglich sich vollzieht, so ist auch die Erlösung nicht der Zukunft Vorbehalten, sondern kann uns alltäglich zur Wahrheit werden und dennoch bleibet wunderbar wie die Erlösung, so auch die Ernährung." Ja, m. Th.! Es erscheinet so selbstverständlich und vollziehet sich so naturgemäß, daß Alles, was da lebet, seine Nahrung findet — und eben dieses Einfache und Natürliche wird gleichgestellt den! Wunder der. Erlösung, ja es birgt die Erlösung in sich. Denn so mit Aufmerksamkeit mir betrachten, was unbeachtet zu lassen wir gewohnt sind, sehen Gottes Finger wir — fühlen wir uns befreit von der Angst und dem Grauen, mit welchem allzu zaghast der kleingläubige Mensch seiner Zukunft entgegen sieht. Da werden wir

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