Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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112 wollende, empfängliche Genrüther finden und reiche Früchte tragen; laß, o Herr, gesegnet sein diese Stunde, gesegnet sein meinen Eintritt in diese Stadt! Amen. Sei mir gegrüßt, theure Gottesgemeinde, im Hause des Herrn, seid mir alle, alle gegrüßt in dieser schörren Stunde, da wir voller Hoffnung rrrrd Erwartung, voll Vertrauen und Zuversicht mit einander jetzt schließen wollen einen festen Friedensbund, da uns umfassen sollen die innigen Bande eines Strebens, eines Wirkens. Nicht bangend und zagend trete ich heute als Fremder in eure Mitte — hat mich doch Euer Herz gewiunendes Entgegenkommen ermnthigt und gestärkt — nein mit Joseph im heutigen Wochenabschnitte rufe ich euch allen zu את אחי אנכי מבקש (Gen. 37, 16) ״um meine Brüder zu suchen, um Brüder zu finden, bin ich hierher gekommen." In treuer Gemeinschaft vereint, wollen wir fest zusammenhalten in guten und in bösen Stunden, in würdiger, erhebender Andacht wollen wir von nun an vereint hier weilen in den traulichen Hallen unseres himmlischen Vaters, wollen uns aufrichten an seinem Wort, uns erleuchten an seinem Lichte, uns heiligen durch seine Lehre. Ja, um Brüder, um treue, offenherzige Freunde zu finden bin ich hierher gekommen. Ist es mir doch wohlbewußt, daß es ohne Eintracht, ohne Frieden kein segensreiches Schaffen gibt, daß ohne eure hülfreiche stets gern bereite Unterstützung jedes Müh'n vergeblich ist, jedes Werk mißlingen muß. — Denn der Lehrer in Israel er wird nicht gestützt, getragen und gefördert von einer menschlichen Macht, sondern einzig und allein von dem unbegrenzten Vertrauen, einzig und allein von der Liebe und Zuneigung seiner Gemeinde, er soll nicht abgesondert und abgeschlossen über seinem Kreise stehen nicht um seines Amtes, seiner Würde willen sich erhaben über Andere dünken. Sind doch die göttlichen Wahrheiten, die er verkünden soll, nicht fein Verdienst, nicht sein alleiniger Besitz, sondern Gemeingut Aller, ״ כל הרוצה ליטול יבא ויטילein Jeder kann, ein Jeder soll sie erstreben." Die Macht eines Lehrers in Israel besieht allein in treuem, gewissenhaftem Dienen, seine Würde kann nur eine selbsterrungene, wohlverdiente sein; nur eine Ehre darf, eine Ehre soll er vor Anderen erstreben, und dieist, durch einen gottgefälligen Wandel, durch menschenwürdige Thaten als Erster, als Muster zu gelten. — Wie jener König in würdiger Auffassung seiner hohen Stellung von sich sagte: ״er sei nichts mehr denn der erste Diener im Staate", also betrachte sich der Lehrer in Israel nur als den ersten Diener Gottes in seinem Kreise. Frei von jeder