Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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i 99 Es siegt die Wahrheit, mit ihr siegt durch Israel und an Israel das Recht. Des sind wir ja Zeugen. Wie hat er doch nachgelassen der Druck der Efau-Hand! Wie feiten tritt er noch auf als rohe Gewalt und Gewaltthätigkeit, die sich vor sich selbst und vor Anderen gar nicht einmal rechtfertigen will. Haß und Vorurtheil wagen es kaum mehr in ihrer Nacktheit an das Licht der Gesittung und Bildung zu treten, sie suchen sich in den Schein des Rechts zu hüllen, mit den Gefpinnsten der Umdeutung und Verdrehung ihre Blöße gn decken. Israeliten, das ist des Triumphes genug! Wenn uns nicht mehr die Gewalt entgegentritt mit der Faust, der Gewaltige den: Schwachen und Wehrlosen, wenn er sich der Waffe Jakobs selbst bedienen will, des Mundes, des Wortes, wenn der Streit auf das Gebiet des Geistes, der Gründe, der Vernunft verlegt ist, dann hat Jakob bereits gesiegt. Denn die Waffen des Vornrtheils, sie verrosten, sind verrostet; das Schwert des Geistes ist blank uub scharf. Darum beten wir an den heiligen Tagen zuerst: gib, daß Alle dich in Ehrfurcht erkennen — ובכן תן פחדך — dann: ובכן תן כבוד gib Ehre Deinem Volke. Jakobs Riff verkünde Wahrheit; Recht und Ehre sie folgen nach. II. 4 Die Stimme Jakobs ist zweitens das Gebet. Das Gebet ist, wie Gott selbst, zu dem wir beten: מק אבות ״der Ahnherrn Schutzwehr." Wohl hat dieser Schild sich bewährt. Wie oft hat Israel zu seinem treuen Hüter gerufen! Seit den Tagen des egyptischen Druckes ״als ihr Flehen ansstieg zu Gott von der harten Arbeit, und er erhörte ihr Rufen und gedachte seines Bundes" — wie oft seitdem, wie oft! Wer zählt die Seufzer, die Thränen, das Flehen, den Aufschrei der Geängsteten! Gott hat sie gezählt, gehört, er hat gerettet und beschützt. Und wenn Israel seinen Drängern und Würgern vergeblich zurief, wie einst in der Vorzeit Fromme nächtlich vor dem Palaste der Tyrannen klagten: 0״ אי שמים הלא אב אחד לכלנו Himmel! haben wir denn nicht Alle Einen Vater?" — wenn, sage ich, Menschen nicht auf diesen Ruf hörten, so hat Gott ihn gehört. Und sendete er nicht immer den Cherub mit dem Flammenfchwerte um zu schützen, so stieg doch der Seraph nieder mit dem Stabe des Trostes, aufzurichten das Herz der Gebeugten, zu beleben den Geist der Zerschlagenen, und gab Muth, freudigen Opfermuth, gab Kraft, unversiegbare Kraft, weiter zu leiden um Gottes willen, weiter zu dulden, weiter jeglicher Marter zu spotten, dem Tode in jeglicher Gestalt Trotz zu bieten. ׳4.